Wirtschaft

Sturm über Madagaskar Zyklon macht Vanille richtig teuer

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(Foto: picture alliance / Roland Weihra)

Das nennt man wohl Globalisierung: Ein tropischer Sturm fegt über die ostafrikanische Insel Madagaskar hinweg - und weltweit erreicht der Preis für Vanille deshalb ungeahnte Höhen.

Als im März der Zyklon "Enawo" Madagaskar heimsuchte, nahm der Rest der Welt davon keine Notiz. Doch wenige Monate später ist das anders: Denn seinetwegen ist Vanille sehr teuer geworden - ein Kilo des Gewürzes kostete zeitweise mehr als 600 Dollar.

Das liegt an zweierlei Gründen: Zum einen hat der Zyklon große Teile der Anbauflächen der vor Afrikas Ostküste gelegenen Insel zerstört. Zum anderen ist Madagaskar der größte Produzent von Vanille, das Land deckt vier Fünftel des Weltbedarfs. Das heißt: Madagaskar bestimmt den Preis – und wenn das dortige Angebot sinkt, geht er kräftig nach oben.

Die Ernte ist derzeit in vollem Gange. "Die Preise werden noch höher liegen als im vergangenen Jahr", sagt Georges Geeraerts, Chef der Vanille-Exporteure Madagaskars. Dabei kennt der Vanille-Preis schon seit 2014 nur eine Richtung: steil nach oben. Schon heute gehört Vanille zu den teuersten Gewürzen der Welt - nur Safran erzielte bisher noch höhere Preise. Zur Einordnung: Vor wenigen Jahren kostete ein Kilo noch um die 30 Dollar.

Vanille wird nicht nur für Produkte wie Eiscreme, Pudding, Kuchen, Kekse, Joghurt, Bonbons und ähnlichem verwendet, sondern auch für Duftstoffe, Körperlotionen, Badezusätze, Shampoos, Raumdüfte, Seifen und ähnlichem. Die meisten Hersteller verwenden allerdings das synthetische Vanillin. Der Preisanstieg trifft deshalb Anbieter, die mit natürlichen Aromen auskommen wollen.

Vor allem sogenannte Bourbon-Vanille, die ausschließlich aus den Anbaugebieten Madagaskar, La Réunion oder auf den Komoren stammen darf, wird seltener und damit kostbarer. Weltweit drohen den Verbrauchern höhere Preise, sollten die Händler ihre Mehrkosten an die Endkunden weitergeben. Der Lebensmittelgigant Nestlé hat der "Financial Times" zufolge damit bereits begonnen und die Preise für Vanilleeis in der Schweiz um 2,5 Prozent erhöht. Der Londoner Nobel-Eisverkäufer Oddono bietet die Sorte nicht mehr an.

Die Nachfrage steigt

Ein Preisrückgang zeichnet sich nicht ab, im Gegenteil. "Das größte Problem ist, dass die Rohvanille oft zu früh geerntet wurde, da die Bauern aus Angst vor Diebstahl schon ab März mit der Ernte begonnen haben - obwohl die Blüte erst Mitte Juni beginnt", sagt Rado Andrianantenaina, Produzent und Exporteur aus Antalaha im Nordosten der Insel. Der Chef des Unternehmens "Maison de Sava" geht davon aus, dass die Preise angesichts der knapper werdenden Menge an guter Ware kaum nachgeben werden: "Es dürfte wohl mehr oder weniger der gleiche Preis wie im Vorjahr sein, zwischen 400 und 600 Dollar pro Kilo." Der Unternehmer ist sicher: "Das wird die Kunden aber nicht davon abhalten, Vanille zu kaufen: Im Vorjahr wurden zwischen 1800 und 2000 Tonnen aufbereiteter Vanille exportiert."

Auch der im Vanille-Geschäft auf Madagaskar stark engagierte niedersächsische Duft- und Aromenhersteller Symrise geht kaum von sinkenden Preisen aus. Der Konzern aus Holzminden gehört zu den etwa zwei Dutzend Unternehmen, die Vanille von der Insel weiterverarbeiten. Rund 7000 Vanille-Bauern arbeiten auf Madagaskar mit Symrise zusammen - der Konzern verarbeitet etwa zehn Prozent der auf Madagaskar angebauten Vanille. Engpässe bei der aktuellen Ernte sieht er nicht: "Für unsere Nachfrage sind Mengen in ausreichender Qualität verfügbar", sagt Symrise-Vorstand Heinrich Schaper. Sein Unternehmen ist nach eigenen Angaben das einzige auf der Insel, das Rohvanille vor Ort extrahiert und dann in hochkonzentrierter, flüssiger Form in alle Welt exportiert. Denn die Vanille-Schoten enthalten gerade mal zwei Prozent wertvolle Aromastoffe.

Auch Schaper spricht von einer hohen Nachfrage: "Vor allem in den USA und Asien, aber auch Europa ist der Trend nach Authentizität, nach Natürlichkeit ungebrochen." Das Ergebnis: Die Nachfrage steigt. Der Preis auch. Damit kommen neue Anbieter auf den Plan - etwa in Indien oder auch in Uganda. Das sieht auch Geeraerts vom Verband der Vanille-Exporteure so: "Mit derartigen Preisen dürften auch andere Länder mit dem Vanille-Anbau beginnen, so dass ein Überangebot die Preise fallen lassen wird." Doch bis dahin dürfte es noch etwas dauern. Der Grund: Nach der Anpflanzung der Kletterorchideen dauert es im Idealfall rund vier Jahre, bis die ersten Vanilleschoten geerntet werden können.

Für Vanille-Bauern in Madagaskar ist der hohe Preis eine gute Nachricht. Tim McCollum, Gründer des Exporteurs Madécasse Chocolat & Vanilla, sagte der "Financial Times": Zum ersten Mal können sie sich Häuser aus Zement bauen und es sich leisten, die Kinder länger als zwei Jahre in die Schule zu schicken.

Quelle: ntv.de, jga/dpa