So stark wie zuletzt 2011Euro lugt über die Schwelle

Die Aussicht auf eine weiterhin ungedrosselte Geldflut aus den USA schiebt den Euro erstmals seit fast zwei Jahren wieder über die Marke von 1,38 Dollar. Warnende Stimmen werden laut: "Sehr viel höher wird der Euro nicht steigen."
Der Höhenflug des Euro setzt sich fort: Erstmals seit November 2011 stieg die Gemeinschaftswährung über die Marke von 1,38 US-Dollar. Selbst schwache Konjunkturdaten konnten den Aufwärtstrend nicht stoppen. In der Spitze kostete ein Euro 1,3825 Dollar, am späten Nachmittag waren es noch etwas mehr als 1,38 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs gegen Mittag auf 1,3805 (Mittwoch: 1,3752) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7244 (0,7272) Euro.
Der Euro gewinnt schon seit Wochen stetig an Wert, nicht nur zum amerikanischen Dollar. Auch zu anderen Währungen wie dem japanischen Yen oder dem britischen Pfund zeigt der Trend nach oben. Beobachter nennen dafür zwei Hauptgründe: Zum einen nimmt das Vertrauen der Investoren in den Euroraum wieder zu, weil sich die Konjunktur stabilisiert und angeschlagene Länder wie Spanien Fortschritte in der Krisenbewältigung vorweisen können. Zum anderen sorgt die Geldpolitik anderer großer Notenbanken, die mitunter noch lockerer als die der EZB ist, für Abwertungsdruck bei den jeweiligen Währungen.
Schwache Daten aus der Eurozone
Schwache Konjunkturdaten scheinen in diesem Umfeld eine untergeordnete Rolle zu spielen. So gab der stark beachtete Einkaufsmanagerindex, eine Umfrage unter europäischen Unternehmensentscheidern, am Donnerstag erstmals seit gut einem halben Jahr nach. Der Euro wurde davon aber nur kurzzeitig belastet. Auch Bankvolkswirte wollten die Stimmungseintrübung nicht überbewerten, weil der Indikator immer noch Wirtschaftswachstum signalisiert. Auf einen starken Konjunkturaufschwung deutet die Umfrage indes nicht hin.
"Der Dollar leidet unter der Aussicht auf eine Verschiebung des Einstiegs in den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik", fasste Vassili Serebriakov, Währungsstratege bei der BNP Paribas in New York, seine Eindrücke zusammen. Commerzbank-Analystin Antje Praefcke vermutet unterdessen, dass der Euro-Anstieg bald zum Stillstand kommen wird. "Sehr viel höher wird der Euro nicht steigen."
Restrisiko in Europa
Praefcke verwies auf die weiterhin nicht überzeugende Konjunkturentwicklung in der Eurozone. "Europa ist aus dem Gröbsten noch nicht heraus", erklärte sie. So lässt die Herbstbelebung in dem Währungsraum einer Umfrage des Markit-Instituts zufolge auf sich warten. Der entsprechende Einkaufsmanagerindex war im Oktober überraschend leicht gefallen.
Börsianer sehen in der Kursentwicklung der letzten Tage denn auch eher ein Signal der Dollar-Schwäche. Der Wochenbericht vom US-Arbeitsmarkt signalisierte wie schon die September-Daten, dass der Stellenmarkt in den USA noch nicht wieder rund läuft. Die Fed hat aber eine Drosselung der Notenbankpresse von einer Verbesserung der Lage am Arbeitsmarkt abhängig gemacht.
Am Rentenmarkt gaben die Kurse für die US-Staatsanleihen und Bundesanleihen am Donnerstag etwas nach. Entsprechend zogen die Renditen leicht an. Am Mittwoch waren die Renditen der zehnjährigen US-Treasuries auf ein Drei-Monats-Tief von 2,37 Prozent gerutscht. Noch Anfang September hatten sie bei rund drei Prozent gelegen.
Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,85370 (0,85160) britische Pfund, 134,32 (133,95) japanische Yen und 1,2303 (1,2307) Schweizer Franken fest. Die Feinunze Gold wurde am Nachmittag in London mit 1344,75 (1331,25) Dollar gefixt. Ein Kilogramm Gold kostete 30.640,00 (30.620,00) Euro.
Zuletzt war der Euro am 9. November 2011 über 1,40 Dollar gehandelt worden. Im asiatischen Handel war der Euro in der Nacht noch mit 1,3774 Dollar gehandelt worden. Die EZB hatte den Referenzkurs am Vortag auf 1,3752 (Dienstag: 1,3674) Dollar festgesetzt.