Wirtschaft

Fitch nimmt Banken unter die Lupe Zypern droht neues Problem

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Zyperns Bürger sind wütend auf die Regierung - und die EU.

(Foto: picture alliance / dpa)

Am Donnerstag sollen Zyperns Banken wieder öffnen. Allerdings gibt es Spekulationen über Unregelmäßigkeiten im Bankensektor, angeblich unnatürlich hohe Geldabflüsse befeuern sie. Aber das ist nicht der einzige Grund, weshalb die Ratingagentur Fitch dem gebeutelten Euro-Land mit einer Herabstufung droht.

Nach der Einigung auf ein Hilfspaket für Zypern hat die Ratingagentur Fitch dem Land mit einer baldigen erneuten Herabstufung seiner Kreditwürdigkeit gedroht. Das bisherige Rating "B" werde wegen des angeschlagenen Bankensektors unter verschärfte Beob achtung gestellt, teilte die Ratingagentur mit. Fitch bewertet Zypern aber weiter weniger negativ als Standard & Poor's ("CCC") und Moody's ("Caa3").

Vor allem das gescheiterte zyprische Bankensystem sei für die Entscheidung verantwortlich, schreibt Fitch. Ob es tatsächlich zu einer Herabstufung kommt, hänge von den Einzelheiten des mit der Troika (EZB, EU, IWF) vereinbarten Programms ab. Entscheidend sei auch die Bereitschaft der zyprischen Behörden zur Umsetzung von Reformen.

Unregelmäßigkeiten bei Auslands-Transfers?

Anleger in Zypern haben vor der Bankenschließung möglicherweise im großen Stil Geld abgezogen. Der zyprische Parlamentspräsident Giannakis Omirou will den Verdacht prüfen, wonach es ungewöhnlich hohe Geldüberweisungen ins Ausland sowie größere Bargeld-Abhebungen gegeben haben soll. Omirou forderte eine Liste mit Überweisungen der vergangenen Wochen an.

Zudem untersucht die Regierung in Nikosia, ob auch hohe Summen in s Ausland transferiert wurden, als die Banken bereits geschlossen hatten und das Online-Banking gesperrt war. Die Banken sollen am Donnerstag nach fast zwei Wochen wieder öffnen. Die Regierung fürchtet Chaos.

Unklar waren zunächst Details zu Kapitalbeschränkungen, mit denen Zypern nach Öffnung der Banken massive Geldabflüsse verhindern will. Möglicherweise gelten sie für einige Wochen. Es wird erwartet, dass Bankkunden künftig nur bestimmte Höchstbeträge pro Tag und Monat abheben dürfen. Das Limit für Geldautomaten war am Sonntag je nach Bank auf 100 bis 120 Euro reduziert worden.

Die Geldhäuser öffnen zwei Tage später als ursprünglich geplant. Finanzminister Michalis Sarris begründete die längere Sperrung bis Donnerstag mit der Sorge vor massiven Geldabflüssen. Auch habe die Regierung Zeit gebraucht, um Kapitalverkehrskontrollen zu installieren. Ursprünglich sollten die Banken am Dienstag wieder öffnen - nach zehntägiger Schließung.

Im Zuge der Banken-Rettung könnten reiche Anleger in Zyper n etwa 40 Prozent ihrer Geldanlagen verlieren - als Beitrag zur Sanierung des Bankensektors. Sarris nannte dies im britischen Sender BBC eine realistische Größenordnung.

Der Geldabfluss vor der Bankenschließung soll nach Informationen aus der zyprischen Notenbank bei der Europäischen Zentralbank (EZB) aufgefallen sein: Zyprische Banken forderten demnach viel mehr Geld an als ihre Kunden sich von Geldautomaten holten.

"Unmengen" von Geld

Der zyprische Parlamentspräsident will auch prüfen, ob hohe Beamte ihr Geld ins Ausland geschafft haben, die in Entscheidungszentren der Notenbank oder im Präsidialgebäude sitzen und von der bevorstehenden Entscheidung zur Schließung der Banken am 16. März wussten. Zyprische Medien berichteten ohne Quellenangabe, es seien "Unmengen" von Geld abgehoben worden.

Nach dem Rettungspaket sollen Einlagen oberhalb der EU-weiten Sicherungsgrenze von 100.000 Euro an der Banken-Sanierung beteiligt werden. Das zweitgrößte Geldhaus, die Laiki-Bank, wird abgewickelt. Ein Teil ihres Geschäfts wird von der Bank of Cyprus übernommen. Aus Protest gegen die Sanierung trat der Chef der Bank of Cyprus, Andreas Artemi, zurück, wie der staatliche Rundfunk meldete.

Quelle: n-tv.de, dpa