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Erstkontakt mit dem Headhunter Das sind die schlimmsten Fehler

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Ein Headhunter will mit Ihnen reden? Kein Grund auszurasten.

(Foto: imago/Westend61)

Mit einem guten Kandidatenprofil und einer gewissen Umtriebigkeit kann man es durchaus darauf anlegen, von Headhuntern gefunden zu werden. Dumm nur, wenn man sich schon beim Erstkontakt ins Abseits schießt.

Das Handy summt, eine unbekannte Nummer blinkt auf. "Können Sie gerade frei sprechen?", fragt der Anrufer. Sie haben es offenbar mit einem Headhunter zu tun. Manche Arbeitnehmer bekommen solche Anrufe öfter, andere nie. Wenn Sie in ihrem jetzigen Job rundum glücklich sind, werden Sie vielleicht gleich dankend ablehnen. Doch womöglich ist die Sache ja interessant für Sie. Dann wäre es schade, wenn Sie sich schon am Anfang alle Chancen verbauen, weil Sie sich falsch verhalten.

Zunächst einmal sollten Sie sich vor Augen führen, was der Anruf vom Headhunter überhaupt bedeutet. Sie kommen offenbar für eine bestimmte Position in Frage. Haben Sie den Job schon sicher? Mitnichten. Auch beim Headhunter durchlaufen Sie ein Bewerbungsverfahren, wenn auch mit gewissen Vorteilen: Die Konkurrenz ist stark beschränkt, Sie wissen bereits, dass Ihre Qualifikationen grundsätzlich zu der Stelle passen und Sie können dem Headhunter Fragen stellen, die im normalen Bewerbungsablauf womöglich nicht auf den Tisch gekommen wären. Im Übrigen läuft die Stellenbesetzung über den Headhunter aber ähnlich wie eine reguläre Bewerbung. Sie werden gebeten, Unterlagen einzusenden und durchlaufen dann mehrere Interviews, erst telefonisch und dann persönlich. Am Ende entscheidet das Unternehmen anhand der Empfehlungen des Headhunters.

Machen Sie sich klar: Der Headhunter arbeitet nicht für Sie, sondern für die Firma, die Position besetzen möchte. Und er wird vom ersten Augenblick an prüfen, ob Sie dafür in Frage kommen. Der erste Kontakt ist meist nur kurz, aber wichtig. Wenn Sie am Anfang unprofessionell reagieren, sind Sie vielleicht schon aus dem Rennen, bevor es überhaupt begonnen hat. Vermeiden Sie also die folgenden Fehler:

Kontakt am Firmenapparat

Die Antwort auf die Frage "Können Sie reden?" lautet in den meisten Fällen: "Nein". Gut möglich, dass Sie gerade im Büro sind oder auf dem Firmenhandy angerufen werden. Selbst wenn Sie gerade ungestört sind, sollten Sie das Gespräch dann knapp halten. Wenn der Headhunter die Infrastruktur der Firma nutzt, von der er sie abwerben will, muss der Kontakt nämlich so kurz wie möglich ausfallen. Das hat der Bundesgerichtshof bereits vor über zehn Jahren festgestellt. Halten Sie sich also nicht mit langen Nachfragen auf, sondern vereinbaren Sie einen Termin, an dem Sie gut auf Ihrer privaten Nummer zu erreichen sind.

Abgelenkt oder nicht erreichbar sein

Gehen Sie sicher, dass Sie zu diesem Termin dann auch erreichbar sind und dass der Headhunter Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit hat. Klar können Sie beim Telefonieren – insbesondere über die Freisprecheinrichtung - tausend andere Dinge tun. Sie können aber auch sicher sein, dass es auffällt, wenn Sie nicht bei der Sache sind. Also konzentrieren Sie sich, Ihr Gegenüber tut es auch. Legen Sie sich am besten auch etwas zum Schreiben bereit, es kann nicht schaden, wenn Sie sich während des Gesprächs Notizen machen und aufschreiben, wo Sie hinterher noch nachhaken möchten.

Falsche Fragen stellen

Wahrscheinlich wollen Sie am Anfang eine ganze Menge wissen. Um welche Branche geht es und welche Position soll besetzt werden? In welchem Fachbereich? Wo sitzt das Unternehmen? Solche Eckdaten können Sie ruhig klären, um herauszufinden, ob die Position überhaupt für Sie interessant ist. Notieren Sie sich auch die Kontaktdaten Ihres Gesprächspartners und die Personalberatung, für die er arbeitet.

Es gibt aber auch Fragen, die Sie sich besser verkneifen sollten. Das gilt vor allem für die Klassiker: "Woher haben Sie meine Nummer?" oder "Wie sind Sie auf mich gekommen?" Für Headhunter ist Diskretion oberstes Gebot, keiner plaudert bereitwillig über Referenzgeber. Danach zu fragen, lässt Sie unprofessionell erscheinen. Auch über den potenziellen Arbeitgeber wird Ihr Gegenüber sich zunächst in Schweigen hüllen, versuchen Sie also erst gar nicht, nachzubohren. Unangebracht ist zudem die Frage nach dem Gehalt, zumindest beim ersten Kontakt. In den Folgegesprächen kommt das Thema sicher noch zur Sprache.

Zu viel Begeisterung zeigen

Womöglich sind Sie aufgeregt, wenn Sie zum ersten Mal in Ihrem Leben vom Headhunter angerufen werden. Bleiben Sie cool. Mag sein, dass Ihnen der Kontakt wie ein rettender Strohhalm erscheint, weil Sie den Job lieber heute als morgen wechseln wollen. Das sollten Sie sich aber nicht anmerken lassen. Der Headhunter wird Sie schließlich nicht aus Mitleid vermitteln, sondern weil Sie für den Job die richtige Frau oder der richtige Mann sind. Ganz wichtig: Sprechen Sie unter keinen Umständen schlecht über Ihren bisherigen Arbeitgeber!

Unverbindlich bleiben

Der Headhunter ist auf Sie zugekommen und nicht umgekehrt. Dennoch wäre es völlig falsch, ihn als Bittsteller zu betrachten. Er ist vielmehr ein Karrierehelfer, der ihnen Türen öffnen kann, die Sie vorher gar nicht gesehen haben. Womöglich gehören Sie zu den Fach- oder Führungskräften, die häufig angesprochen werden. Womöglich ist Ihnen das auch etwas lästig. Trotzdem wäre es nicht besonders clever, einfach alle Anrufer halbherzig abzufertigen. Setzen Sie Prioritäten. Angebote, die Sie sowieso nicht interessieren, können Sie gleich höflich ablehnen. Sehen Sie hingegen Potential, dann nehmen Sie die Sache auch ernst. Bereiten Sie sich aufs Gespräch vor und seien Sie verbindlich. Sagen Sie, was geht und was nicht. Wenn Ihr Gegenüber den Eindruck bekommt, dass Sie sich nur Bauchpinseln lassen wollen oder Ihren Marktwert testen, dann fliegen Sie schnell aus dem Kandidatenpool.

Quelle: n-tv.de

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