Kolumnen

"Tax Season" in den USA Die große Freiheit, Steuern zu sparen

Eine Branche in den USA brummt zu dieser Jahreszeit. Die Steuererklärungen sind fällig. Überall bieten Experten ihre Hilfe an. Katzenfutter oder Klarinettenunterricht des Nachwuchs absetzen? Kein Problem. Dem normalen Bürger brummt der Schädel.

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Steuerberater in den USA werben für ihre Dienste.

(Foto: REUTERS)

Kurz vor der U-Bahn steht die Freiheitsstatue. Besser gesagt: Da steht ein junger Mann in einem billigen Freiheitsstatuen-Outfit aus dem Kostümladen, und er dreht eines dieser Werbeschilder für den "Liberty Tax Service", eines von zigtausenden kleinen Geschäften, die zu Jahresbeginn in ganz Amerika öffnen und dann bis zum 15. April die Steuererklärungen für einen Großteil der Bevölkerung machen. Danach machen sie dicht. Die Branche lebt von dreieinhalb Monaten, der "Tax Season" - der Rest der Amerikaner hasst diese Zeit.

Wer zahlt schon gerne Steuern? Erst recht in einem Land, in dem Politiker - vor allem die Republikaner - seit Jahren Stimmung gegen Steuern machen, als wäre die Regierung eine Krake, die den Bürgern das hart verdiente Geld aus den Taschen zieht. Wer sich im Land umsieht, erkennt zudem schnell, dass die Steuergelder der guten Bürger eher in Kriege als in die eigene Infrastruktur fließen: Straßen haben Löcher, Brücken stürzen ein, Stromkabel hängen lose an Holzmasten und fallen bei Unwetter auf die Straße. Wohin fließt das Geld?

Kein Wunder, dass der Amerikaner nichts unversucht lässt, seine persönliche Steuerlast zu drücken. Wem selbst nichts einfällt, der wendet sich an die Experten vom Liberty Tax Service oder den Marktführer H&R Block. H ier kennt man die Steuertricks und alle möglichen Abschreibungen. Die gibt es zuhauf, denn die Steuergesetze in Amerika sind die wahrscheinlich kompliziertesten der Welt. Briefkastenfirmen, Kreditgeschäfte, Scheinunternehmen: Wer sehr viel Geld hat und sehr wenig Steuern zahlen möchte, hat in den USA ein ganzes Arsenal an Möglichkeiten.

Für alles und jeden gibt es Ausnahmen, vor allem für die Reichen, die in einem geldgetriebenen Politikbetrieb eine ganz besonders starke Lobby haben. Sie sparen, indem sie Geld in Steueroasen verschieben. Nach aktuellen Schätzungen liegen rund 21 Billionen US-Dollar auf Konten in den Cayman Island und anderen Inselparadiesen, in denen sie für Uncle Sam unantastbar sind.

Doch auch dem Durchschnittsverdiener bieten sich kreative Möglichkeiten, sein Geld an Uncle Sam vorbei zu schmuggeln. Hier ein Blick auf die spannendsten Hintertürchen: Wer etwa das Rauchen aufgibt, kann seit neuestem die Kosten von Nikotinpflastern und anderen Hilfsmitteln absetzen. Wer auf ärztlichen Hinweis anfängt zu joggen, kann die Laufschuhe geltend machen, und wer auf Attest schwimmt, spart sogar am hauseigenen Pool samt Unterhaltskosten. Wer Hunde nicht nur zum Schmusen hält, sondern als Wachhund beschäftigt, darf das Hundefutter von der Steuer absetzen, und Kinder mit Überbiss dürfen die Eltern getrost zum Klarinetten-Unterricht schicken. Auch der darf geltend gemacht werden, denn Klarinette spielen soll ein gutes Mittel gegen die Missbildung sein, wie bereits in den 60er Jahren festgestellt und im "tax code" verankert wurde.

Die Frage ist immer, ob der zu Rate gezogene Experte gerade diese Tricks kennt. Egal, mehr Tricks als der durchschnittliche Steuerzahler kennt er auf jeden Fall. Das hat gerade eine repräsentative Umfrage ergeben. Die tausend Befragten kamen bei einem Multiple-Choice-Test zum Thema Steuern und Steuersparen auf magere 51 Prozent.

Quelle: n-tv.de