Wirtschaft
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Samstag, 24. Februar 2018

Risiken kommen aus der Politik: Dax zwischen Euphorie und Zinsangst

Die Unternehmen schütten zuletzt Rekordsummen an die Aktionäre aus. Konjunkturdaten stehen nur wenige an in der kommenden Woche. Was kann also schiefgehen aus Anlegersicht? Zum Beispiel die Wahl in Italien oder der Mitgliederentscheid der SPD.

Erneut kurze Verschnaufpause oder wieder nach unten? Die Meinungen am Markt über die kommende Börsenwoche gehen auseinander. Analysten sehen einerseits positive Signale durch die bisherigen Ausschüttungen der Dax-Konzerne, andererseits bleiben die Sorgen vor schnell steigenden Zinsen in den USA bestehen. Nach dem jüngsten Auf und Ab im Dax mit einem Verlust von rund 1000 Punkten in den letzten vier Wochen bleiben die Anleger skeptisch.

Der deutsche Leitindex zeigte sich am Freitag ähnlich richtungslos wie an den vergangenen Tagen. Der Dax schloss 0,18 Prozent höher bei 12 483,79 Punkten. Auf Wochensicht gelang ein Plus von 0,26 Prozent.

Die Bilanzsaison neigt sich allmählich dem Ende zu, und auch wichtige geldpolitische Entscheidungen stehen in der kommenden Woche nicht auf der Agenda. Die Aktienmärkte dürften sich daher eher seitwärts bewegen, sagt Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader.

Hauptgesprächsthema bei Börsianern dürfte die Furcht vor steigenden Zinsen bleiben. Diese war ein Grund für den Kurseinbruch an den weltweiten Börsen in der ersten Februarhälfte. Investoren sorgen sich, dass die Leitzinsen in den USA schneller steigen als bisher angenommen. Denn die weltweit größte Volkswirtschaft brummt, die Arbeitslosigkeit ist so niedrig wie lange nicht, und die Stundenlöhne sind zuletzt unerwartet stark gestiegen. "Die Rahmenbedingungen sprechen dafür, dass die US-Notenbank die Zinsen in diesem Jahr graduell erhöhen wird", sagt Volkswirt Carsten Klude von der Privatbank MM Warburg. Mit mehr als den bisher in Aussicht gestellten drei Zinsanhebungen sei aber nicht zu rechnen.

Neuer Fed-Chef muss das Undenkbare schaffen

Mit Spannung wird daher der Auftritt des neuen Fed-Chefs Jerome Powell am Mittwoch im Kongress erwartet. Hier könnte er eine erste Duftmarke setzen, welchen Kurs die Notenbank unter seiner Führung verfolgt.

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Auch Marktanalyst Jochen Stanzl vom Brokerhaus CMC Markets geht davon aus, dass die US-Währungshüter ihre Geldpolitik sanft straffen werden. Niemand wolle noch mehr Öl ins Feuer kippen. Zentralbanken hätten allerdings einen Drahtseilakt vor sich. "Sie müssen das Undenkbare schaffen: Dem Markt das Ende der Medikamente verkaufen, ohne dass die Entzugserscheinungen allzu großen Schaden anrichten."

Für die Euro-Zone halten Fachleute die Zinsängste ohnehin für übertrieben. Dies dürften die am kommenden Mittwoch anstehenden Verbraucherpreis-Daten für Februar einmal mehr deutlich machen, erläutern die Volkswirte der Commerzbank. Sie erwarten einen Rückgang der Inflationsrate im Währungsraum auf 1,1 Prozent. Bereits am Dienstag werden die Verbraucherpreise für Deutschland veröffentlicht.

Auf der anderen Seite des Atlantiks erhalten Investoren am Dienstag Einblick in die Auftragslage der US-Unternehmen. Zudem stehen aktuelle Daten zum Konsum, den privaten Einkommen sowie den Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe auf dem Plan.

Schicksalstag 4. März

Die Bilanzwelle im Ausland neigt sich in der neuen Woche dem Ende zu, in Deutschland legen noch ein paar Konzerne ihre Zahlen offen. Fresenius, Fresenius Medical Care und BASF präsentieren ihre Zahlenwerke am Dienstag. Bayer, Salzgitter und die Aareal Bank folgen am Mittwoch. Am Donnerstag berichten unter anderem Beiersdorf, Rheinmetall und Zalando über ihre Ergebnisse.

Spannend könnte es in der neuen Handelswoche auch an der politischen Front werden. In Großbritannien, Italien und Deutschland stehen wichtige Entscheidungen an. So will die britische Premierministerin Theresa May das weitere Vorgehen ihres Landes beim Austritt aus der Europäischen Union (EU) erläutern. "Die Zeit für eine Lösung wird allmählich knapp", konstatiert Commerzbank-Volkswirt Peter Dixon. "Das Risiko eines harten Brexit ohne eine Einigung ist gestiegen."

Bauchschmerzen bereitet Investoren auch die Parlamentswahl in Italien am 4. März. Experten erwarten, dass die Euro-skeptischen Parteien Erfolge erzielen und langwierige Koalitionsverhandlungen die Folge sind.

Ebenfalls am 4. März will die SPD-Führung das Ergebnis der Mitglieder-Abstimmung zum Koalitionsvertrag mit CDU und CSU vorlegen. Den Dax könnte eine Ablehnung aus der Ruhe bringen, jedoch würde er sich binnen weniger Stunden wieder berappeln, prognostiziert Folker Hellmeyer, Chef-Analyst des Vermögensverwalters Solvecon-Invest. "Die Bildung einer Minderheitsregierung oder Neuwahlen würden zwar für Verunsicherung sorgen, auf die wirtschaftliche Stabilität Deutschlands hätte das aber keine Auswirkungen."

Quelle: n-tv.de