Der Börsen-TagDas böse "R"-Wort - das wird für den DAX heute wichtig
Rezessionsängste werden Experten zufolge die Börsenstimmung auch in der neuen Woche prägen. "Es kommt momentan sehr viel an Negativem zusammen", sagt Analyst Frank Wohlgemuth von der National-Bank in Essen. "Problematisch daran ist, dass ein rasches Ende des Kanons an schlechten Nachrichten nicht in Sicht ist. Dies gilt sowohl für den russischen Angriffskrieg in der Ukraine als auch für die im Herbst sehr wahrscheinlich wieder steigenden Corona-Zahlen mit all ihren negativen Implikationen."
Ein weiterer Belastungsfaktor seien die drastischen Zinserhöhungen der Notenbank Fed, warnt Volkswirtin Allison Boxer vom Vermögensverwalter Pimco. "Das bringt ein ernsthaftes Risiko für eine Überstraffung und letztlich ein größeres Abwärtsrisiko für die bereits stockenden Wachstumsaussichten mit sich."
In der Eurozone rücke durch die angekündigte Zinswende der Europäischen Zentralbank (EZB) zudem die Verschuldung der Mitgliedsstaaten wieder in den Vordergrund, gibt Chris Iggo, Chef-Anleger des Vermögensverwalters Axa Investment Managers, zu bedenken. "Wenn die Zinsen steigen, gehen Inflation und Wachstum zurück und die Schuldentragfähigkeit wird wieder zu einem echten Problem."
Die Ängste vor einem Konjunkturabschwung brockten dem DAX den dritten Wochenverlust in Folge ein. Er verlor in der gesamten Woche knapp vier Prozent. Am Freitag konnte etwas positives Terrain zurückgewinnen, legte 0,7 Prozent zu und verabschiedete sich mit einem Stand von 13.126 Punkten ins Wochenende. Dabei lag er rund 100 Zähler über dem Tagestief und etwa 10 Stellen unter dem Tageshoch. Der Dow-Jones-Index drehte leicht ins Minus. Aktuell wird der DAX mit Kursen um 13.100 Punkte taxiert.
Nach der ereignisreichen Vorwoche deutet sich ein ruhiger Start in die neue Handelswoche an. In den USA bleiben die Börsen aufgrund eines Feiertags ("Juneteenth") geschlossen. Hierzulande dürften Anleger vor allem auf die um 8 Uhr zur Veröffentlichung anstehenden Erzeugerpreise im Auge haben, die in den vergangenen Monaten bereits deutlich gestiegen waren. Der Auftragsbestand im deutschen verarbeitenden Gewerbe steht ebenfalls auf der Konjunkturagenda. Unternehmensseitig hat lediglich die britische AB Foods ein Tradingupdate angekündigt.