Marktberichte

Wall Street fast unverändert Dax stürzt unter 12.000 Punkte

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(Foto: picture-alliance/ dpa)

Ein Tag zum Vergessen für den deutschen Leitindex: Nach dicken Verlusten rutscht der Dax wieder unter die Marke von 12.000 Punkten. Gewinnmitnahmen belasten den Index ebenso wie schlechte Nachrichten rund um Griechenland.

Einen dicken Rücksetzer erlebte der deutsche Leitindex Dax heute - die 12.000-Punkte-Marke hielt zwar lange, am Schluss fiel jedoch auch sie. Gewinnmitnahmen sind als Ursache für die Verluste von fast zwei Prozent wahrscheinlich. Für miese Stimmung an der Börse sorgte aber auch die weiter steigende Wahrscheinlichkeit eines griechischen Staatsbankrotts. Laut der Financial Times hatte Griechenland beim IWF um Aufschub für die Rückzahlung der am Freitag fälligen Kredittranche gebeten. Am Vorabend hatte bereits die Ratingagentur S&P die Bonität Griechenlands auf "CCC+" mit negativem Ausblick gesenkt. Die Liquiditätssituation des Landes könnte sich weiter verschlechtern, hieß es zu Begründung.

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An den Devisenmärkten zog der Euro an bis auf 1,0769 Dollar. Dies spricht dafür, dass ein Grexit schon lange nicht mehr die Ängste bei den Anlegern auslöst, wie dies zum Höhepunkt der Schuldenkrise in der Eurozone der Fall gewesen war. Einige Analysten sind sogar der Meinung, dass ein Ausscheiden Griechenlands die Eurozone und damit übergeordnet die Einheitswährung stärken könnte.

Die Anhebung der deutschen Wachstumserwartungen durch die vier führenden Wirtschaftsforschungsinstitute stützten die Börsen nicht. Für das laufende Jahr rechnen die Ökonomen mit einem Anstieg der Wirtschaftsleistung um 2,1 Prozent. Das ist deutlich mehr als noch im Herbstgutachten vorausgesagt, als die Prognose nur auf ein Wachstum von 1,2 Prozent gelautet hatte. "Der niedrige Ölpreis lässt den Deutschen mehr Geld für den Konsum, der niedrige Euro schiebt die Exporte an", erklärte Timo Wollmershäuser, Konjunkturchef beim ifo Institut, in Berlin.

Deutschland: Zalando lassen Anleger staunen

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Der Dax büßte deutliche 1,9 Prozent ein und sank auf 11.999 Punkte - sein Tagestief hatte er zuvor bei 11.998 Punkten markiert. Nicht ganz so groß waren die Verluste beim MDax, der 1,1 Prozent auf 21.334 Zähler verlor. Der TecDax ließ 1,2 Prozent nach, beim Euro-Stoxx-50 waren es 1,3 Prozent auf 3742 Punkte.

Spitzenreiter und einzige Gewinner im Dax waren Nachmittag die Versorger RWE und Eon mit einem Aufschlag von 0,3 und 0,1 Prozent. Ganz hinten im Dax landeten Lanxess mit einem Verlust von satten 4,1 Prozent.

Im Kleinwerteindex SDax sorgte Zalando mit einem Kursplus von 16,3 Prozent für Aufsehen. Der Online-Modehändler hatte in der Nacht einen Umsatz- und Ergebnissprung bekannt gegeben.

Im Nebenwerteindex MDax fielen dagegen die Aktien von Deutsche Annington um 1,2 Prozent auf 31,42 Euro. Der Staatsfonds von Abu Dhabi steigt einem Insider zufolge bei der Immobilienfirma aus und will 23,5 Millionen Annington-Titel zu einem Preis zwischen 30,80 und 31,79 Euro verkaufen.

Airbus-Aktien stiegen hingegen auf ein neues Allzeithoch: Das Aktienrückkaufprogramm des Flugzeugbauers soll erweitert werden. Die Aktie legte um 2,1 Prozent zu.

USA: Auch Wall Street hadert mit Griechenland

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Die Hängepartie im Schuldenstreit mit Griechenland belastet auch die Wall Street. Quartalsberichte großer US-Unternehmen treten deswegen in den Hintergrund. Die Gewinne liegen weitgehend über den Erwartungen, was aber zu großen Teilen auf Sparerfolge und nicht auf anziehende Geschäfte zurückzuführen ist.

Der Dow-Jones-Index schließt kaum verändert bei 18.106 Punkten nach. Der breiter gefasste S&P-500 verliert 0,1 Prozent auf 2105 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq notiert ebenfalls 0,1 Prozent niedriger bei 5008 Punkten.

Unter den Einzelwerten stehen erneut die Banken im Fokus. Die Citigroup-Aktien klettern 1,5 Prozent. Auch die drittgrößte US-Bank gibt einen Gewinnsprung bekannt. Sie profitiert insbesondere davon, dass die Kosten für Rechtsstreitigkeiten und den Konzernumbau massiv gedrückt wurden.

Die Papiere von Goldman Sachs schließen 0,4 Prozent tiefer. Das Geldhaus verdiente im ersten Quartal dank eines boomenden Handelsgeschäfts so viel wie seit Anfang 2010 nicht mehr. Der Nettogewinn schoss um 41 Prozent in die Höhe und übertraf damit die Analystenerwartungen.

Devisen: Euro steigt über 1,07 Dollar

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Der Kurs des Euro hat seine Vortagesgewinne ausgeweitet. Anzeichen für eine schwächere US-Wirtschaft lasten laut Devisenexperten auf dem US-Dollar. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde am Nachmittag mit 1,0715 Dollar gehandelt. Im Vormittagshandel hatte der Euro zeitweise nur 1,0625 Dollar gekostet. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs am frühen Nachmittag auf 1,0711 (Mittwoch: 1,0579) Dollar fest.

"Es handelt sich überwiegend um eine Dollar-Schwäche", sagte Esther Reichelt, Devisenexpertin von der Commerzbank. "Die Angst vor einer länger anhaltenden Schwächephase der US-Wirtschaft nimmt zu." So haben sich im März die Baubeginne nicht so stark erholt wie erwartet. "Offenbar war nicht nur das Winterwetter für die jüngste Konjunkturschwäche verantwortlich", sagte Reichelt. Die US-Notenbank könnte daher die erste Leitzinsanhebung seit der Finanzkrise weiter nach hinten verschieben.

Rohstoffe: Ölpreise rutschen wieder ab

Rohöl (Brent)
Rohöl (Brent) 74,23

Die Ölpreis geben am Nachmittag deutlich nach: Ein Barrel (etwa 159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Mai kostet 62,07 US-Dollar und damit 1,25 Dollar weniger als am Mittwoch. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) vergünstigt sich um 92 Cent auf 55,47 Dollar.

In den USA zeigen sich immer deutlichere Auswirkungen des Ölpreisverfalls auf die Produktion. Nach Regierungszahlen vom Mittwoch (Ortszeit) ist die Ölproduktion in der vergangenen Woche leicht gefallen. Auch der Zuwachs der Rohölvorräte fiel wesentlich schwächer aus als in den vergangenen Wochen, wenngleich ein neues Rekordniveau erreicht wurde. Zusammen mit dem zuletzt starken Rückgang der Bohrlöcher deutet sich an, dass der amerikanische Schieferölboom seinen Höhepunkt überschritten haben könnte.

Asien: Nikkei nur leicht im Plus

Die meisten asiatischen Aktienbörsen haben den Trend der Wall Street fortgesetzt und glänzten mit steigenden Kursen. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans stieg um mehr als ein Prozent. An der Tokioter Börse geriet allerdings der Nikkei-Index wegen Gewinnmitnahmen zeitweise unter Druck. Der 225 Werte umfassende Leitindex schloss aber mit 0,1 Prozent leicht im Plus und erreichte 19.885 Zähler. Der breiter gefasste Topix legte knapp 0,7 Prozent zu und ging mit 1599 Punkten aus dem Handel.

Börsianern zufolge strichen einige Anleger Gewinne unter anderem bei Lebensmittelherstellern und Pharmakonzernen ein. Deren Aktien hätten sich zuletzt überdurchschnittlich gut entwickelt. Gefragt waren dagegen die Papiere von Sharp, die 4,5 Prozent zulegten.

Ermutigende Quartalszahlen hatten den US-Börsen Auftrieb gegeben. Kaufimpulse lieferten unter anderem die Zwischenberichte von Intel und Delta Air Lines.

Quelle: ntv.de, kst/bdk/rts/DJ/dpa

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