Der Börsen-Tag

Der Börsen-TagIFO-Chef ist gegen Staatseinstieg bei Meyer Werft

23.08.2024, 08:33 Uhr

IFO-Präsident Clemens Fuest spricht sich gegen den geplanten Staatseinstieg zur Rettung der angeschlagenen Meyer Werft aus. "Es ist nicht die Aufgabe des Staates, angeschlagene Privatunternehmen vor der Insolvenz zu retten", sagt der Chef des Münchner Wirtschaftsforschungsinstituts. "Wenn das Geschäftsmodell aussichtsreich ist, werden sich private Investoren finden." Wenn der Staat einsteige, bestehe die Gefahr, dass Verluste auf die Steuerzahler abgewälzt werden.

"Staatliche Rettungen kann man allenfalls in Situationen gesamtwirtschaftlicher Krisen rechtfertigen, in denen Kapitalmärkte gestört sind", so Fuest. Das sei derzeit aber nicht gegeben. Der Umstand, dass Meyer auch Kriegsschiffe baue, könne allenfalls eine Stützung dieses Teils der Werft rechtfertigen - nicht aber die Förderung der Produktion von Kreuzfahrtschiffen.

"Falls die Bundesregierung der Werft trotz dieser Einwände hilft, ist zumindest darauf zu achten, dass die vorhandenen Verluste der Werft von den Aktionären und den Banken getragen werden, nicht vom Staat", erläutert Fuest. "Besser wäre es allerdings, wenn die Bundesregierung nicht eingreifen würde."

Der Bund und das Land Niedersachsen wollen die angeschlagene Meyer Werft retten und dafür vorübergehend die Mehrheit an dem Traditionskonzern aus Papenburg übernehmen. Bundeskanzler Olaf Scholz sagte dem weltgrößten Kreuzfahrtschiffbauer die Rettung durch den Staat zu. "Wir lassen die Meyer Werft nicht allein. Wenn alle mitziehen - und daran habe ich keinen Zweifel - dann trägt der Bund seinen Teil zur Lösung bei", sagt der SPD-Politiker auf einer Betriebsversammlung in Papenburg. "Und ich habe die klare Erwartung, dass alle anderen Beteiligten mitziehen." Bis Mitte September soll die Einigung in trockenen Tüchern sein. Noch fehlten die Zustimmung des Bundestages und der EU-Kommission, so der Kanzler.

Quelle: ntv.de