Der Börsen-Tag

Der Börsen-Tag"Toxische Gemengelage birgt Überraschungspotenzial"

23.10.2023, 06:30 Uhr

Dem deutschen Aktienmarkt steht mit den anhaltenden Sorgen rund um den Nahost-Konflikt und einer Welle von Firmenbilanzen erneut eine stürmische Woche bevor. Die krisengeplagten DAX-Anleger erhoffen vor allem von der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag Signale für eine Entlastung. Die zentrale Frage ist, ob Notenbank-Chefin Christine Lagarde den Börsen nach zehn Erhöhungen in Folge eine Zinspause gönnt oder mit ihrem strengen monetären Kurs fortfährt. Viele Beobachter gehen davon aus, dass mit dem aktuellen Zinsniveau des im Moment zentralen Einlagensatzes von 4,0 Prozent vorerst der Höhepunkt erreicht ist.

Tatsächlich habe die EZB angesichts der Krise im Nahen Osten wenig Handlungsspielraum, sagt Helaba-Strategin Claudia Windt. Der durch die Angst vor Versorgungsengpässen in die Höhe katapultierte Ölpreis sorge dafür, dass die Inflationsrisiken hoch blieben.

In der ablaufenden Woche rutschte der deutsche Leitindex DAX rund 200 Punkte unter die psychologisch wichtige Marke von 15.000 Zählern. Allein am Freitag gab er 1,6 Prozent ab, verabschiedete sich mit 14.798 Zählern ins Wochenende. "Sofern sich der Konflikt nicht ausweitet und der Ölpreis nicht deutlich steigt, dürften sich die Auswirkungen auf Inflation und Wachstum jedoch in Grenzen halten", sagt Commerzbank-Ökonom Marco Wagner. Eine Jahresendrally am deutschen Aktienmarkt ist nach Meinung einiger Beobachter trotz des Krisenumfelds durchaus noch möglich, denn die Messlatte der Anleger für positive Überraschungen sei niedrig. "Die derzeit toxische Gemengelage aus hohen Zinsen, strauchelnder Wirtschaft und hoher Risikoaversion ist längst ausgereizt", sagt Sven Streibel, Chef-Aktienstratege der DZ Bank. "Dies birgt positives Überraschungs- und Kurspotenzial."

Impulse dürfte die rollende Berichtssaison zum dritten Quartal 2023 liefern. Stabile Gewinnmargen sollten den Aktienkursen in den kommenden Wochen Unterstützung bieten, fassen die Analysten der Weberbank zusammen. Unter anderem legen hierzulande am Mittwoch Deutsche Bank, Beiersdorf und Symrise Zahlen vor. Am Donnerstag sind Mercedes Benz, HelloFresh, Wacker Chemie und Aixtron an der Reihe. In den USA rücken nach den Bankenbilanzen die Technologieunternehmen in den Fokus. Microsoft und die Google-Mutter Alphabet werden am Dienstag berichten, am Mittwoch folgt Meta und am Donnerstag Amazon und Intel.

Zum Wochenstart gibt es zunächst Zahlen aus der zweiten Reihe: Ergebnisse liefern etwa Philips, Atoss Software und Hannover Rück, Konjunkturseitig steht der Monatsbericht der Bundesbank sowie der Index zum Verbrauchervertrauen in der Eurozone und aus den USA der Chicago Fed National Activity Index auf der Agenda.