Der Börsen-Tag

Der Börsen-TagBankensektor rumort - DAX-Woche der Wahrheit

13.03.2023, 06:30 Uhr

Die neue Handelswoche steht im Zeichen der nächsten Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) und neuer Entwicklungen im globalen Bankensektor. Aussagen des US-Notenbankchefs Jerome Powell vor dem Kongress haben zuletzt die Hoffnung der Anleger auf ein geringeres Zinstempo der großen Notenbanken zunichtegemacht. Dass die europäischen Währungshüter kommenden Donnerstag wie zuletzt im Dezember die Schlüsselsätze um 0,50 Prozentpunkte anheben, gilt als ausgemacht. Noch unklar ist aber, ob die EZB danach ihr Erhöhungstempo beibehält oder den Fuß etwas von Gas nimmt.

"Und dass die geldpolitische Straffung auch ungewollte Nebenwirkungen - wenn auch eher indirekt - haben kann, zeigen die Schwierigkeiten der amerikanischen Silicon Valley Bank (SVB)", schreiben Experten der Helaba. Die Ankündigung einer Not-Kapitalerhöhung zur Stärkung der Bilanz hat die Aktie der SVB, die Tech-Unternehmen und Start-ups fördert, zum Ausklang der alten Woche massiv einbrechen lassen. Durch die kräftigen Zinserhöhungen der US-Notenbank Federal Reserve und die hohe Inflation sind viele junge Unternehmen in schweres Fahrwasser gekommen.

Jetzt warten die Investoren auf Klarstellungen anderer großer Geldhäuser, ob und in welchem Ausmaß die Probleme von SVB Financial auch auf sie zutreffen, sagt Analyst Jochen Stanzl vom Broker CMC Marktes. Das kalifornische Finanzinstitut hat Verluste von 1,8 Milliarden Dollar nach dem Verkauf eines Anleihenportfolios verzeichnet. "Auch deutsche Banken stehen jetzt im Visier der Verkäufer, weil der Startup-Finanzierer SVB Financial etwas offenbart hat, was auch sie angehen könnte: unrealisierte Verluste im Anleiheportfolio." Hintergrund sei, dass viele Banken Anleihen hielten, die in ihrem Kurs teilweise in nie da gewesener Geschwindigkeit eingebrochen seien. Was der Markt jetzt fürchte, sei eine Implosion in den Bilanzen der Banken, sagte Stanzl.

Der Bankensektor war unter Druck geraten und hatte die globalen Aktienmärkte nach unten gezogen: Der DAX notierte am Freitag mit einem Schlusskurs von 15.428 Punkten rund ein Prozent unter dem Vorwochenschluss. Das Tagesminus betrug 1,3 Prozent und auch an der Wall Street hatten die Kurse spürbar nachgegeben.

Neben den Banken steht zu Wochenbeginn auch der Autosektor im Anlegerfokus. Grund ist die Veröffentlichung des Jahresergebnisses des Luxusautoherstellers und DAX-Mitglieds Porsche AG. Von Konjunkturseite startet die Woche eher ruhig: Zahlen zu den deutschen Erdölimporten stehen auf der Agenda. Dazu wird auch der deutsche Arbeitskostenindex bekanntgegeben.