Wirtschaft

Indikator für gute WirtschaftslageZahl der Firmenpleiten sinkt auf Rekordtief

28.11.2016, 13:13 Uhr
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Die Insolvenzordnung gilt seit 1999. (Foto: picture alliance / dpa)

Erneut sinkt die Zahl der Firmen- und Privatinsolvenzen in Deutschland. Vor allem die wenigen Firmenpleiten sprechen für eine gute wirtschaftliche Gesamtlage. Allerdings ist der Schaden für die Gläubiger deutlich größer als in den Vorjahren.

In Deutschland gehen in diesem Jahr nach Schätzungen von Creditreform so wenige Unternehmen in die Insolvenz wie seit 1999 nicht mehr. Die Wirtschaftsauskunftei rechnet bis zum Jahresende mit rund 21.700 Firmenpleiten, das wären noch einmal 6,4 Prozent weniger als 2015, wie ihr Hauptgeschäftsführer Volker Ulbricht mitteilte.

Die Zahl der Insolvenzen von Unternehmen ist seit 2010 rückläufig. Allerdings werden die Pleiten für die Gläubiger deutlich teurer: Creditreform rechnet für das laufende Jahr mit Schäden durch Unternehmensinsolvenzen von 27,5 Milliarden Euro, 40 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Das liegt vor allem an einigen Großinsolvenzen: Allein die Pleite der mit fragwürdigen Cum-Ex-Geschäften in eine Schieflage gekommenen Maple Bank schlug mit 2,6 Milliarden Euro zu Buche. Bei German Pellets und KTG Agrar bleiben unter anderem die Zeichner von Mittelstandsanleihen auf dreistelligen Millionenbeträgen sitzen. 221.000 (2015: 225.000) Arbeitsplätze gingen in diesem Jahr durch Insolvenzen verloren. Die meisten Pleiten betreffen aber kleine Unternehmen: Vier von fünf haben maximal fünf Mitarbeiter, fast die Hälfte setzt weniger als eine Viertelmillion Euro im Jahr um.

Textilbranche arg gebeutelt

Mit am stärksten betroffen ist in diesem Jahr aber die Mode- und Textilbranche: Steilmann sowie Rudolf Wöhrl und SinnLeffers machten als Insolvenzfälle die größten Schlagzeilen. "Der Textil-Einzelhandel steckt in großen Kalamitäten", sagte Ulbricht. Viele traditionelle Einzelhändler kämen mit dem Tempo und dem Wettbewerbsdruck von großen Ketten wie Zara und H&M nicht mit, erklärte Michael Bretz, der Leiter Wirtschaftsforschung bei Creditreform.

Die anhaltend gute Konjunktur und eine verbesserte Zahlungsmoral helfen den Unternehmen, wie Ulbricht sagte. Wenn es dennoch zu einer Insolvenz komme, spielten Managementfehler und andere interne Ursachen eine immer größere Rolle. Für 2017 sagt die Auskunftei einen weiteren Rückgang der Firmenpleiten auf 20.000 bis 21.000 voraus. "Die gute Entwicklung wird sich fortsetzen", sagte Ulbricht. Auch die Gesamtzahl der Insolvenzen - einschließlich der Verbraucherinsolventen - werde im nächsten Jahr zurückgehen, auf 119.000 bis 122.000. Für 2016 kalkuliert Creditreform mit einem Rückgang um drei Prozent auf 123.800 - den niedrigsten Wert seit 2004.

Quelle: ntv.de, shu/wne/rts

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