Der Börsen-TagAlle Augen auf Powell
Mit leichten Erholungsansätzen an Europas Börsen rechnen Händler. Angesichts der Zinsentscheidung und Projektionen der US-Notenbank nach dem europäischen Handelsschluss dürfte das Geschäft aber noch umsatzärmer werden als schon zuletzt. "Es hat wirklich keinen Sinn, Positionen aufzubauen, bevor die Fed etwas über ihren wahrscheinlichen Zinspfad und Inflationsprojektionen gesagt hat", sagt ein Händler. Bei den Terminen blickt man am Vormittag auf revidierte Inflationsdaten aus Europa und Großbritannien.
Eine Zinssenkung um 25 Basispunkte wird fest erwartet - ob dieser aber ein Zinssenkungszyklus folgt, ist offen. "Der Fokus liegt auf der Forward Guidance der Fed, besonders auf Signalen, ob es zu schnelleren Senkungen noch 2025 und dann 2026 kommt", blickt Lloyd Chan von MUFG voraus. Um die taubenhaften Erwartungen des Marktes zu erfüllen, müsse die Zentralbank einen längeren Senkungszyklus signalisieren.
Analysten halten die Fed-Sitzung für eine der spannendsten des Jahres. Sie gehen von deutlich abweichenden Meinungen und Abstimmungsergebnissen aus. Dazu habe Fed-Chef Powell mit schweren politischen Fahrwassern zu kämpfen. Der Versuch, Fed-Mitglied Lisa Cook loszuwerden, sei der Trump-Administration zwar nicht gelungen. Allerdings konnte sie Stephen Miran in das Komitee einbringen, obwohl dieser weiter auf der Gehaltsliste des Weißen Hauses steht. Dies ist einmalig in der rund 90-jährigen Geschichte der Fed. Gegen den offensichtlichen Verstoß gegen die Unabhängigkeit der Notenbank haben die Demokraten nun einen Gesetzesvorschlag eingebracht. Miran ist für Pläne bekannt, wie ausländische Investoren in hundertjährige Bonds zu zwingen mit Renditen weit unter Marktzins.