Nährt die "Hausse die Hausse"?Dax schwerfällig erwartet

Knapp unter Rekordhoch steht dem deutschen Leitindex ein Tag unter erschwerten Bedingungen bevor: Die Vorgaben aus Asien sind schwach, New York strahlt noch feiertagsbedingte Ruhe aus. Bereits am Vortag ging es nur "scheibchenweise nach oben".
Der deutsche Aktienmarkt dürfte sich zum Start in den letzten Handelstag der Woche nach Einschätzung von Börsianern wohl nur geringfügig bewegen. Bei Lang & Schwarz sehen Experten den Dax zum Auftakt bei 9389 Punkten, was einer prozentual unveränderten Eröffnung entspricht.
Marktexperten erwarteten alles in allem einen umsatzarmen Handel, da Impulse aus den USA fehlten. An der New Yorker Wall Street blieben die Börsen am Donnerstag wegen des Erntedankfestes geschlossen geblieben. Am Freitag wird dort nur für wenige Stunden mit verkürzten Börsenzeiten gehandelt.
Auch die Vorgaben aus Asien geben wenig neue Anhaltspunkte her: In Tokio drückten Gewinnmitnahmen die Börse. Der Leitindex Nikkei gab 0,4 Prozent nach. Der Shanghai-Composite in China notiert nahezu verändert. In Frankfurt hatte der Dax am Vorabend mit 9387,37 Zählern einen neuen Schlussrekord verbucht.
Im nachbörslichen Handel mit deutschen Aktien sprach ein Händler von Lang & Schwarz von einem "äußerst ruhigen Geschäft" mit geringen Aktivitäten und ohne größere Bewegungen. "Bis 20.00 Uhr gab es noch Umsätze, doch seitdem erlahmt das Geschäft", sagte der Marktteilnehmer. Es fehlten die Impulse aus den USA, weil dort wegen des Feiertages Thanksgiving nicht gehandelt werde.
Leicht auffällig zeigten sich demnach die Aktien von Conergy, die 16 Prozent höher getaxt wurden. Allerdings ist die Aktie seit der Insolvenz der Gesellschaft ein "Pennystock", so dass größere Kursbewegungen in beide Richtungen nichts Außergewöhnliches sind. Der Insolvenzverwalter des Photovoltaikunternehmens hat einen Käufer für das Solarmodulwerk in Frankfurt an der Oder gefunden. Der chinesische Modulhersteller Astronergy werde die Conergy SolarModule GmbH & Co. KG übernehmen, teilte das Unternehmen mit.
Insgesamt konnte der Markt im späten Handel keine geschlossene Richtung finden. Der L-Dax schloss bei 9373,39 Punkten, nachdem der deutsche Leitindex Dax im Kernhandel um 0,39 Prozent auf 9387,37 Punkte gestiegen war. Der L-MDax beendete den Tag bei 16.266,39 Punkten. Auf Xetra hatte der Index der mittelgroßen Werte um 0,22 Prozent auf 16.281,29 Punkte zugelegt. Beim L-TecDax standen am Ende 1151,65 Punkte zu Buche. Im Hauptgeschäft war der Technologiewerte-Index um 0,14 Prozent auf 1151,53 Punkte vorgerückt.
Mit dem neuen Rekordstand von 9399,63 Punkten hatte der Dax im Verlauf des Donnerstagshandels die 9400er Marke nur hauchdünn verfehlt. Die Umsätze blieben aufgrund des "Thanksgiving"-Feiertags in den USA niedrig, am Nachmittag schien das Geschäft weiter einzuschlafen, die Ausschläge fielen nur noch geringer aus. "Es kommt einfach kein Material raus, daher geht es scheibchenweise nach oben", so ein Marktteilnehmer. Als Käufer seien hauptsächlich Fonds auszumachen, die Richtung Jahresende in kleinen Portionen kauften.
Daneben rücke bereits der große Verfalltag an den Terminbörsen im Dezember in den Fokus, hieß es. "Mit jedem Tick nach oben werden die Basispreise für die Index-Optionen überrannt", meinte ein Händler. Dies zwinge dann wiederum Anleger zu terminmarktorientierten Käufen. Dies sei der klassische Fall von "die Hausse nährt die Hausse". Der Dax könne damit noch mindestens bis 9700 Punkte laufen.
Für diese These spricht, dass die über weite Strecken des bisherigen Jahres favorisierte zweite Reihe seit einigen Tagen vernachlässigt wird.