Iran-Krieg drückt auf die Reiselaune
Die Stimmung in der deutschen Tourismusbranche ist wegen des Iran-Kriegs deutlich schlechter geworden. Das Ifo-Geschäftsklima für Reisebüros und Veranstalter fiel im Juni auf minus 32,0 Punkte nach minus 30,3 im Mai. Im Februar lag es noch bei minus 15,6 Punkten.
Grund sei die Verunsicherung vieler Reisender zu Beginn des Konflikts, so Ifo-Experte Patrick Höppner. Zudem gingen die Preiserwartungen zurück, auch wegen gesunkener Kerosinpreise. Die Nachfrage nach Mittelmeer-Reisen bleibe stabil, bei Fernzielen breche sie dagegen weg.
Dax duckt sich
Der deutsche Aktienmarkt startet erwartungsgemäß in Rot. Der Dax verliert 0,6 Prozent auf 24.768 Punkte.
Die größten Verlierer sind Infineon mit minus 3,8 Prozent, Siemens Energy mit minus 2,2 Prozent und Siemens mit minus 2,6 Prozent. Gegen den Trend stemmen sich . SAP, BMW und Beiersdorf mit plus 1,7 Prozent bis 0,9 Prozent
Die Welle der Gewinnmitnahmen im Bereich der KI- und Chip-Aktien hat sich in den USA und Asien ungebremst fortgesetzt. "Es wird immer deutlicher, dass ein Teil des Kapitals wegen der attraktiven Zinsen ganz weg aus Aktien und in den Anleihemarkt fließt", kommentierte ein Händler. Von Goldman Sachs hieß es, das Netto-Engagement in Aktien aus dem KI-Bereich von ihren Hedge-Fonds-Kunden sei mittlerweile auf ein Jahrestief gefallen. Sorgen machen die anstehenden Sitzungen der Zentralbanken, so der EZB in der kommenden Woche und der Fed in der Woche darauf.
Auftragspolster der deutschen Industrie so dick wie noch nie
Die Auftragsbücher der deutschen Industrie sind so gut gefüllt wie seit über einem Jahrzehnt nicht mehr. Der Bestand an offenen Bestellungen wuchs im Mai um 1,7 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.
Das war der stärkste Anstieg seit September 2021, als es Nachholeffekte wegen der Corona-Pandemie gab. Damit sind die Auftragsbücher aktuell so gut gefüllt wie noch nie seit Beginn dieser Statistik im Jahr 2015. Verglichen mit dem Vorjahresmonat legten die Bestellungen um 9,5 Prozent zu und damit so kräftig wie seit August 2022 nicht mehr.
Experten warnen trotz der positiven Nachrichten aus der zuletzt gebeutelten Industrie vor Euphorie. "Der hohe Bestand hat nur dann einen Wert, wenn er sich in die Produktion überträgt", sagte der Chefvolkswirt der Bank Bethmann HAL, Alexander Krüger.
Dax-Futures fallen 200 Punkte
Der Dax dürfte am letzten Handelstag der Woche schwächer in den Handel starten. Die Futures fallen um 200 Punkte. Grund ist eine anhaltende Welle von Gewinnmitnahmen bei KI- und Chip-Aktien in USA und Asien.
Belastend kommt hinzu, dass laut Händlern Kapital wegen attraktiver Zinsen aus Aktien in Anleihen abfließt. Auch die anstehenden Sitzungen von EZB und Fed in den nächsten zwei Wochen sorgen für Zurückhaltung. Im TecDax notieren fast alle Titel vorbörslich im Minus.
Volvo Cars mit Gewinneinbruch
Der schwedische Autobauer Volvo Cars hat im zweiten Quartal einen Gewinneinbruch erlitten. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) habe sich von April bis Juni auf 800 Millionen schwedischen Kronen (rund 72,5 Millionen Euro) belaufen, nach 1,6 Milliarden Kronen im ersten Quartal, wie das Unternehmen, das mehrheitlich zum chinesischen Konzern Geely Holding gehört, mitteilte.
Der Autobauer hofft nun auf eine Erholung durch die Auslieferung des Elektromodells EX60, des neuen Flaggschiff-SUVs von Volvo Cars. "Volvo Cars rechnet für die zweite Jahreshälfte mit deutlich stärkeren Verkaufszahlen als in der ersten Jahreshälfte", sagte Vorstandschef Hakan Samuelsson. Er begründete dies mit Wachstum in Europa und einer anhaltenden Erholung in den USA.
Die Volvo Group (der Truck-Hersteller AB Volvo) und Volvo Cars sind zwei rechtlich völlig unabhängige Unternehmen. Obwohl sie sich den Namen und das Logo teilen, haben sie nach der Trennung im Jahr 1999 unterschiedliche Eigentümer und Ausrichtungen.
Truck-Hersteller Volvo besser als erwartet: "Kunden wieder investitionsfreudiger"
Positiv bewerten Händler am Morgen die Zahlen zum zweiten Quartal von Volvo AB. Der Truck-Hersteller zeige die gleiche positive Entwicklung wie schon bei Traton. "Insgesamt scheinen Kunden auf der ganzen Welt wieder investitionsfreudiger zu werden", sagt ein Händler.
Allerdings sei die Länderentwicklung sehr unterschiedlich. So brach der US-Absatz von Volvo ein, während das Geschäft in China deutlich besser als erwartet abschnitt. Unter dem Strich legte der Umsatz organisch um 7 Prozent zu, die operative Marge sei mit 11,7 Prozent sehr gut.
Starship-Testflug verschoben - SpaceX-Aktie im Sinkflug
SpaceX hat einen geplanten Testflug seiner Starship-Rakete in letzter Minute verschoben. Im nachbörslichen Handel fielen die Aktien daraufhin um 4,0 Prozent auf 125,83 US-Dollar. Geschlossen hatten die Papiere mit einem Minus von 3,1 Prozent bei 131,11 US-Dollar. Damit hat die Aktie seit ihrem Börsengang Anfang dieses Sommers 19 Prozent an Wert verloren.
Geschäftsführer Elon Musk schrieb auf X, dass einige der Triebwerke des Raumfahrzeugs nicht gezündet hätten, was einen automatischen Abbruch des Starts ausgelöst habe. "Der nächste Startversuch findet hoffentlich in ein paar Tagen statt", schrieb er.Der Start sollte der Stationierung von 20 Starlink-V3-Satelliten im Weltraum dienen.
Honda zieht den Stecker: US-Elektro-SUV Prologue wird eingestellt
Honda stoppt die Produktion seines einzigen Elektroautos in den USA. Das Modelljahr 2026 wird laut US-Vertriebschef Lance Woefler das letzte für den Prologue-SUV sein. Verkauft werden soll er noch, bis die Lager mit rund 100.000 Fahrzeugen leer sind.
Grund ist die schwache Nachfrage. Im vergangenen Jahr verkaufte Honda nur rund 40.000 Prologues - etwa ein Zehntel eines Bestsellers wie des CR-V. Stattdessen setzt der japanische Konzern nun verstärkt auf Hybridfahrzeuge für den US-Markt. Auch Konkurrenten wie VW, Ford und Stellantis drosseln ihre E-Auto-Pläne.
Alcoa senkt Prognose - Probleme in Australien
Alcoa muss die Produktionsprognose für 2026 kassieren. Wegen geringerer Produktion in der Raffinerie Pinjarra in Australien nach dem Zyklon Narelle will der Konzern nun 200.000 bis 300.000 Tonnen weniger Aluminiumoxid herstellen. Die Gesamtproduktion soll bei 9,5 Millionen bis 9,6 Millionen Tonnen liegen.
Im zweiten Quartal stieg der Gewinn zwar auf 407 Miolionen Dollar nach 164 Millionen Dollar im Vorjahr. Mit 2,12 Dollar je Aktie und 3,97 Milliarden Dollar Umsatz verfehlte Alcoa aber die Analystenerwartungen. Nachbörslich gab die Aktie um zwei Prozent nach.
Kupferpreis fällt
Die Kupferpreise geben im frühen asiatischen Handel nach und dürften nach Einschätzung der Analysten von Nanhua Futures kurzfristig in einer Handelsspanne bleiben. Obwohl Chinas Makroökonomie stabil sei, stellen sie fest, dass eine angespannte globale Angebots-Nachfrage-Dynamik die Preise in die Höhe treiben könnte.
Aus technischer Sicht sehen die Analysten eine Unterstützung bei 13.500 US-Dollar pro Tonne. Die Anleger beobachten die Wirtschaftsleistung Chiles als weltgrößter Kupferproduzent genau, so die Analysten. Derzeit notiert der Dreimonats-Kupferkontrakt an der LME um 0,7 Prozent niedriger bei 13.504 US-Dollar pro Tonne.
Energieriese Uniper will vom KI-Fieber profitieren
Der verstaatlichte Energiekonzern Uniper will vom KI-Boom profitieren und stößt in neue Geschäftsfelder vor. Statt nur Strom zu produzieren, will Uniper künftig auch die Infrastruktur für die Datenriesen liefern.
Grund ist der explodierende Strombedarf durch Künstliche Intelligenz. KI-Rechenzentren verbrauchen enorme Mengen Energie - Tendenz stark steigend. "Die Nachfrage nach digitaler Infrastruktur steigt und kann Wachstumsimpulse für Uniper schaffen", erklärte der Konzern bei der Vorstellung seiner Strategie.
Konkret will Uniper Flächen verkaufen und verpachten, die ideal für Rechenzentren sind: mit Betriebsgenehmigung, Autobahnanbindung und Anschluss an leistungsstarke Stromleitungen. Waren diese Flächen für den Konzern früher eine "teure Last", reiben sich Investoren heute die Hände.
Parallel bekräftigte Uniper seine Investitionspläne. Zwischen 2025 und 2030 sollen rund fünf Milliarden Euro in Versorgungssicherheit und die Transformation der europäischen Energiesysteme fließen. Gut die Hälfte davon ist für Deutschland vorgesehen. Das Geld geht in flexible Erzeugung, erneuerbare Energien und den Ausbau des Gasbezugsportfolios.
Die Zukunft von Uniper ist aber weiter ungewiss. Der Bund hatte den Konzern 2022 in der Energiekrise nach dem russischen Gaslieferstopp vor der Pleite gerettet und verstaatlicht. Im Gegenzug für die Rettung fordert die EU den Abbau von Beteiligungen. Zudem muss der Bund bis 2028 seinen Anteil auf 25 Prozent plus eine Aktie reduzieren.
Chip-Ausverkauf trifft Nikkei mit voller Wucht
Die asiatischen Märkte sind am letzten Handelstag der Woche mit deutlichen Verlusten in den Tag gestartet. Auslöser sind ein globaler Ausverkauf bei Halbleiterwerten und neue geopolitische Spannungen im Nahen Osten.
Am stärksten traf es Japan. Der Nikkei 225 rutschte um 3,6 Prozent auf 64.443,84 Punkte ab. Der breiter gefasste Topix verlor 2,0 Prozent auf 3950,08 Zähler. Der breit gefasste MSCI-Index für Asien-Pazifik ex Japan gab nur leicht um 0,06 Prozent nach. Die Börsen in Südkorea blieben feiertagsbedingt geschlossen.
Belastet wurden die Märkte vor allem von Technologiewerten. Händler sprechen von Gewinnmitnahmen nach der KI-Rally und hohen Gewinnerwartungen. Zu den größten Verlierern im Nikkei zählten:
· Kioxia Holdings minus 16,05 Prozent
· Taiyo Yuden minus 15,45 Prozent
· Screen Holdings minus 11,45 Prozent
Gegen den Trend legten Shift 6,59 Prozent und Seven & I Holdings 4,38 Prozent zu.
Zusätzlich drückt die Lage im Nahen Osten auf die Stimmung. Die US-Regierung hatte neue Angriffe auf den Iran gestartet, US-Präsident Donald Trump drohte mit weiterer Eskalation.
Findet der Dax zurück in die Spur?
Sorgen über die Lage im Nahen Osten und die hohen Bewertungen im Technologiesektor haben die europäischen Aktienmärkte erneut unter Druck gesetzt. An der Frankfurter Börse sackte der Dax zeitweise kräftig ab, erholte sich dann aber wieder etwas. "Zwischen der Hoffnung auf Entspannung und der Sorge vor einer weiteren militärischen Eskalation im Nahen Osten liefern sich Optimisten und Pessimisten ein Tauziehen", kommentierte Timo Emden vom Analysehaus Emden Research.
Kann sich der Dax wieder holen? Auf der Datenseite ist heute nicht allzu viel los. Die vom Ölpreisschock befeuerte Inflation in der Eurozone dürfte sich im Juni auf erhöhtem Niveau stabilisiert haben. Klarheit bringen die finalen Daten des EU-Statistikamts, das in einer vorläufigen Schätzzahl eine Jahresteuerungsrate von 2,8 Prozent ermittelt hat. Damit blieb der Preisauftrieb genauso hoch wie im Mai. Der EZB-Rat um Präsidentin Christine Lagarde blickt beim Zinsentscheid in der kommenden Woche sehr genau auf diese Daten. An den Finanzmärkten wird damit gerechnet, dass die Europäische Zentralbank noch stillhalten wird, jedoch im September die Zinszügel zum zweiten Mal in diesem Jahr anziehen dürfte.
Aus den USA gibt es Zahlen zur Industrieproduktion und Kapazitätsauslastung im Juni. Zudem kommt die Uni Michigan mit ihrem Index zur Verbraucherstimmung um die Ecke.