Der Börsen-Tag"Der Handelskrieg ist zurück"
Die Finanzmärkte dürften Experten zufolge auf die jüngsten Zoll-Drohungen von US-Präsident Donald Trump mit Abschlägen reagieren. Die Börsen würden zum Wochenstart wohl im "Risk-Off"-Modus starten, sagt IG-Marktanalyst Tony Sycamore. Die jüngste Krise habe die Sorge über einen Bruch des Nato-Bündnisses verstärkt. Auch das US-Handelsabkommen mit Europa stehe in Frage. Das werde die Stimmung an den Aktienmärkten belasten, die Nachfrage nach "sicheren Häfen" wie Gold und Silber aber erhöhen.
Trump hat angekündigt, ab dem 1. Februar zusätzliche Einfuhrzölle in Höhe von 10 Prozent auf Waren aus Dänemark, Norwegen, Schweden, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden, Finnland und Großbritannien zu erheben, sollte den USA der Kauf Grönlands verwehrt bleiben. Die Sätze sollen per Juni auf 25 Prozent erhöht werden. Die Drohung kam am gleichen Tage, an dem die EU und der südamerikanische Staatenbund Mercosur ein umfassendes Freihandelskommen unterzeichneten.
"Die Hoffnungen, dass sich die Zollsituation für dieses Jahr beruhigt hat, haben sich vorerst zerschlagen", sagt Berenberg-Chefvolkswirt Holger Schmieding. "Wir befinden uns in der gleichen Situation wie im letzten Frühjahr." Im April 2025 hatten von Trump verhängte Zölle die Märkte erschüttert.
"Der Handelskrieg zwischen den USA und der EU ist zurück", erklärt auch Tina Fordham, geopolitische Strategin und Gründerin von Fordham Global Foresight. Trotz der wachsenden Nervosität haben sich Investoren aber an ein gewisses Maß an geopolitischen Risiken gewöhnt. "Die Stimmung der Anleger hat sich angesichts derartiger, immer wiederkehrender undenkbarer Entwicklungen als recht widerstandsfähig erwiesen", sagte Fordham. Dies sei auch ein Ausdruck davon, dass es den Glauben gebe, dass Trump nicht alles umsetzen könne, was er ankündige.