Wirtschaft

Deutschland zahlt wenig, Spanien zu viel Zinsen driften auseinander

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Deutschland zahlt historisch niedrige Zinsen, Spanien die höchsten seiner Geschichte.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Ratingagentur Moody's senkt den Ausblick für Deutschlands Bonität, aber dem Kapitalmarkt ist das egal. Zu groß ist die Verunsicherung wegen der Euro-Schuldenkrise und zu intensiv die Suche nach vermeintlich sicheren Häfen. Ein ganz anderes Bild zeichnet Spanien. Das Land muss für dringend benötigtes Kapital immer höhere Zinsen zahlen.

Im Gegensatz zu Spanien kann sich Deutschland - trotz des kritischen Ausblicks der Ratingagentur Moody's - auch langfristig zu historisch niedrigen Zinsen mit Geld versorgen. Für die aufgestockte 30-jährige Bundesanleihe erhielten Investoren im Schnitt 2,17 Prozent Zinsen, wie die Bundesbank mitteilte. Damit ist die Rendite für die Papiere so niedrig wie nie.

Moody's hatte am Montag den Ausblick für die Bonität Deutschlands auf negativ gesenkt. Auch der Ausblick für die Niederlande und Luxemburg wurde herabgesetzt. Als Begründung gab die Ratingagentur die "wachsende Unsicherheit" in der Eurozone an und verwies auf die Möglichkeit eines Ausstiegs Griechenlands aus dem Euro sowie dessen mögliche Auswirkungen auf weitere Krisenstaaten wie Spanien.

Am Dienstag senkte Moody's auch den Ausblick für den Euro-Rettungsfonds EFSF und sechs Bundesländer. Eine negativer Ausblick ist ein möglicher erster Schritt für eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit.

Renditen klettern weiter

In Spanien wächst bereits die Sorge, ob die viertgrößte Volkswirtschaft der Eurozone ihren wachsenden Kapitalbedarf aus eigener Kraft decken kann. Aus amtlichen Zahlen und Schätzungen von Experten ergibt sich, dass das Land bis Jahresende rund 50 Mrd. Euro am Markt aufnehmen muss - erheblich mehr, als Regierungsvertreter noch vor kurzem erwartet hatten.

Zu den knapp 30 Mrd. Euro, die für das zweite Halbjahr ohnehin eingeplant waren, kommen erhebliche Beträge hinzu. Rund zehn Milliarden Euro werden demnach mit Beginn des kommenden Jahres benötigt, um das Haushaltsdefizit wie gegenüber der Europäischen Union zugesagt zu verkleinern. Weitere zwölf Milliarden Euro fallen an, um die klammen Regionen zahlungsfähig zu halten.

Noch vor wenigen Monaten hatten sich spanische Regierungsvertreter gebrüstet, das zweite Halbjahr werde für die Kapitalaufnahme am Markt weniger schwierig. Vom erwarteten Finanzierungsbedarf für das Gesamtjahr von 89 Mrd. Euro seien 59 Mrd. Euro schon in den ersten sechs Monaten gedeckt worden. Inzwischen ist davon nicht mehr die Rede.

Mehr noch: Für Spanien wird es immer teurer, am Markt Kapital zu besorgen. Die Rendite für zehnjährige Staatstitel ist zuletzt auf über siebeneinhalb Prozent gestiegen, weit oberhalb der Marke von sieben Prozent, die als kritisch gilt. Jedenfalls wird es immer schwieriger, am Markt noch in ausreichendem Maße ausländische Käufer für Staatsanleihen zu finden.

Der nächste Test steht vor der Tür: Am 30. Juli muss Spanien Anleihen im Umfang von 12,87 Mrd. Euro zurückzahlen, wofür es auf die Staatskasse oder kurzfristige Geldmarktpapiere zurückgreifen kann. Ende Oktober werden dann binnen zwei Tagen 20,27 Mrd. Euro fällig. Spanien hat derzeit einen Puffer von 28,9 Mrd. Euro auf der Seite. Der Bestand ist jedoch zuletzt stark abgeschmolzen: Im April waren es noch 44 Mrd. Euro, im Mai 40,3 Mrd. Euro.

Quelle: ntv.de, AFP/rts

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