Der Börsen-TagBestimmt nun die Eskalation in Nahost die DAX-Stimmung?
Nach den Raketen- und Drohnenangriffen des Iran auf Israel wächst die Sorge vor einem Flächenbrand in Nahost. Weltweit wird deshalb nach Möglichkeiten gesucht, eine Ausweitung des Gaza-Krieges auf die gesamte Region zu verhindern. Gefürchtet wird, dass die Kämpfe auch auf andere Bereiche übergreifen könnten.
Die neue Börsenwoche dürfte zudem zeigen, ob die abweichenden Erwartungen für den Zinskurs der Notenbanken dies- und jenseits des Atlantik gerechtfertigt sind. Die Investoren haben die Hoffnung auf eine erste Zinssenkung der US-Notenbank Fed bei ihrer Sitzung im Juni mittlerweile mehr oder weniger begraben. Auslöser war der US-Inflationsbericht am vergangenen Mittwoch, der einen überraschend starken Anstieg der Teuerungsrate im März zeigte. Die Inflation in der Eurozone näherte sich dagegen immer mehr dem Zielwert der Europäischen Zentralbank (EZB) von zwei Prozent. "Liegen Amerika und Europa auf unterschiedlichen Planeten?", so die Experten der Helaba. In Zeiten einer globalisierten Wirtschaft sei es zwar bereits gelegentlich zu abweichenden Entwicklungen zwischen beiden Kontinenten gekommen. "Aber derzeit scheinen die Unterschiede um einiges größer zu sein."
Auch die schwächelnde Konjunktur in der Eurozone schürte Hoffnungen auf eine baldige geldpolitische Lockerung der Währungshüter um EZB-Chefin Christine Lagarde. Die Notenbanker versuchen, mit erhöhten Zinsen die Inflation zu bekämpfen, ohne der Konjunktur allzu sehr zuzusetzen. Die US-Wirtschaft zeigt sich indes nach wie vor widerstandsfähig. An den Terminmärkten wird die Wahrscheinlichkeit einer geldpolitischen Lockerung der Fed bei ihren Sitzungen im Juni und Juli daher auf nur noch rund 25 beziehungsweise 55 Prozent geschätzt. Bei der EZB sind es knapp 80 und 90 Prozent.
Die Erwartung zunächst hoch bleibender Zinsen in den USA hat den Börsen in den vergangenen Tagen stark zugesetzt. Der DAX, der am Dienstag noch ein neues Allzeithoch jenseits der 18.500er Marke gesetzt hatte, war mit 17.930 Zählern unterhalb der 18.000 ins Wochenende gegangen. An der Wall Street waren die Kurse nach Börsenschluss hierzulande noch stärker unter Abgabedruck geraten.
Weitere Konjunkturdaten in dieser Woche dürften das Bild der Wirtschaft in Europa und den USA im ersten Quartal abrunden, sagt Commerzbank-Ökonom Christoph Balz. Wichtig seien dabei insbesondere die am Nachmittag anstehenden US-Einzelhandelsumsätze im März, die Experten zufolge leicht gestiegen sein dürften. "Dies würde unser Bild bestätigen, dass der private Konsum nur noch mit moderatem Tempo expandiert", kommentiert Balz.
Unternehmensseitig nimmt die Berichtssaison Fahrt auf: Nach den ersten Bilanzen der US-Großbanken für das Auftaktquartal stehen in der neuen Woche weitere Konzernergebnisse an. Im Fokus in den USA sind weitere Berichte wichtiger Geldhäuser wie Goldman Sachs, Bank of America und Morgan Stanley. Hierzulande legen etwa die DAX-Werte Beiersdorf und Sartorius Zahlen vor – allerdings erst am Dienstag und Donnerstag.
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