Marktberichte

2016 doch nicht so schlecht Dax schließt nahe Jahreshoch

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Börsen-Blues auf hohem Niveau: Kommende Woche könnte es einen harten Einstand ins Börsenjahr 2017 geben.

(Foto: picture alliance / Boris Roessle)

Der deutsche Leitindex schließt ein turbulentes Börsenjahr mit einem deutlichen Gewinn ab. Doch schon werden Unkenrufe laut. Könnte der Börsenauftakt 2017 wie im Vorjahr zur Bruchlandung geraten?

Am Ende ist die Jahresbilanz am deutschen Aktienmarkt positiv - und die Tagesbilanz ebenfalls: Praktisch in allerletzter Minute kamen am letzten Handelstag ein paar Käufer um die Ecke. Den deutschen Standardwerten gelang damit ein letzter Sprung in den grünen Bereich.

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Kurz vor Schluss stieg der Dax sogar noch auf ein Jahreshoch bei 11.481,66 Punkten. Danach schloss er 0,2 Prozent höher bei 11.481,06 Zählern. "2016 war doch nicht so schlecht, wie man anfangs befürchten musste", sagte Marktanalyst Robert Halver von der Baader Bank. Auf Jahressicht steht bei den deutschen Standardwerten nun ein Gewinn von sieben Prozent zu Buche. 2016 ist das fünfte gewinnbringende Jahr in Folge.

Eine solch deutliche Kurssteigerung des Dax habe nach den massiven Turbulenzen zu Beginn des Jahres niemand mehr erwartet, sagte Halver. Allerdings gebe es außer Aktien kaum noch Rendite bringende Anlagemöglichkeiten. Wegen ultra-niedriger Zinsen können Sparer mit Tagesgeldern oder Staatsanleihen seit Jahren kaum noch etwas verdienen.

Auch der MDax verabschiedete sich mit einem Plus. Er kletterte zum Schluss noch einmal um knapp 0,2 Prozent auf 22.188 Punkte. Nur der Technologiewerte-Index TecDax schaffte es am Freitag nicht in den grünen Bereich. Er schloss nahezu unverändert bei 1811 Punkten. Unter den drei großen Indizes ist er der einzige mit einer negativen Jahresbilanz. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 notierte derweil 0,3 Prozent höher.

"Der Dax feiert Silvester nahe am Jahreshoch und schließt damit das Jahr 2016 freundlich ab. Es war ein turbulentes, volatiles und von politischen Ereignissen geprägtes Jahr", sagte Daniel Saurenz von Feingold Research n-tv.de. Selten sei es so kompliziert gewesen, das Jahr mit einer positiven Rendite abzuschließen. "Politische Börsen werden auch 2017 mitunter ziemlich lange Beine haben und die Marktbewegung prägen."

Die Orientierungslosigkeit der Weihnachtswochen werde enden und deutlich Schwung in den Markt kommen, so Saurenz weiter. Ob es dann aufwärts oder abwärts gehe, hänge davon ab, ob die Investoren die zahlreichen Risiken weiterhin großzügig ausblendeten oder doch Risikoprämien auf politische und wirtschaftliche Unsicherheit verlangen. "Ein Anstieg über 12.000 Zähler beim Dax und über 20.000 beim Dow ist möglich, aber längst kein Selbstläufer."

Einige Marktteilnehmer sind offenbar besorgt, dass sich ein Jahresauftakt wie 2016 wiederholen könnte. Sie seien deshalb auf Nummer sicher gegangen, sagte ein Händler. Am ersten Handelstag 2016 war der Dax um 4,3 Prozent eingebrochen. Es war der schwächste Jahresbeginn seit 1988.

Andere Händler teilten diese Sorgen nicht. Zumindest bis zur Amtseinführung von Donald Trump am 20. Januar als neuer US-Präsident dürfte das Umfeld an den Börsen günstig bleiben, hieß es. Danach müsse der von den Märkten mit Vorschusslorbeeren überhäufte Trump aber liefern. Die Umsetzung der wirtschaftlichen Pläne könnte sich aber als schwieriger erweisen als vermutet.

Achtung: Der Start in das neue Jahr fängt an vielen Börsen nicht am Montag an! In Europa bleiben die Märkte in der Schweiz und Großbritannien geschlossen, ebenso in den USA.

Entwarnung gab es auf den letzten Metern aus Italien. Rom kann seine in Bedrängnis geratenen Banken unter bestimmten Bedingungen weiter zu Hilfe eilen, auch der angeschlagenen Monte dei Paschi. Die EU-Kommission hat die Genehmigung für das Garantiesystem für Banken des Landes bis zum 30. Juni 2017 verlängert. Es wäre ursprünglich Ende des Jahres ausgelaufen. Bankentitel legten daraufhin zu. Banca Monte dei Paschi blieben allerdings weiter vom Handel ausgesetzt.

USA: Verluste an der Wall Street

An der New Yorker Wall Street überwogen am letzten Börsentag des Jahres die Minuszeichen. Der Handel verlief verhalten und die Umsätze blieben dünn. Die Anleger schauten bereits auf die erste Woche des neuen Börsenjahres. Von einer Flut von Konjunkturdaten erwarten sich die Marktteilnehmer Hinweise auf das Wachstum der Weltwirtschaft.

Das Hauptaugenmerk richten Anleger auf die US-Beschäftigtenzahlen am nächsten Freitag. Von ihnen erhoffen sie sich Rückschlüsse darauf, ob die US-Notenbank Fed die Zinsen 2017 wie angedeutet drei Mal anheben wird. Einen Vorgeschmack auf die offiziellen Daten geben die Zahlen der privaten Arbeitsagentur ADP am Tag zuvor. Bereits am Mittwoch werden Investoren zudem die Worte in den Protokollen der Fed-Sitzung vom Dezember auf die Goldwaage legen, weil sie sich von ihnen Einsichten in die Entscheidungsfindung des Führungsgremiums der Zentralbank erhoffen.

Der Standardwerteindex Dow Jones gab um 0,3 Prozent nach und beendete das Jahr bei 19.767 Punkten. Der S&P 500 verlor 0,5 Prozent auf 2239 Zähler. Der Nasdaq Composite verringerte sich um 0,9 Prozent auf 5383 Punkte.

Bei den Einzelwerten fielen die Aktien von Nvidia um 4,1 Prozent. Ein bekannter Leerverkäufer hatte dem Chipkonzern Gegenwind für 2017 prognostiziert. Diese auch "Shorties" genannten Marktteilnehmer setzen durch Leerverkäufe auf fallende Kurse der betreffenden Wertpapiere. Mylan rückten dagegen 2,0 Prozent vor. Der Pharmakonzern bringt zwei neue Nachahmerversionen auf den Markt.

Apple verbilligten sich um 1,0 Prozent. Laut einem Bericht der japanischen Zeitung "Nikkei" will der der Konzern im ersten Quartal die Produktion seiner iPhone-Familie um rund zehn Prozent verglichen mit demselben Vorjahreszeitraum reduzieren.

Asien: Ohne einheitliche Richtung

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Die Aktienmärkte in Ostasien und in Australien gingen ohne einheitliche Richtung aus dem Börsenjahr 2016. Am letzten Handelstag des Jahres zeigten nur die Börsen in Hongkong und Sydney etwas stärkere Kursausschläge, die aber jeweils nicht fundamental erklärt wurden. In Sydney war von Gewinnmitnahmen die Rede, in Hongkong von einer technischen Gegenbewegung.

In Tokio büßte der Nikkei-Index 0,2 Prozent ein auf 19.114 Punkte, nachdem er zu Beginn des Handels schon auf fast 19.000 Punkte abgesackt war. Die Jahresbilanz für den Nikkei-Index fällt äußerst bescheiden aus mit einem Plus von rund 0,5 Prozent. Immerhin war es aber das fünfte Jahresplus in Folge. Fortgesetzt wird der Handel in Tokio nach dem Jahreswechsel erst am Mittwoch.

Die Börsen in Japan, Schanghai, Hongkong und Australien bleiben wegen eines Ausgleichstags für Neujahr geschlossen.

Toshiba
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Bei den Einzeltiteln zeigte sich in Japan in den vergangenen Tagen eine erste Erholung bei der um über 40 Prozent eingebrochenen Toshiba-Aktie. Sie legte am Freitag um 9,4 Prozent zu. Einige Analysten bezeichneten den Kurseinbruch der Aktie als überzogen. Die Nachricht von den Einmalverlusten sei nun eingepreist", sagte Masaya Yamasaki, Analyst bei Nomura. Toshiba hatte zu Wochenbeginn angekündigt, Abschreibungen in Dollar-Milliardenhöhe auf das  Nukleargeschäft seiner US-Tochter Westinghouse vornehmen zu müssen, ohne diese bislang genauer zu quantifizieren.

An der Schanghaier Börse endete der Freitag mit einem Plus von 0,2 Prozent und das Jahr 2016 mit einem Minus von 12,3 Prozent. Anders als im Vorjahr war das Börsenjahr in Schanghai von deutlich weniger starken Schwankungen geprägt. 2015 war der Markt im Sommer um 43 Prozent eingebrochen. In Erinnerung daran hätten die Anleger sich 2016 mit kreditfinanzierten Aktienkäufen zurückgehalten, bilanzierten Händler. Einem Absturz gleich im Januar um über 20 Prozent - ausgelöst von Sorgen um ein möglicherweise nachlassendes Wirtschaftswachstum Chinas - schloss sich im Jahresverlauf eine Erholung an, die aber nur einen Teil der Auftaktverluste wieder wettmachte.

In Sydney endete das Börsenjahr nach einem verkürzten Handel mit einem Minus von 0,6 Prozent. Unter dem Strich legte der S&P/ASX-200 im abgelaufenen Jahr um knapp sieben Prozent zu und schnitt damit besser ab als viele Indizes in Ostasien. Der australische Aktienmarkt folgt traditionell stärker den Vorgaben aus den USA und Europa. Händler begründeten das Tagesminus mit leicht negativen Vorgaben aus den USA und Einbußen bei den zuletzt gestiegenen Rohstoffaktien. In Südkorea war bereits am Donnerstag das letzte Mal gehandelt worden, dort lautet die Jahresbilanz auf ein kleines Plus von gut drei Prozent.

Rohstoffe: Ein gutes Jahr für Öl-Investoren

Öl-Investoren haben 2016 den Joker gezogen: Die Ölpreise legten so stark zu wie seit 2009 nicht mehr. Eine Vereinbarung zwischen Opec-Ländern und Nicht-Mitgliedern des Kartells über die Absenkung der Ölproduktion gab den Preisen im November einen kräftigen Schub.

Am Freitag verbilligte sich die richtungsweisende Sorte Brent aus der Nordsee allerdings um 0,4 Prozent auf 56,65 Dollar je Fass. US-Leichtöl WTI notierte nach anfänglichen Gewinnen 0,3 Prozent tiefer bei 53,60 Dollar. Aufs Jahr gesehen summieren sich die Gewinne bei Brent damit auf 53 Prozent, WTI legte rund 46 Prozent zu. Im Vergleich zum Tief im Januar hat sich der Brent-Preis sogar mehr als verdoppelt.

Der Plan der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) sowie nicht dazugehörende Länder wie Russland haben sich bereit erklärt, die tägliche Ölproduktion ab Anfang 2017 um 1,8 Millionen Barrel (159 Liter) zu reduzieren. Damit wollen sie eine seit Jahren herrschende Überkapazität angehen.

Ob die Reduzierung den Preis nachhaltig stützen kann, sehen Experten jedoch skeptisch. Viele Analysten rechnen für das erste Halbjahr mit Preisen um 55 Dollar je Fass. Danach werden die Preise laut Goldman Sachs aber wieder fallen. Denn geringere Exporte der Opec und Russlands ließen Raum für Konkurrenten wie die US-Schieferölindustrie.

Anfang Januar hatten Sorgen vor einer unaufhaltsamen Flut an Öl die Preise für den Rohstoff auf rund 27 Dollar, den tiefsten Stand seit November 2003 gedrückt. Das führte auch zu Verlusten an den Aktienmärkten, weil Investoren eine Abkühlung der Weltwirtschaft befürchteten.

Der Goldpreis zog zunächst mit Hilfe des zuletzt schwächelnden Dollar weiter an. Am Abend ging der Preis allerdings wieder nach unten. Mit 1151 Dollar kostete die Feinunze 0,6 Prozent weniger als am Vorabend. Ein schwächerer Dollar macht das Edelmetall für Käufer aus dem Nichtdollarraum billiger. Bei Bundesanleihen nehmen Anleger Kursgewinne mit, nachdem diese in den vergangenen zwei Wochen gestiegen sind.

Devisen: Euro reißt nach oben aus

Euro / Dollar
Euro / Dollar 1,12

Hektisch war es im Devisenhandel. Während sich der Handelstag an den Aktienmärkten erwartungsgemäß ruhig anließ, kam es am Devisenmarkt zum Jahrsschluss zu Kurskapriolen bei Euro und Dollar. In dem dünnen asiatischen Handel schoss die Gemeinschaftswährung innerhalb weniger Minuten um mehr als eineinhalb US-Cent auf 1,07 Dollar in die Höhe. Das war der höchste Stand seit dem 8. Dezember. Sie gab einen Großteil ihrer Gewinne zwar schnell wieder ab, hielt sich aber im Tagesverlauf über 1,05 Dollar, was einem Plus von 0,3 Prozent entspricht. Händler begründeten den Ausreißer nach oben mit kurzfristig orientierten Anlegern, die den Euro zum Jahresultimo in eine für sie günstige Richtung bewegen wollten.

Trotz der jüngsten Zuwächse steht der Euro davor, 2016 mit Verlusten zu beenden. In den vergangenen zwölf Monaten verlor er knapp vier Prozent. Bei Anlegern machen sich zunehmend Sorgen um ein Auseinanderbrechen der Eurozone breit, zudem gewann der Dollar deutlich an Wert. Anfang 2015 war der Euro noch rund 1,20 Dollar wert gewesen. Die Stärke des "Greenback" führen Börsianer unter anderem auf die Wahl von Donald Trump zum neuen US-Präsidenten zurück.

Anleger spekulieren auf einen von Trump ausgelösten Wirtschaftsboom in den USA sowie auf weitere Zinserhöhungen der amerikanischen Notenbank Federal Reserve. Sie hatte im Dezember erstmals in diesem Jahr die Leitzinsen angehoben.

Quelle: n-tv.de, ddi/mbo/rts/dpa/DJ

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