Der Börsen-TagAnhaltende Euro-Stärke könnte Zinssenkung erfordern
Der österreichische Notenbankchef Martin Kocher hat eine Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) bei einer anhaltenden Aufwertung des Euro ins Spiel gebracht. "Sollte der Euro immer weiter aufwerten, könnte dies ab einem gewissen Punkt natürlich eine geldpolitische Reaktion erforderlich machen", sagte Kocher der "Financial Times". Ein stärkerer Euro würde die Importe verbilligen und die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber US-Konkurrenten schmälern.
Der Dollar-Verfall hievte den Euro erstmals seit 2021 über die Marke von 1,20 Dollar. Die jüngsten Kursgewinne des Euro bezeichnete Kocher dennoch als "moderat". Sie erforderten noch keine Reaktion. Mit Blick auf die EZB-Zinsentscheidung in der kommenden Woche sagte er, es gebe keine unmittelbare Notwendigkeit für eine Änderung. Er betonte jedoch, wie wichtig es sei, sich angesichts der Unsicherheit "alle Optionen offenzuhalten".
EZB-Ratsmitglied François Villeroy de Galhau schrieb auf der Online-Plattform Linkedin, die Notenbank beobachte die Aufwertung der Gemeinschaftswährung und ihre möglichen Auswirkungen auf die Inflation genau. "Dies ist einer der Faktoren, die unsere Geldpolitik und unsere Zinsentscheidungen in den kommenden Monaten leiten werden", schrieb der französische Notenbankchef.
Ein starker Euro verbilligt die Einfuhr von Waren in den Währungsraum und kann so den Preisauftrieb bremsen. Dies erschwert es der EZB, ihr Inflationsziel von zwei Prozent zu erreichen. Zuletzt hatten sich bereits andere Währungshüter besorgt über den Euro-Kurs geäußert und geldpolitische Reaktionen nicht ausgeschlossen.