Kolumnen

Inside Wall Street Warren Buffett - Der einzige Experte

Warren Buffett.jpg

Warren Buffett - Börsenlegende, erfolgreichster Investor und drittreichster Mann der Welt.

(Foto: REUTERS)

Milliardär und Großinvestor Buffett gibt nichts auf das, was Politiker sagen. Auch das Geplärre der Analysten lässt ihn kalt. Alles nur Schwätzer, spottet das Orakel aus Omaha. Er kann es sich leisten. Er macht es deutlich besser als andere Investoren.

Auch ein Milliardär hat es nicht leicht. In Zeiten großer sozialer Ungerechtigkeiten in den USA sind schwer Reiche alles andere als beliebt - mit einer Ausnahme. Warren Buffett gehört zu den beliebtesten Menschen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, er wird an der Wall Street geschätzt und auf der Straße bejubelt.

Berkshire Hathaway
Berkshire Hathaway 329.405,00

Dass die Menschen auf der Straße Warren Buffett mögen, hat viele Gründe. Der Mann ist gemütlich wie ein Teddybär, und er ist so freundlich und lieb, dass er die Inspiration für den Opa in jedem Kinderbuch gewesen sein könnte. Privat ist er ein toller Opa, wie man aus Familienkreisen vernimmt. Vor allem aber lebt er trotz seines Milliardenvermögens ein bescheidenes Leben in seiner Heimatstadt Omaha im eher langweiligen Nebraska. Dort fährt er einen serienmäßigen Cadillac und lebt seit 1958 in einem bescheidenen Stucko-Häuschen, dessen Wert von der zuständigen Steuerbehörde zuletzt auf 700.000 Dollar geschätzt wurde.

Darüber hinaus gehört Warren Buffett auch zu der großzügigen Gruppe der Milliardäre, die sich verpflichtet haben, noch zu Lebzeiten mehr als die Hälfte ihres Vermögens an wohltätige Zwecke zu spenden. Den Mann muss man einfach mögen.

Warum er aber an der Wall Street noch immer hofiert wird, bleibt allerdings ein Rätsel. Denn Warren Buffett steht für alles, was man in Finanzkreisen gar nicht gerne sieht - und er spricht es aus, jedes Jahr in seinem Brief an die Investoren und hin und wieder in Interviews, die Buffett immer mit einer Prise Humor, aber vor allem mit der entwaffnenden Ehrlichkeit gibt, die man im Mittleren Westen lebt.

Tipps vom Anleger-Guru

In seinem aktuellen Schreiben an die Anleger geht Warren Buffett wieder einmal auf seine persönliche Anlagestrategie ein und gibt Tipps zur eigenen Vermögensanlage.

Tipp Nummer Eins: Investments wollen gestreut sein. Als kleiner Privatanleger sei man nicht in der Lage, besser zu performen als der breite Markt. Darum rät der Guru, am besten in einen Index-Fond zu investieren, möglichst gekoppelt an den marktbreiten S&P-500. Das dürften die Investmentberater von New York bis Kalifornien nicht gerne hören, denn die machen ihr Geschäft mit individueller Beratung und mit aktiv geführten Fonds, die Anlegern teure Gebühren abverlangen und letztlich doch selten besser dastehen als der breite Markt.

Apropos Gebühren: die sind ja bei jedem Kauf und jedem Verkauf fällig. Warren Buffett gibt Entwarnung. Das Portfolio bei jeder Kursschwankung umzubauen, empfiehlt er nicht. Er bleibt bei seinem Credo vom langfristigen Investment. Kaufen und halten ... sehr, sehr lange halten. Einige Aktien in Buffett's Portfolio liegen da seit Jahrzehnten, darunter etwa Coca-Cola. Er habe sich seinerzeit das Produkt angesehen und sei überzeugt gewesen, dass sich die Zuckerbrause immer gut verkaufen ließe. Das tut sie auch, und mit dem Konzern aus Atlanta hat Buffett über die Jahre gut verdient. Dass Coca-Cola im abgelaufenen Quartal die Erwartungen der Analysten verfehlt hat, dürfte ihn nicht interessiert haben.

Experten-Bashing

Ebenso wenig interessiert sich Buffett übrigens für das Gelaber der Politiker und das Geplärre der Analysten. "Talking Heads", wie die Dauerschwätzer im Fernsehen heißen, die Tag und Nacht ihre Expertenmeinung ins Volk dreschen, seien für ihn nicht mehr als Ablenkung. In der mehr als 50-jährigen Erfolgsgeschichte seiner Firma Berkshire Hathaway habe es kein einziges Investment gegeben, dass er auf Anraten irgendwelcher "Experten" getätigt oder eben nicht getätigt habe. Damit greift Buffett ziemlich direkt die amerikanischen Börsensender an. CNBC, Bloomberg und Fox Business füllen ihr Programm mit den Meinungen von Analysten und Volkswirten, die genau so oft richtig liegen, wie sie danebenhauen.

Und noch einen Schlag setzt er gegen die Sender: Man solle vielleicht gar nicht so oft hinschauen, meint Buffett. "Wer die Samstage und Sonntage genießt, weil er da nicht auf die Aktienkurse schauen muss, der sollte vielleicht auch an den anderen Wochentagen nicht hinschauen" – eben: Kaufen und halten. Das ist typisch Buffett. Aber gegen alles, was die Sender predigen, die den Mann dennoch hofieren. Vielleicht, weil er eben auch ein Experte ist, und vielleicht der Einzige, auf den man wirklich hören sollte.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema