Überraschender Sieger im Ranking Wo die Deutschen real die höchsten Einkommen haben

In klassischen "Reichenhochburgen" sind die Einkommen im Schnitt so hoch, dass sie die ebenfalls hohen Lebenshaltungskosten ausgleichen. Andernorts ist das Leben günstiger, sodass die Menschen aber teils sogar mehr Geld zur Verfügung haben. Eine entscheidende Rolle spielen die Mieten.
Wo sind die Menschen in Deutschland am wohlhabendsten? Will man dabei nicht nur wissen, wie viel die Menschen verdienen, sondern auch, was das Einkommen vor Ort wert ist, wird es kompliziert. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln hat das nun berechnet - und kommt auf einen Sieger: Heilbronn.
Weil die durchschnittlichen verfügbaren Einkommen dort nicht nur zu den höchsten in Deutschland gehören, sondern die Lebenshaltungskosten auch relativ normal sind, setzt sich die Stadt in Baden-Württemberg an die Spitze der Statistik. Im benachbarten Neckarsulm hat die Schwarz-Gruppe ihren Sitz, zu der Lidl und Kaufland gehören. Heilbronn verdrängt damit das bayerische Starnberg, das bei der vergangenen Auswertung noch vorn lag.
Insgesamt zeigt die Auswertung, die auf Zahlen des Jahres 2023 beruht - aktuellere liegen nicht vor - gerade am oberen Ende des Rankings eine bunte Mischung aus den üblichen Verdächtigen bei Reichtum und dem, was Autor Christoph Schröder "Hidden Champions" nennt. Klassische "Reichenhochburgen" weisen so hohe Durchschnittseinkommen auf, dass diese die hohen regionalen Lebenshaltungskosten - im Starnberg liegen sie beispielsweise um 14 Prozent über dem Durchschnitt - mehr als ausgleichen. Landkreise wie Neuwied, Wunsiedel oder Rhön-Grabfeld kommen dagegen durch gute Einkommen und deutlich unterdurchschnittliche Preise in die Top Ten.
Konkret sieht die Spitze des Rankings nach realem Einkommen - also dem um die regionalen Preise bereinigten regionalen Durchschnittseinkommen pro Jahr folgendermaßen aus:
Heilbronn (Baden-Württemberg) mit 39.424 Euro pro Kopf
Landkreis Starnberg (Bayern), 39.224 Euro
Landkreis Rhön-Grabfeld (Bayern), 38.479 Euro
Landkreis Neuwied (Rheinland-Pfalz), 37.441 Euro
Landkreis Miesbach (Bayern), 37.078 Euro
Landkreis Erlangen-Höchstadt (Bayern), 36.804 Euro
Landkreis Wunsiedel (Bayern), 36.385 Euro
Hochtaunuskreis (Hessen), 36.080 Euro
Landkreis Mainz-Bingen (Rheinland-Pfalz), 35.814 Euro
Landkreis Olpe (NRW), 34.437 Euro
Wie schon bei früheren Auswertungen finden sich oben vor allem Landkreise. Gerade in größeren Städten ist das Einkommen oft nicht besonders hoch, die Lebenshaltungskosten dagegen schon - denn der entscheidende Faktor bei den Preisunterschieden sind die Mieten. Ohne ihren Effekt wären die regionalen Preisunterschiede relativ gering, da viele Kostenpunkte wie Lebensmittel aus dem Supermarkt, Auto, Benzin, Elektronik und alles, was im Internet bestellt wird, deutschlandweit kaum Preisunterschiede haben.
Vor allem die Mieten sind es auch, die Großstädte um eine Chance auf bessere Platzierungen bringen. Selbst das reiche München, das beim Durchschnittseinkommen mit 38.190 Euro auf Rang 6 liegt, rutscht durch das höchste Preisniveau - fast 24 Prozent über dem Bundesdurchschnitt - real auf Rang 68 von 400 ab. Noch deutlich weiter nach unten geht es durch hohe Preise für Frankfurt, das nominal auf Rang 125 läge, aber auf 358 abstürzt, Stuttgart rutscht von 48 auf 249, Hamburg von 116 auf 331.
Dass Heilbronn als einzige Stadt in den Top Ten sogar den Spitzenplatz belegt, hat dabei noch einen besonderen Grund, wie die Autoren der Studie erklären. Für das dortige Durchschnittseinkommen spielen Gewinnentnahmen aus Gewerbebetrieben eine ausgesprochen große Rolle. Diese können dort teilweise die Hälfte der Einnahmen ausmachen und haben die Stadt in den neuen revidierten Einkommensdaten des Statistischen Bundesamtes deutlich nach oben geschoben. Allerdings weisen die Autoren auch darauf hin, dass nur wenige Haushalte von diesen Gewinnentnahmen profitieren.
Niedrigste Realeinkommen nur in Städten
Wie sich - mit der Ausnahme Heilbronn - ganz oben nur Landkreise finden, sind es am unteren Ende des Rankings nur Städte. In den meisten Fällen sind es dabei niedrige Einkommen, die trotz eher niedriger Lebenshaltungskosten durchschlagen. Bei Offenbach am Main und insbesondere Freiburg im Breisgau spielen allerdings auch überdurchschnittliche Lebenshaltungskosten eine Rolle.
An der Spitze sieht das Ranking der niedrigsten realen Einkommen folgendermaßen aus:
Offenbach am Main (Hessen), 21.430 Euro
Gelsenkirchen (NRW), 21.469 Euro
Duisburg (NRW), 22.236 Euro
Kaiserslautern (Rheinland-Pfalz), 23.070 Euro
Herne (NRW), 23.082 Euro
Ludwigshafen (Rheinland-Pfalz), 23.144 Euro
Bremerhaven (Bremen), 23.477 Euro
Frankfurt (Oder) (Brandenburg), 23.940 Euro
Freiburg (Baden-Württemberg), 23.949 Euro
Halle (Sachsen-Anhalt), 24.184 Euro
Bayern im Länder-Ranking vorn
Blickt man auf die Bundesländer, liegt Bayern im Hinblick auf preisbereinigte regionale Kaufkraft an der Spitze. Hier trifft das höchste nominale Einkommen auf die dritthöchsten Preise. Mit Abstand auf dem letzten Platz der Skala liegt Berlin, wo die zweithöchsten Preise auf die zehnthöchsten Einkommen treffen. Besonders weit rutscht Hamburg ab, das zwar den dritten Platz beim nominalen Einkommen, aber auch die höchsten Preise hat.
Im Detail stellt sich die reale regionale Kaufkraft in den Bundesländern so dar:
Bayern, 30.396 Euro
Schleswig-Holstein, 29.358 Euro
Baden-Württemberg, 29.216 Euro
Niedersachsen, 28.658 Euro
Rheinland-Pfalz, 28.639 Euro
Nordrhein-Westfalen, 28.208
Hessen, 28.200 Euro
Thüringen, 27.651 Euro
Sachsen, 27.592 Euro
Sachsen-Anhalt, 27.358 Euro
Saarland, 27.350 Euro
Brandenburg, 27.061 Euro
Mecklenburg-Vorpommern, 26.697 Euro
Hamburg, 26.685 Euro
Bremen, 26.094 Euro
Berlin, 24.656 Euro
Die Basis der Auswertung ist eine aufwendige Datensammlung des IW Köln zu den regionalen Preisen in kreisfreien Städten, Kreisen sowie Stadt- und Landkreisen in Deutschland, die die Forscher mit Einkommensdaten des Statistischen Bundesamtes verknüpft haben. Beide beruhen auf Daten des Jahres 2023, weil vor allem für die Einkommen keine aktuelleren validen Zahlen vorliegen. Mit einer früheren Auswertung des IW Köln zum selben Thema sind die Daten nur eingeschränkt vergleichbar. Damals hatte Starnberg den ersten Platz belegt.