Marktberichte

Umstrittene Anleihenkäufe Euro zieht den Kopf ein

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(Foto: picture alliance / dpa)

Wie geht die Europäische Zentralbank mit der neuen Stärke des Euro um? EZB-Chef Draghi deutet energische Maßnahmen an. Im Handel mit Währungen reagieren Anleger mit Verkäufen.

Der Kurs des Euro ist zu Wochenbeginn deutlich gefallen. Die Aussicht auf eine möglicherweise zusätzlich gelockerte Geldpolitik in der Eurozone habe den Kurs der Gemeinschaftswährung unter Druck gesetzt, erklärten Experten.

Der Euro notiert am späten Nachmittag bei 1,3816 US-Dollar. Vor dem Wochenende hatte der Euro noch knapp unter der Marke von 1,39 Dollar notiert. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs zu Wochenbeginn auf 1,3827 (Freitag: 1,3872) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7232 (0,7209) Euro.

"Vor allem die Warnungen vor einem steigenden Euro-Wechselkurs durch EZB-Vertreter haben belastet", sagte Johannes Jander, Devisenexperte von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Ein anhaltender Kursanstieg würde eine weitere geldpolitische Lockerung erfordern, hatte EZB-Präsident Mario Draghi am Wochenende am Rand einer Tagung in Washington gesagt.

Breit angelegte Anleihekäufe zur Schwächung des Euro sind so laut Jander wahrscheinlicher geworden. Ein weiterer Anstieg des Euro würde die schon sehr niedrige Inflationsrate weiter drücken und zudem auch die Konjunktur belasten. Anleihekäufe sind aber sehr umstritten. Jander erwartet daher, dass Draghi zunächst weiter durch verbale Aussagen versuchen wird, den Euro zu schwächen.

Ukraine-Krise belastet

"Die Krise in der Ukraine hat zudem die Unsicherheit erhöht und auf den Euro gedrückt", sagte Jander. Trotz eines angedrohten Anti-Terror-Einsatzes haben prorussische Separatisten in der Ostukraine ein Ultimatum der Regierung in Kiew verstreichen lassen. Der Dollar profitierte zudem von besser als erwartet ausgefallenen Einzelhandelsumsätze in den USA. Die Einzelhandelsumsätze waren im März so stark gestiegen wie seit September 2012 nicht mehr.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,82740 (0,82910) britische Pfund, 140,87 (140,69) japanische Yen und 1,2154 (1,2161) Schweizer Franken fest. Die Feinunze Gold wurde am Nachmittag in London mit 1325,75 (1318,00) Dollar gefixt. Ein Kilogramm Gold  kostete 30.290,00 (30.000,00) Euro.

Frische Konjunkturdaten zeichnen unterdessen ein Bild wiedererwachender Wirtschaftskraft: In der Eurozone hat die Industrie ihre Produktion im Februar leicht ausgeweitet. Die Industrieproduktion zog wie von Experten erwartet um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vormonat an, wie die Statistikbehörde Eurostat mitteilte.

Im Januar hatte die Produktion noch stagniert, nachdem sie im Dezember sogar um 0,3 Prozent gefallen war. Die Steigerung ist vor allem der anziehenden Nachfrage nach Vorleistungsgütern wie Chemikalien zu verdanken. Deren Erzeugung legte um 0,6 Prozent zu. Dagegen fiel die Energieproduktion wegen des milden Winters mit 1,7 Prozent besonders stark. Die Chancen für eine Fortsetzung des leichten Aufwärtstrends stehen gut. Nach einer Umfrage des Markit-Instituts unter Tausenden Industrieunternehmen wuchsen die Geschäfte auch im März spürbar.

Frankreich will Schulden abbauen

Signale aus Paris deuten zudem eine politische Stabilisierung an der Front der stark verschuldeten Staatshaushalte an: Die französische Regierung will die EU-Defizitvorgaben im nächsten Jahr wieder einhalten.

"Das Ziel für Frankreich ist der Schuldenabbau", sagte Finanzminister Michel Sapin dem Radiosender "France 1". "Deshalb muss das Defizit 2015 3 Prozent betragen, nicht mehr." Auf dieser Basis werde der Haushalt für das kommende Jahr geplant.

Zuletzt hatten Äußerungen Sapins Spekulationen geschürt, dass Frankreich die EU-Kommission erneut um mehr Zeit zur Haushaltssanierung bitten könnte. Mit einer Eingrenzung des Defizits kann Frankreich allerdings zunächst zu die Aufnahme neuer Schulden eindämmen. Für einen echten Schuldenabbau wäre eine Budgetplanung erforderlich, in der die Einnahmen zum Beispiel aus Steuerquellen die Ausgaben übersteigen.

Die Kommission und die Euro-Finanzminister fordern von der Regierung in Paris, die in den EU-Verträgen erlaubte Höchstgrenze für die Neuverschuldung von 3 Prozent der Wirtschaftsleistung im kommenden Jahr einzuhalten. Viele Ökonomen zweifeln allerdings angesichts der lahmen Konjunktur, dass das gelingen wird. 2013 hatte das Defizit noch bei 4,3 Prozent gelegen. Die Kommission hat Frankreich bereits zwei Jahr mehr für das Erreichen des Defizitziels gegeben.

Quelle: ntv.de, mmo/wne/dpa/rts