Marktberichte

Highflyer im Technik-Index Dax zündet nicht

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Dax dreht ab: Ein mysteriöser Verkäufer tritt seit einigen Tagen immer pünktlich auf den Plan.

(Foto: picture alliance / dpa)

Es mangelt an Impulsen - so kann der Handel kaum in Schwung kommen. reichte es am Vortag noch zu einem kleinen Plus, schließt der Leitindex nun unterhalb des Startpunktes. Feuer ist in den hinteren Reihen. Für Rätselraten sorgen mysteriöse Verkäufe.

Fehlende Impulse und eine vor der kommenden EZB-Sitzung weiter abwartende Haltung haben Zugewinne am deutschen Aktienmarkt verhindert. In einem ähnlich wie zu Wochenbeginn verlaufenden Handelstag fehlte dem Leitindex zudem die Kraft, in den letzten Minuten zumindest wieder an den Startpunkt vom Morgen zurückzukehren. Einmal mehr wechselte nach freundlichem Beginn noch früh die Richtung. Einige Händler unken bereits über einen Phantom-Käufer.

Am Ende des Tages stand für den Dax ein Minus von 0,2 Prozent auf 9639 Punkte. Der MDax setzte 0,4 Prozent auf 16.245 Stellen zurück Der TecDax wurde dagegen von zwei Highflyern ins Plus gezogen und legte 1,1 Prozent auf 1238 Zähler zu. Der Eurozonen-Leitindex Eurostoxx 50 büßte indes 0,2 Prozent auf 3163 Stellen ein.

Kater nach dem Rausch

Es mangele derzeit an Impulsen, daher hielten sich die meisten Anleger lieber zurück, schreibt Markus Huber vom Brokerhaus Peregrine & Black in einem Kommentar. Vergangenen Donnerstag hatte der Leitindex mit 9810,29 Zählern noch eine neue Bestmarke erzielt. Dass daraus nicht mehr wurde, trübt noch immer die Stimmung.

"Die Marktschwäche ist wie ein Kater nach der Enttäuschung über die schwachen Europa-Wachstumsdaten: Sie spiegelt aber auch die Unsicherheit vor der Europawahl wider", beschreibt Aengus McMahon, Kreditstratege bei ING, die Stimmungslage.

Für Gesprächsstoff sorgt weiterhin vor allem der Kurs der Europäischen Zentralbank (EZB). Die hohe Erwartungshaltung an eine weitere Lockerung der Geldpolitik berge allerdings reichlich Enttäuschungspotenzial, sagte Gregor Kuhn von IG Markets.

Immer wieder Banken

Einmal mehr standen die Banken im Fokus: Die Schweizer Credit Suisse hatte sich als erste Großbank seit mehr als einem Jahrzehnt in einer Strafsache schuldig bekannt - in diesem Fall wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Die Strafzahlung beläuft sich auf 2,6 Milliarden US-Dollar. Die Analysten von Nomura bezeichnen die Strafe als "bezahlbar". Als kursbelastend machten Händler die neuen Vorwürfe der EU-Kommission gegen Credit Agricole, HSBC und JP Morgan aus. Der Vorwurf der Zinsmanipulation bei Zins-Derivaten und des Verstoßes gegen Kartellregeln sei schwerwiegend, hieß es im Handel.

Autowerte gesucht

Im Dax kletterten Continental um 2,4 Prozent. Keine nachrichtlichen Ursachen vermuten Händler hinter dem Kursplus. "Das setzt nur die Korrektur des heftigen Absturzes vom Freitag fort", sagt ein Händler.

RWE und Eon zogen 0,7 und 0,3 Prozent an. Die Behörden müssen ihnen insgesamt 2,2 Milliarden Euro brennelemente-Steuer erstatten. Allerdings ist das juristische Tauziehen noch nicht beendet und die inzwischen gezahlte Summe noch nicht bilanziell verbucht.

Unter die Gewinner gesellten sich Commerzbank mit einem Aufschlag von 1,4 Prozent. Die Bank hat offenbar einen Käufer für ein milliardenschweres Kreditpakt im spanischen Immobilienmarkt gefunden. Linde kommen am Tag der Hauptversammlung mit dem Abschied von Konzernchef Wolfgang Reitzle nicht voran.

Am unteren Ende verloren Lanxess 2,1 Prozent. ThyssenKrupp verbilligten sich um 1,7 Prozent. Henkel büßten 1,3 Prozent. K+S fielen nach einer Herabstufung durch Kepler Cheuvreux um 1,3 Prozent.

In der zweiten Reihe zogen Wacker Chemie 3,2 Prozent an. gesucht waren mit ProSiebenSat.1 und RTL zwei Medienwerte. Abschläge müssen Südzucker hinnehmen. Das Papier brach um 5,2 Prozent. Am Vortag war bekannt geworden, dass die Finanzaufsicht BaFin angesichts des Kurssturzes der Südzucker-Aktien Anfang April dem Verdacht des Insiderhandels und der Marktmanipulation nachgeht.

Kursraketen im TecDax

Im TecDax katapultierten sich Morphosys um 9,1 Prozent in die Höhe. Grund für den Freudensprung ist die Zulassung eines Wirkstoffs in den USA und Europa. Für das Entwicklungsprogramm MOR208 wurde der Status als Medizinprodukt in frühem Stadium, der sogenannte "Orphan-Drug"-Status, gewährt. Damit folgt ein automatischer Produktschutz für sieben Jahre nach Zulassung in den USA und zehn Jahre in Europa.

United Internet sprangen um 6,5 Prozent an. Grund ist ein Gewinnsprung im ersten Quartal. "Aus unserer Sicht sind die Zahlen solide und belegen, dass das Unternehmen auf gutem Weg ist, die Gesamtjahresziele für Wachstum und Profitabilität zu erreichen", schreibt DZ-Bank-Analyst Karsten Oblinger. Der Konzern profitierte von neuen Kunden und geringeren Anlaufkosten für neue Geschäftsfelder.

QSC sanken um 0,4 Prozent. Der Telekomdienstleister hat am Kapitalmarkt ein Debüt-Schuldscheindarlehen über 150 Millionen Euro platziert.

Mifa fährt auf und davon

Auf Talfahrt gehen dagegen die Aktien der Deutschen Annington. Der angekündigte Ausstieg von Großaktionären drückte die Aktien der Immobilienfirma 5,6 Prozent ins Minus. Mehrheitseigners Terra Firma will die bislang in einem Fonds gebündelten Annington-Anteile an die Halter dieses Fonds weiterreichen.

Ein wahres Kursfeuerwerk erleben die Aktien des Fahrradherstellers Mifa Mitteldeutsche Fahrradwerke. Die Nachricht über den Einstieg des indischen Wettbewerbers Hero Cycles sorgt für Kurseuphorie. Die Mifa-Aktie schoss um mehr als 50 Prozent nach oben. Der nach Umsatz weltgrößte Fahrradproduzent wird wie im März vereinbart im Rahmen einer Kapitalerhöhung zunächst bis zu 15 Millionen Euro in das Unternehmen aus Sachsen-Anhalt investieren. Das ist mehr als die aktuelle Marktkapitalisierung von Mifa.

Quelle: ntv.de, jwu/DJ/rts