Marktberichte

Rote Vorzeichen dominieren Dax knickt ein

Nach einem schwachen Januar geht es an am deutschen Aktienmarkt auch am ersten Handelstag im Februar abwärts. Anleger sollten sich auf stark schwankende Kurse einstellen, empfehlen Händler.

An den europäischen Aktienmärkten herrscht derzeit vor allem eins: große Nervosität. Nach Kursgewinnen zum Handelsstart nahmen die Indizes am Frankfurter Aktienmarkt erst ihre Talfahrt wieder auf, bevor sie sich wieder nach vorne arbeiteten - doch schließlich ging es abwärts. Der Dax schloss 1,3 Prozent im Minus bei 9187 Punkten, während der MDax 1,2 Prozent auf 16.014 Zähler verlor. Der TecDax gab 0,8 Prozent auf 1212 Punkte ab. Der EuroStoxx 50 beendete den Tag mit einem Abschlag von 1,7 Prozent bei 2964 Punkten und damit auf dem tiefsten Stand seit Mitte Dezember. In London und Paris wurden ebenfalls Verluste verzeichnet

Grund für den Rücksetzer im späten Handel waren Konjunkturdaten aus den USA: Die US-Industrie hat sich im Januar wegen des harten Winters in Amerika überraschend schwach entwickelt. Nach Angaben des Institute for Supply Management (ISM) fiel der nationale Index der Einkaufsmanager im verarbeitenden Gewerbe auf 51,3 Punkte und damit sehr viel stärker als erwartet.

Gute Konjunkturdaten aus der Eurozone führten nicht zu Aktienkäufen. Die produzierende Wirtschaft des Euroraums ist mit einem Wert von 54,0 noch stärker als zunächst gedacht in das Jahr gestartet und verzeichnet eine zunehmend Erholung auch bei den bisherigen Nachzüglern wie Griechenland und Spanien.

Analyst Markus Huber von Peregrine & Black sprach von Stabilisierungsversuchen in einem Umfeld voller Unsicherheiten. Er verweist dabei vor allem auf die weiterhin schwächelnden Währungen einiger Schwellenländer und das derzeit fehlende Marktvertrauen der Anleger.

"Schwenk im Sentiment"

Börsianer zeigten sich von der Volatilität nicht überrascht. "Wie so oft nach Verkaufswellen dürften sich nun Short-Eindeckungen und Anschlussverkäufe schnell abwechseln", sagt einer von ihnen. Anleger sollten sich weiter auf schnelle Bewegungswechsel einstellen, ergänzte ein anderer Marktteilnehmer. "Das ist ein Zerren zwischen Buy the Dips und Sell the Rallys", sagt Robert Rethfeld von Wellenreiter-Invest. Dieses Zerren präge derzeit auch die Situation an der Wall Street.

"Wir sehen einen Schwenk im Sentiment", so ein Händler. Erholungen an den Börsen würden momentan von den Anlegern genutzt, um ihre Aktienbestände zu reduzieren. Und die potenziellen Käufer, die weiter auf Liquidität sitzen, würden abwarten. Sie gingen davon aus, dass sie in den kommenden Wochen zu niedrigeren Kursen einsteigen können.

"Die Anleger sind derzeit zutiefst verunsichert", sagte ein Händler. "Die große Sorge ist, dass die Währungsturbulenzen in den Schwellenländern nur der Beginn einer tiefgreifenden Konjunkturkrise sind", ergänzte ein anderer Börsianer.

EZB entscheidet über Leitzins

Laut Marktstratege Chris Weston von IG fehlt es den Börsen aktuell an richtungweisenden Nachrichten. Marktakteure könnten bereits damit beginnen, sich für die Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank EZB am Donnerstag und den US-Arbeitsmarktbericht am Freitag zu positionieren. Einige Investoren gehen davon aus, dass die EZB die Leitzinsen senken wird, um Deflationsgefahren entgegen zu wirken. Hintergrund ist der überraschend schwache Preisanstieg in der Eurozone. "Wir glauben, dass die Inflation in der Euro-Zone im nächsten Monat auf 0,6 Prozent zurückgehen und im März unter einem Prozent bleiben wird. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung am Donnerstag wächst", sagt Shin Kadota, Chef-Stratege bei Barclays.

Ebenfalls für Missstimmung sorgen Einkaufsmanager-Indizes aus China: Nach Einschätzung der Societe Generale befindet sich die chinesische Wirtschaft wieder in einer Abschwungphase. Der offizielle Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende ist im Januar auf 50,5 Punkte, und damit im zweiten Monat in Folge, gefallen. Index bestätige die von HSBC/Markit gelieferten Indikationen. Teilweise sei die Schwäche mit dem chinesischen Neujahrsfest zu erklären, allerdings werde es zunehmend klarer, dass die Wirtschaft sich bereits wieder abschwäche.

Banken im Blick

Unter den Einzelwerten im Dax gingen Merck auf Erholungskurs. Die Aktien des Pharma- und Chemieriesen legten 1,1 Prozent zu, nachdem sie in der vergangenen Woche mehr als 13 Prozent verloren hatten. K+S führten die Gewinnerliste mit einem Plus von 2 Prozent an. Händler führten das auf positive Analystenstimmen zurück.

Deutsche Bank profitierten nicht von Aussagen von Anshu Jain und Jürgen Fitschen in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Die beiden Vorstandsvorsitzenden hatte erklärt, dass das Kreditinstitut die Kapitalvorgaben aus eigener Kraft, also ohne Kapitalerhöhung, erfüllen will. Die Aktien gaben 1,8 Prozent nach. Eine Kapitalerhöhung sei am Markt derzeit überhaupt kein Thema, sagte ein Händler. Commerzbank verloren 2,8 Prozent.

Im MDax drückte eine Gewinnwarnung die Aktien der Kupferhütte Aurubis um 5,5 Prozent ins Minus. Die schleppende Konjunktur und hausgemachte Probleme haben Aurubis einen Verlust eingebrockt. Erste Erholungssignale beim Zuckerpreis ließen die Papiere von Südzucker dagegen mit plus 4,4 Prozent an die MDax-Spitze steigen. Ende der vergangenen Woche hatte der Terminkontrakt auf Zuckerrüben zum Teil deutliche Kursgewinne verzeichnet.

Quelle: ntv.de, jga/bad/DJ/rts/dpa

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