Der Börsen-Tag

Der Börsen-Tag"Gefühlte" und offizielle Inflation klaffen weit auseinander

16.06.2021, 12:34 Uhr

Vor allem die Fixierung vieler Menschen auf den Spritpreis macht den Unterschied: Die Preise steigen in der Wahrnehmung deutscher Verbraucher deutlich stärker als offiziell gemessen.

Die sogenannte "gefühlte Inflation" weist für Mai eine Rate von 4,1 Prozent aus, wie Berechnungen von Ökonomen der italienischen Großbank UniCredit ergaben. "Das ist der höchste Wert seit mehr als neun Jahren", sagte Deutschland-Chefvolkswirt Andreas Rees Reuters. Die offizielle Teuerungsrate war zuletzt fünf Monate in Folge geklettert und liegt nun bei 2,5 Prozent.

Die große Differenz zwischen wahrgenommener und offiziell gemessener Inflationsrate kommt zustande, weil die UniCredit-Experten die Waren und Dienstleistungen stark nach ihrer Kaufhäufigkeit gewichten. Preisänderungen bei Produkten wie Lebensmittel oder Benzin, die teils mehrmals wöchentlich gekauft werden, fallen Kunden stärker auf als bei sehr selten gekauften Waren wie Möbeln, Waschmaschinen oder Computern. So haben die Kraftstoffpreise einen Anteil von rund zehn Prozent am Warenkorb von UniCredit, fast dreimal so viel wie beim Statistischen Bundesamt.

"Hauptgrund für die stark gestiegen Wahrnehmung von Inflation sind die Preise für Kraftstoffe", erklärte Rees. Diese verteuerten sich im Mai um 27 Prozent zum Vorjahresmonat, als die Preise wegen der Corona-Rezession in den Keller gerauscht waren und nun mit der Erholung der Weltkonjunktur wieder gestiegen sind. "Hinzu kommt noch, dass wir den Lockdown hinter uns haben, die Leute wieder mobiler werden und häufiger Tanken", sagte der Volkswirt.

Einer repräsentativen Umfrage des Forsa-Instituts unter 500 Verbrauchern in Deutschland im Auftrag der Fondsgesellschaft Union Investment zufolge machen 66 Prozent die Inflationsentwicklung an den Benzinpreisen fest.

Quelle: ntv.de