Der Börsen-TagDroht ein weiterer DAX-Abverkauf?
Die Furcht vor einer Ausweitung des Kriegs im Nahen Osten und eine Flut von Quartalsbilanzen werden die Märkte auch in der nächsten Woche in Atem halten. "Die Kapitalmärkte stehen weiterhin im Spannungsfeld des Nahost-Konfliktes und der Furcht, dass weitere Länder – insbesondere der Iran – in die Auseinandersetzungen eintreten könnten", sagt Sören Wiedau, Fondsmanager bei der Weberbank in Berlin.
Die geopolitischen Spannungen, teils enttäuschende Unternehmenszahlen und die hohen Anleiherenditen haben den DAX in der alten Woche ins Minus gedrückt. Der deutsche Börsenleitindex war mit einem Stand von 14.687 Zählern ins Wochenende gegangen. Er hatte damit bereits die sechste Verlustwoche in Serie markiert.
Im Mittelpunkt der neuen Woche steht wieder einmal die US-Notenbank Fed. Die Währungshüter um Jerome Powell entscheiden am Mittwoch über die weitere Zinsstrategie. Die meisten Marktteilnehmer gehen von einer weiteren Zinspause aus. "Zunächst will die Fed es wohl vermeiden, Öl ins Feuer zu gießen, und wird sich eher gegen die jüngsten Bewegungen bei Anleihen mit längeren Laufzeiten stemmen", sagt etwa Mark Dowding vom Vermögensverwalter RBC BlueBay. Dies mache eine Zinserhöhung in der nächsten Woche unwahrscheinlich. Das Vorgehen im Dezember hänge dagegen von der Datenlage ab. Die Notenbanker versuchen, mit Zinserhöhungen die Inflation zu bekämpfen, ohne die Wirtschaft abzuwürgen.
Daher warten die Anleger mit Spannung auf die anstehenden Konjunkturdaten. Heute stehen etwa die Inflationsdaten und das Bruttoinlandsprodukt (BIP) für Deutschland an. Von Reuters befragte Experten erwarten einen weiteren Rückgang der Teuerungsrate im Oktober – auf 4,0 Prozent. Kaum noch steigende Energiepreise hatten die Inflation im September bereits auf 4,5 Prozent gedrückt. Beim BIP für das dritte Quartal gehen die Ökonomen von einem Rückgang um 0,3 Prozent aus. Die stark gestiegenen Zinsen und die maue Weltwirtschaft wirken als Hemmschuh.