Der Börsen-Tag

Der Börsen-TagMitte-Rechts-Bündnis in Italien dürfte für Unruhe sorgen

26.09.2022, 09:42 Uhr

Wie erwartet scheint ein Bündnis aus drei rechten und Mitte-Rechts-Parteien die italienischen Wahlen gewonnen zu haben. Die Umfragen prognostizieren eine Mehrheit der Sitze für das Bündnis in beiden Kammern des Parlaments. Als Vorsitzende der rechtsgerichteten Fratelli d'Italia mit rund 24 Prozent der Stimmen scheint Giorgia Meloni auf dem besten Weg zu sein, die Nachfolge von Mario Draghi als Ministerpräsidentin Italiens anzutreten, kurz nachdem das neue Parlament am 13. Oktober zusammengetreten ist.

Holger Schmieding, Chefvolkswirt bei Berenberg, hält die Wahrscheinlichkeit für gering, das sich eine von Meloni geführte Regierung so sehr über die EU-Regeln hinwegsetzen werde, dass ein fiskalisch herausgefordertes Italien dadurch auf eine Schuldenkrise zusteuern könnte. "Wir müssen uns zwar auf einige Unruhe einstellen, zum Beispiel in Bezug auf Migrationsfragen, aber wir erwarten keine größeren wirtschaftlichen, finanziellen oder politischen Umwälzungen", so der Chefvolkswirt in einer ersten Einschätzung.

Sollte Meloni tatsächlich das Mandat für die Bildung der neuen Regierung erhalten, laute die wichtigste Frage zunächst, ob sie einen Finanzminister mit soliden pro-europäischen Referenzen ernennen wird. Dies erwarten sowohl Schmieding wie auch viele andere Beobachter.