Wirtschaft
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Freitag, 13. Juli 2018

Wall Street legt moderat zu: Dow Jones klettert wieder über 25.000

Die US-Aktienmärkte können die gute Entwicklung der vergangenen Tage - wenn auch mit weniger Schwung - fortsetzen. Der Dow-Jones-Index erobert nach einem Monat die 25.000-Punkte-Marke zurück.

Die US-Aktienmärkte haben nach ihrer jüngst überwiegend guten Kursentwicklung nochmals moderat zugelegt. Weder die wenigen, überwiegend negativ aufgenommenen Unternehmensnachrichten noch der weiter schwelende Handelskonflikt konnten sie ganz ausbremsen. Von Konjunkturdaten gingen erneut keine Impulse aus.

Der Dow Jones Industrial schloss 0,38 Prozent höher bei 25.019,41 Punkten und schaffte es damit erstmals seit Mitte Juni wieder über die viel beachtete, runde Marke. Auf Wochensicht verbuchte der New Yorker Leitindex damit ein klares Plus von 2,3 Prozent. Der marktbreite S&P 500 schaffte am Freitag einen Kursanstieg von 0,11 Prozent auf 2801,31 Punkte.

Für den technologielastigen Auswahlindex Nasdaq 100 ging es nach einer erneuten Bestmarke bei 7387,74 Punkten letztlich um 0,13 Prozent auf 7375,82 Punkte nach oben. Ihm halfen die Rekordstände einiger Schwergewichte wie der Google-Mutter Alphabet, des Internethändlers Amazon, des Softwareriesen Microsoft und des Online-Netzwerks Facebook.

Wenig Unterstützung kam von der Konjunkturseite: Die US-Verbraucherstimmung hatte sich deutlicher als erwartet eingetrübt. Dagegen stieg aber der Subindex der Erwartungen leicht, während die Inflationserwartungen sanken. Letzteres deckte sich mit den Importpreisen. Denn der Inflationsdruck von der Importseite hat in den USA im Juni wegen gesunkener Öleinfuhrpreise abgenommen, während Volkswirte eine Stagnation auf Monatssicht prognostiziert hatten.

Finanzsektor im Fokus

Das Hauptaugenmerk ruhte eindeutig auf den Geschäftszahlen im Finanzsektor. Diese fielen teilweise schwächer als vom Markt erwartet aus. Am ehesten überzeugen konnte JP Morgan. Die Großbank hatte den Gewinn im zweiten Quartal kräftig gesteigert und die Markterwartungen übertroffen - dank einer guten Konjunktur, vor allem im Inland, steigenden Zinsen und niedrigeren Steuern. Allerdings lagen die Bereiche Privatkunden und Finanzierungen leicht unter den Erwartungen. Der Kurs zeigte sich hoch volatil und gab letztlich um 0,5 Prozent nach.

Citigroup fielen nach Bekanntgabe der Zweitquartalszahlen um 2,2 Prozent. Der Gewinn war zwar über der Schätzung ausgefallen. Die Einnahmen stiegen allerdings einen Tick schwächer als vorausgesagt. Außerdem gehe die Gewinnentwicklung ganz entscheidend auf die Steuerquote zurück, monierte ein Händler. Wenig Positives wussten Händler über den Geschäftsausweis von Wells Fargo zu berichten, für die Titel ging es um 1,2 Prozent nach unten. Die Bank hatte im zweiten Quartal unerwartet wenig verdient. Der Bankensektor zählte mit einem Abschlag von 1,0 Prozent zu den Branchenschlusslichtern. 

Cisco droht Konkurrenz durch Amazon

Im Technologiesektor stürzten Cisco Systems um 4,1 Prozent ab. Laut einem Bericht prüft Amazon eigene Netzwerkverbindungen für Geschäftskunden. In der Folge verloren Arista Networks 4,3 Prozent, auch andere Sektorwerte verbuchten Verluste. Gesucht waren Wehrtechniktitel, nachdem US-Präsident Donald Trump auf dem Nato-Gipfel die Alliierten zu mehr Rüstungsanstrengungen aufgefordert hatte. Lockheed Martin legten um 1,6 Prozent zu.

AT&T verloren 1,7 Prozent. Das US-Justizministerium hatte Berufung gegen die Übernahme von Time Warner durch AT&T eingelegt. Für Johnson & Johnson ging es 1,4 Prozent abwärts, nachdem ein Gericht den Konsumgüterkonzern wegen einem mutmaßlich krebserregenden Babypuder zu einer Strafzahlung von 4,69 Milliarden Dollar verurteilt hatte. Advaxis sprangen um 9,8 Prozent nach oben. Die Gesundheitsbehörde FDA erlaubte dem Pharmaunternehmen die Wiederaufnahme von klinischen Studien zu einem wichtigen Medikament.

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Die Ölpreise zeigten sich volatil. Nach zwischenzeitlichen Abgaben ging nach oben - WTI wurde wieder über der Marke von 70 Dollar gehandelt. Händler tun sich aktuell schwer, die Nachrichtenlage einzupreisen. Trotz einem steigenden Angebot aus Libyen kämpfen einige Förderländer weiterhin mit Lieferschwierigkeiten. Der Preis für ein Barrel US-Leichtöl der Sorte WTI gewann 1,0 Prozent auf 71,01 Dollar, Nordseeöl der Sorte Brent verteuerte sich um 1,2 Prozent auf 75,33 Dollar. Damit reduzierte sich der Wochenverlust auf 3,8 Prozent.

Dollar auf Hoch gegenüber Yen

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Der Dollar bewegte sich kaum, der ICE-Dollarindex zeigte sich knapp im Plus nach vier Tagen der Stärke. Zum Yen kletterte der Greenback erneut auf den höchsten Stand seit sechs Monaten, um dann zurückzukommen. Stützend wirkten weiter die starke US-Konjunktur und die Hoffnung auf eine mögliche Entspannung im Handelsstreit. ING-Analyst Viraj Patel hielt es für möglich, dass die Liebe der Anleger zum Dollar abrupt endet. Anleger hätten bislang die relativ schwachen Verbraucherpreisdaten ignoriert und auch verdrängt, dass die USA letztlich nicht immun gegen die Folgen eines weltweiten Handelsstreits seien, meinte er. Der Euro bewegte sich auf Tagessicht kaum. Das Pfund erholte sich von seinem "Trump-Rücksetzer". Der US-Präsident hatte vor einem weichen "Brexit" gewarnt, ein solcher zerstöre jedes potenzielle Handelsabkommen zwischen den USA und Großbritannien.

Der Goldpreis gab einen Teil der Vortagesgewinne wieder ab und verlor im späten Handel 0,5 Prozent auf 1.242 Dollar. Das Settlement war das tiefste seit fast einem Jahr, auf Wochensicht verbilligte sich das Edelmetall um 1,2 Prozent. Gold sei im Handelsstreit als sicherer Anlagehafen derzeit nicht gefragt, sondern leide vielmehr unter dem übergeordnet festen Dollar, hieß es. Sollte die Marke von 1.240 Dollar nachhaltig unterschritten werden, drohe ein Rückfall bis auf 1.200 Dollar, so Analysten.

Quelle: n-tv.de