Der Börsen-Tag

Der Börsen-TagSorgenvolle Blicke: Das wird für den Dax heute wichtig

04.10.2021, 06:27 Uhr

Ein versöhnlicher Wochenschluss sieht anders aus: Der Dax hat eine Woche mit deutlichen Aufs und noch deutlicheren Abs mit einem Verlust abgeschlossen. Am Freitag verabschiedete sich der deutsche Börsenleitindex noch einmal 0,7 Prozent oder knapp 100 Punkte schwächer mit 15.156 Zählern ins Wochenende. Dabei hätte es durchaus noch schlimmer kommen können, denn der Index wies ein Tagestief von 14.984 Stellen auf - die psychologisch wichtige 15.000er Marke war gefallen. Dass der Dax am Ende den Sprung wieder darüber geschafft hat, liegt vor allem an einer starken Wall Street. Die Handelsspanne von fast 280 Punkten zeigt aber, dass die Anleger nach wie vor nervös sind: Inflationsgespenst, Zinsspekulationen, drohender Shutdown in den USA und China-Sorgen waren die beherrschenden Themen der Vorwoche - und es werden auch die bestimmenden Themen der neuen Handelswoche sein. Ein weiteres Thema stößt allerdings dazu.

Der US-Kongress hat eine Haushaltssperre zwar vorerst abgewendet, doch das weitaus größere Problem eines drohenden Zahlungsausfalls bleibt bestehen. Die Abgeordneten und Senatoren hatten am Donnerstag mehrheitlich für einen Übergangsetat gestimmt, der die Finanzierung der Bundesbehörden bis Anfang Dezember sicherstellt. Weiter keine Annäherung gab es jedoch im Ringen um eine Erhöhung oder Aussetzung der Schuldenobergrenze. Gelingt dies nicht, können die USA nach Einschätzung von Finanzministerin Janet Yellen wohl ab Mitte Oktober ihre Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen. Die Folge wären eine Rezession und vermutlich eine Finanzkrise, warnte die frühere Notenbank-Chefin. "In der Vergangenheit gab es immer kurz vor knapp eine Lösung", prognostizierte Christian Henke vom Brokerhaus IG Market. "Dennoch dürfte das Unterfangen nicht leicht werden. Vor allem die Republikaner könnten Probleme bereiten."

Parallel dazu verfolgen die Börsianer die Gespräche zur Bildung einer neuen Bundesregierung, wobei allgemein mit einer "Ampel-Koalition" unter Führung der SPD oder einer "Jamaika"-Koalition unter Führung von CDU/CSU gerechnet werde, sagte Martin Lück, Chef-Anlagestratege für Deutschland, Österreich und Osteuropa beim weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock. "Beide wären wegen zu erwartender Investitionen in Klimaschutz, Digitalisierung und Infrastruktur und einer – dank FDP – eher geringen Gefahr von Steuererhöhungen aus Aktienmarktsicht positiv zu bewerten."

Und nun noch die Berichtssaison

Von der anstehenden Bilanzsaison seien auch kaum positive Impulse zu erwarten, warnt Mark Decker, Chef der Vermögensverwaltung des Bankhauses Merck Finck. "Wir rechnen damit, dass sich die ungewöhnlich hohen Wachstumsraten der ersten beiden Quartale in den letzten beiden Quartalen nicht ganz fortsetzen werden." Grund hierfür sei die rasche Ausbreitung der besonders ansteckenden Delta-Variante des Coronavirus sowie die steigenden Kosten für Rohstoffe, Zulieferteile und Löhne.

Zu Wochenbeginn halten sich die Unternehmen mit Ergebnisausweisen zurück. Erneut könnten Konjunkturdaten für Kursimpulse sorgen. Aber auch diese Agenda ist alles andere als prall gefüllt. Für Aufmerksamkeit dürfte etwa der Sentix-Konjunkturindex sorgen, der am Vormittag veröffentlicht wird. Daneben stellt der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) seine Forderungen an eine künftige Bundesregierung vor. Daneben trifft sich die Eurogruppe, der Medizin-Nobelpreis wird vergeben und in den USA stehen Daten zum Auftragseingang der Industrie an.