Der Börsen-TagHoffen auf Davos – Grönland im Fokus
In einer weiter vorsichtigen Seitwärtsbewegung werden Europas Börsen erwartet. Der Finger liege zwar weiter auf der Verkaufstaste, heißt es im Handel, jedoch würden konkrete politische Entscheidungen der EU abgewartet. Gerade die persönliche Nähe der Politiker auf dem Gipfeltreffen in Davos erlaube kurze Entscheidungswege, um eine Eskalation wegen Trumps Grönland-Drohungen zu vermeiden. Solange diese Hoffnung noch bestehe, dürfte ein erneuter Abverkauf an Europas Börsen vermieden werden. Die Dax-Futures rutschten in der Nacht zwar kurz weiter ab, die tieferen Kurse wurden vom Markt aber sogleich wieder gekauft.
Entscheidend dürfte die Reaktion der US-Börsen am Nachmittag auf den Zollkonflikt werden. Denn Trump ist bekannt dafür, auf die Kursreaktionen an der Wall Street zu achten. "Kräftige US-Verluste wären insofern gut, Trump würde dann verstehen, dass er auf dem falschen Weg ist", kommentierte ein Händler. Schon das Alleinlassen der Opposition im Iran habe gezeigt, dass seinen markigen Worten nichts folge.
Die heutigen Konjunkturdaten seien aktuell irrelevant, da sie die Eskalation um Grönland kaum einfangen können. Viele deutsche Unternehmensverbände wie der VCI hatten am Vortag über die Unberechenbarkeit der Lage geklagt. Weder Kosten, noch Aufträge und Einnahmen seien bei den unzuverlässigen Rahmenbedingungen kalkulierbar. Der ZEW-Index der Konjunkturerwartungen dürfte diese Situation nicht einfangen. Dazu steht am Nachmittag ein Urteilstermin des US-Supreme-Court an. Er könnte sich dann zur Rechtmässigkeit der US-Zölle äußern, muss es aber nicht.