Marktberichte

Überzeugende US-Konjunkturdaten Chaotisches TV-Duell lässt Märkte kalt

4eb7282e667e57359b1ff2c14daac050.jpg

(Foto: AP)

Gute Arbeitsmarktzahlen lassen die Kurse an Wall Street steigen, die TV-Debatte im Präsidentschaftswahlkampf macht sich an den Aktienmärkten dagegen nur wenig bemerkbar. Der Dollar büßt etwas ein, während der Euro Verluste wieder rückgängig macht.

Die verpasste Einigung auf ein neues Corona-Hilfspaket hat die Wall Street zwischenzeitlich belastet. Doch konnte aufgrund überzeugender US-Konjunkturdaten ein kräftiges Plus verbucht werden. Zudem sollen die Gespräche über das Hilfspaket fortgesetzt werden, was den Markt schließlich stützte, hieß es. Im Verlauf war der Dow-Jones-Index über die Marke von 28.000 Punkten geklettert, doch das Scheitern der Verhandlungen über ein Hilfspaket im Volumen von 2,2 Billionen Dollar ließ den Markt zurückkommen. Beim Treffen zwischen Nancy Pelosi, der Vorsitzenden des Repräsentantenhauses, und Finanzminister Steven Mnuchin konnte keine Einigung erzielt werden.

Dennoch soll im Repräsentantenhaus, wo die Demokraten die Mehrheit haben, über das Hilfspaket abgestimmt werden. Die anschließende Zustimmung im Senat, wo die Republikaner über die Mehrheit verfügen, gilt allerdings als unwahrscheinlich.

Der Dow-Jones-Index gewann schließlich 1,2 Prozent auf 27.782 Punkte, nachdem der Index im Tageshoch schon bei 28.026 Punkten gestanden hatte. Der S&P-500 stieg um 0,8 Prozent auf 3.363 Punkte, der Nasdaq-Composite kletterte um 0,7 Prozent auf 11.168 Punkte. Dabei standen 1.749 (Dienstag: 1.114) Kursgewinnern 1.309 (1.900) -verlierer gegenüber. Unverändert zeigten sich 65 (107) Titel.

Eine Reihe guter US-Konjunkturdaten hatten zunächst für deutlich steigende Kurse gesorgt. Im Blick stand vor allem der Arbeitsmarktbericht des privaten Dienstleisters ADP für September. So entstanden im privaten Sektor 749.000 Stellen, während Volkswirte mit 600.000 gerechnet hatten. Der Bericht gilt als Indikator für den offiziellen Arbeitsmarktbericht der US-Regierung am Freitag. Die Beschäftigungslage verbessert sich nach dem Einbruch im Frühjahr bislang nur langsam, wie auch die wöchentlichen Daten zu den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe gezeigt haben.

Fernsehduell setzt nur wenig Impulse

Zudem wurde das Bruttoinlandsprodukt des zweiten Quartals in dritter Lesung veröffentlicht. Es schrumpfte demnach um 31,4 Prozent und damit kaum weniger als die vorläufig gemeldeten minus 31,7 Prozent.

Dagegen hat das mit Spannung erwartete US-Fernsehduell zwischen Präsident Donald Trump und seinem Herausforderer Joe Biden keine größeren Impulse setzen können. In der Fernsehdebatte kam es zum erwarteten erbitterten Schlagabtausch. Dabei ging Trump nicht auf die Frage ein, ob er im Fall einer Niederlage seine Anhänger dazu aufrufen würde, Ruhe zu bewahren und sich auch dann nicht an Unruhen zu beteiligen, wenn es nach dem Wahltermin am 3. November noch einige Zeit dauern würde, bis das Ergebnis endgültig feststehe. Mit der Weigerung, eine friedliche Machtübergabe nach der Wahl zu garantieren, hatte Trump die Märkte schon in der vergangenen Woche verunsichert.

Unter den Einzelwerten fielen Micron um 7,4 Prozent. Der Speicherchip-Hersteller hat bei der Vorlage von Zahlen zum vierten Geschäftsquartal einen enttäuschenden Ausblick gegeben. Überdies teilte Micron mit, es sei unklar, wann eine Lizenz erneut Verkäufe an einen der größten Kunden Huawei zulasse. Der chinesische Telekom-Ausrüster ist von der Trump-Administration vom Kauf von US-Chip-Produkten ausgeschlossen.

Walt Disney fielen um 1,1 Prozent. Der Unterhaltungskonzern hat den Abbau von 28.000 Stellen in seinen US-Freizeitparks angekündigt. Mit Gewinnen zeigten sich die Aktien der US-Fluggesellschaften. Die US-Regierung hat mit sieben großen Fluggesellschaften des Landes eine Vereinbarung über staatliche Finanzhilfen in der Corona-Krise getroffen. Das Hilfspaket hat ein Volumen von 25 Milliarden Dollar. Die Papiere von American Airlines und United Airlines gewannen 0,3 bzw. 0,7 Prozent.

Goldpreis fällt leicht

Ein erfolgreiches Börsendebüt verzeichneten die Aktien von Palantir Technologies. Der erste Kurs hatte bei 10 Dollar gelegen, nach einem "Referenzpreis" von 7,25 Dollar je Aktie für das Direktlisting. Damit ergab sich eine Bewertung von rund 22 Milliarden Dollar. Die Titel gingen bei 9,50 Dollar aus dem Handel.

Nutznießer der politischen und wirtschaftlichen Unwägbarkeiten war zwischenzeitlich der Dollar, der als "sicherer Hafen" in Krisenzeiten gilt. Der Dollar-Index gab seine Gewinne jedoch wieder ab und verlor 0,1 Prozent. Der Euro erholte sich im Gegenzug von seinem kurzzeitigen Fall unter die Marke von 1,17 Dollar und konnte das Niveau zurückerobern.

Der Goldpreis fiel um 0,6 Prozent auf 1.889 Dollar. Vor der Debatte Trump-Biden hätten viele Anleger Gold zur Absicherung gekauft; diese Positionen würden nun aufgelöst, erklärte Jeffrey Halley von Oanda den Preisrückgang. Rein aus Sicht der Finanzmärkte betrachtet sei die Debatte "ohne Zwischenfälle" verlaufen, fügte Halley hinzu.

Die Ölpreise zeigten sich mit einer uneinheitlichen Tendenz. Hier bremste die Befürchtung, dass die Corona-Pandemie die Nachfrage nach Öl zurückgehen lässt. Gestützt wurde der WTI-Preis von den wöchentlichen US-Lagerdaten, die überraschend die dritte Woche in Folge einen Rückgang gezeigt haben. Sie fielen nach Angaben der Energy Information Administration (EIA) um 1,98 Millionen Barrel, während Analysten mit einem Anstieg um 0,8 Millionen Barrel gerechnet hatten. Die Benzinbestände legten entgegen der Erwartung leicht zu. Der Preis für ein Barrel US-Sorte WTI stieg um 1,7 Prozent auf 39,95 Dollar. Brentöl fiel um 0,2 Prozent auf 40,95 Dollar.

Quelle: ntv.de, tsi/DJ

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen