Wirtschaft
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Mittwoch, 02. Mai 2018

Euro fällt fast auf Jahrestief: Fed-Ausblick drückt Wall-Street-Kurse

Die US-Notenbank fasst den Leitzins zwar zunächst nicht an. Die Währungshüter geben aber einen falkenhaften Ausblick, der für schlechte Stimmung am Aktienmarkt sorgt. Ein Licktblick ist Apple.

Die Börsianer an der Wall Street haben sich nach einem zunächst ziellosen Handel für Verkäufe entschieden. Der Höhepunkt des Tages war die Zinsentscheidung der US-Notenbank, die für einige nervöse Bewegungen sorgte. Letztlich lastete aber eine falkenhafte Komponente, denn die Währungshüter sehen nun neuerdings die Inflation mittelfristig nahe bei dem Ziel von 2 Prozent. Bislang hatte die zurückgebliebene Teuerung der Fed ihr Handwerk einer geldpolitischen Straffung erschwert.

Der Dow-Jones-Index sank um 0,7 Prozent auf 23.925 Punkte. Der S&P-500 verlor 0,7 Prozent, der Nasdaq-Composite gab um 0,4 Prozent ab.

Zweites Hauptthema waren die Quartalszahlen von Apple, die am Dienstag nach Börsenschluss veröffentlicht worden waren und die positiv überrascht hatten. Die Apple-Aktie legte um 4,5 Prozent zu und sorgte für eine relative Stärke des Technologiesektors.

Noch vor der Startglocke wurde der ADP-Arbeitsmarktbericht veröffentlicht. Demnach wurden im privaten Sektor in den USA im April mehr Stellen geschaffen als erwartet. Allerdings herrscht in den USA ohnehin praktisch schon Vollbeschäftigung. Der Bericht gilt als Indikator für die offiziellen monatlichen Arbeitsmarktdaten der US-Regierung, die für Freitag angekündigt sind.  Quartalszahlen mit Licht und Schatten

Diebold Nixdorf brechen ein

Daneben ging die Bilanzsaison in eine neue Runde mit Geschäftszahlen zahlreicher Unternehmen, darunter Humana, Clorox, Estee Lauder, CVS, Yum Brands, Molson Coors, Mastercard, Kraft Heinz und Tesla. Die Humana-Zahlen kamen nicht gut an, obwohl der Krankenversicherer überraschend gut abgeschnitten und den Ausblick erhöht hat. Die Aktie gab um 2,6 Prozent nach. Sie hat allerdings in diesem Jahr bereits knapp 20 Prozent zugelegt. Die Aktien des Wettbewerbers CVS Health Corp verloren 3 Prozent. Die Clorox-Aktie fiel in Reaktion auf die Zahlen des Herstellers von Reinigungsmitteln um 0,7 Prozent.

Die Kreditkartengesellschaft Mastercard hat mit Umsatz und Ergebnis die Erwartungen übertroffen. Die Aktie stieg um 3 Prozent auf ein Rekordhoch. Nach einer Gewinnwarnung brachen Diebold Nixdorf um gut 16 Prozent ein.

Euro fällt unter 1,20 Dollar

Am Dienstagabend hat neben Apple unter anderem die US-Tochter der Deutschen Telekom, T-Mobile US, Geschäftszahlen vorgelegt. T-Mobile will mit dem Wettbewerber Sprint des japanischen Softbank-Konzerns zusammengehen, wie unlängst mitgeteilt wurde. Die Zahlen kamen zunächst gut an, doch drehte die Aktie bald nach unten ab und fiel schließlich um 4 Prozent. Möglicherweise lasteten die Unsicherheiten rund um die geplante Fusion mit Sprint.  Dollar rückt weiter vor

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Am Devisenmarkt kam es zu einer lebhaften Volatilität. Am Nachmittag europäischer Zeit fiel der Euro deutlicher unter die 1,20er Marke und setzte so seinen jüngsten Schwächekurs fort. Der Dollar ist seit längerem Profiteur der straffen US-Geldpolitik, die sich im Gegensatz zu der der meisten großen Notenbanken befindet. Mit der Fed-Entscheidung geriet der Dollar denn auch nur vorübergehend unter Druck. Letztlich blieb die US-Devise Sieger in dem Gefecht, wohl nicht zuletzt, weil die Fed mit ihren Aussagen zur Teuerung den Boden bereitet hatte. Der Euro sackte auf 1,1938 Dollar ab, den Tiefsten Stand seit Januar. Damit rückt das Jahrestief bei 1,1916 in den Blick.

Sorge um Atomdeal stützt Öl-Preis

Die Rohstoffpreise bewegten sich überwiegend spiegelbildlich zum Dollar. Ein Thema am Ölmarkt war zudem nach wie vor ein möglicher Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit Iran. In diesem Fall dürften neue Sanktionen gegen Teheran zur Folge haben, dass weniger iranisches Öl auf den Markt kommt.

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Daneben stützten auch Meldungen, dass der Internationale Währungsfonds Venezuela beschuldigt hat, keine adäquaten Wirtschaftsdaten geliefert zu haben. "Das ist ein weiterer Sargnagel für die venezolanische Ölindustrie", sagte Marktanalyst Phil Flynn von Price Futures Group. Dagegen gaben die wöchentlichen Daten zu den Lagerbeständen der USA dem Markt einen zwischenzeitlichen Dämpfer, denn sie haben bei Rohöl einen deutlichen Aufbau ausgewiesen. Zum Settlement stieg der Preis für die US-Sorte WTI dann um 1 Prozent auf 67,93 Dollar je Fass, später belief sich das Plus auf 0,6 Prozent. Brentöl stieg um 0,3 Prozent auf 73,38 Dollar.

Gold erholte sich kaum von dem Rücksetzer, den das Edelmetall im Zuge der Dollar-Aufwertung am Dienstag verzeichnet hatte. Der Preis stieg um einen halben Dollar auf gut 1.304 je Feinunze.

Quelle: n-tv.de