Wirtschaft

Reichtum "kaum quantifizierbar" Würth kümmert sich wenig ums Geld

Reinhold Würth spricht erstmals öffentlich über die Entführung seines behinderten Sohnes. Zudem gibt der 81 Jahre alte Schrauben-Milliardär Einblick in seine unternehmerische Tätigkeit und erläutert seinen Führungsstil.

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Reinhold Würth.

(Foto: picture alliance / dpa)

Schrauben-Milliardär Reinhold Würth hat es aufgegeben, sein Geld zu zählen. Im Interview mit den Zeitungen der Funke Mediengruppe sagte der 81-Jährige über sein Unternehmen Würth-Gruppe: "Wir haben im Moment 4,3 Milliarden Euro an Eigenmitteln in der Bilanz stehen. Die Summe ist kaum noch quantifizierbar, es ist halt viel. Ich zähle mein Geld so wie die Urbevölkerung am Amazonas: Eins, zwei, viel."

Er selbst kümmere sich wenig ums Geld, erklärte Würth. "Wir werden in diesem Jahr wohl einen Gewinn von 600 Millionen Euro machen. Davon wandern 300 Millionen ins Eigenkapital, das dann von 4,3 auf 4,6 Milliarden Euro wächst. Ich persönlich habe davon nicht viel. Auch brauche ich nichts davon." Das Kapital diene der Sicherheit des Unternehmens.

"Recht beratungsaffin"

Trotz seines fortgeschrittenen Alters laufen die Fäden über das mehr als 71.000 Mitarbeiter starke und weltweit agierende Unternehmen bei Reinhold Würth zusammen. "Wenn man das Unternehmen mit einer Aktiengesellschaft vergleicht, bin ich die Hauptversammlung. Ganz wichtige Entscheidungen landen bei mir", erklärte er über seine Rolle.

Er sei recht beratungsaffin, sagte der Unternehmer weiter. Er habe sich schon oft von seinen Geschäftsführern in seiner Meinung umstimmen lassen. Er betonte: "Am Ende muss es aber immer einen geben, der sagt: So wird’s gemacht. Ich muss zugeben, das bin schon ich."

Nach seiner Vorstellung soll die im baden-württembergischen Künzelsau ansässige Würth-Gruppe innerhalb von 10 Jahren 40 bis 50 Prozent mehr an Umsatz erzielen, "teilweise auch durch Akquisitionen". Derzeit unterhalte die Würth-Gruppe in Deutschland 420 Niederlassungen, die auf 1000 ausgebaut werden sollen, kündigte der Milliardär an. "Kein Kunde soll mehr als fünf bis zehn Minuten Autofahrt haben, um zu einer Würth-Niederlassung zu gelangen. Das ergibt eine Lieferzeit, die nicht mal Amazon hinbekommt", so Würth weiter.

"Ich habe keine Feinde"

Würth äußerte sich auch erstmals öffentlich über die Entführung seines Sohnes Markus im vergangenen Jahr. Er hat eine Erklärung dafür, dass die Kidnapper bis heute nicht gefasst wurden: "Die Entführer waren einfach zu raffiniert. Das waren sehr professionelle Täter", sagte Würth. "In der besagten Nacht hat die Polizei Unglaubliches geleistet. Mehr war nicht möglich", verteidigte er die Arbeit der Ermittler. Es seien die Bundesländer Hessen, Bayern und Baden-Württemberg beteiligt gewesen. Er habe den Innenministern danach seinen Dank ausgesprochen, erklärte der Unternehmer aus dem baden-württembergischen Künzelsau.

Würth sagte weiter: "Das Gute ist ja, dass die Entführer meinem Sohn Markus nichts angetan haben. Er hatte nicht einen Kratzer." Allerdings zog der Milliardär Konsequenzen aus dem Fall. Sein Sohn sei nun an einem anderen Ort, "den ich nicht nennen möchte". Auf die Frage, ob er selbst sich sicher fühle, sagte der 81-Jährige: "Ach ja, schon. Ich habe keine Feinde." Er bewege sich nie so, dass seine Wege sich täglich ritualisiert wiederholen, erklärte Würth. "Ich bin viel unterwegs in der ganzen Welt. Aber wenn es mal nach Indonesien oder so geht, habe ich einen Bodyguard dabei", sagte er weiter.

Der behinderte Sohn Würths war am 17. Juni 2015 im hessischen Schlitz entführt worden. Der damals 50-jährige Markus Würth lebte dort in einer integrativen Wohngemeinschaft. Einen Tag später wurde er in einem Wald bei Würzburg unversehrt an einen Baum gekettet gefunden. Ein Entführer hatte die Geodaten des Ortes preisgegeben. Zu einer Übergabe der geforderten drei Millionen Euro Lösegeld kam es nicht. Sie scheiterte nach Angaben der Ermittler. Bis heute fehlt von den Tätern jede Spur.

Quelle: ntv.de, wne