Marktberichte

Angst vor Flaute im Reich der Mitte Nikkei trotzt den China-Sorgen

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(Foto: REUTERS)

Der japanische Leitindex steigt und steigt - auch gegen den Trend: Während sich Asiens Aktienmärkte um das schwache Wachstum in China sorgen, frohlocken die Nikkei-Anleger. Denn eine mögliche Neuwahl könnte Japans Konzernen Milliardengewinne bescheren.

Sorgen um die Konjunkturentwicklung in China haben die asiatischen Aktienmärkte am Freitag belastet. Gegen den Trend legte allerdings die japanische Börse zu. Sie verbuchte den vierten Tag in Folge Gewinne, getrieben von Spekulationen über eine baldige Ausrufung von Neuwahlen und möglicherweise eine damit einhergehende Verschiebung der Mehrwertsteuer-Erhöhung. Händler warnten aber, dass der Markt auch in Tokio bald nach unten tendieren könnte. "Das Tempo des Anstiegs ist zu schnell – das kann jederzeit zu Gewinnmitnahmen führen", sagte Takatoshi Itoshima von Commons Asset Management.

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Der Leitindex Nikkei schloss knapp 0,6 Prozent fester bei 17.491 Punkten. Der Index für die asiatischen Märkte außerhalb Japans verlor dagegen 0,3 Prozent, ausschlaggebend waren hier Wirtschaftsdaten aus China, wonach die Industrie-Produktion in der Volksrepublik mit einem Plus von 7,7 Prozent im Oktober langsamer als erwartet stieg.

Ausschlaggebend dafür, wie es mit Japans Börsen weitergeht, dürften die mit Spannung erwarteten BIP-Daten aus Japan am Montag sein. Die Zahlen dürften entscheidend dafür sein, ob die Regierung unter Ministerpräsident Shinzo Abe tatsächlich die für Oktober 2015 geplante zweite Mehrwertsteuererhöhung verschiebt. Spekulationen darüber hatten dem Aktienmarkt in Tokio zuletzt Auftrieb verliehen.

Am Donnerstag hatte Abes Wirtschaftsberater Etsuro Honda eine Verschiebung angesichts der Konjunkturschwäche als unvermeidlich bezeichnet und eine Verschiebung um 18 Monate in den Raum gestellt, sollte das Wachstum im dritten Quartal des Jahres nicht mindestens 3,8 Prozent betragen. Ministerpräsident Abe hatte angedeutet, sich die Zustimmung zur Verschiebung der Steuererhöhung im Zuge einer vorgezogenen Unterhauswahl holen zu wollen.

Bei den Einzelwerten ging es in Tokio für den Hausbauer Sekisui House um 4,4 Prozent nach oben - nach einer Erhöhung des Gewinnausblicks. Sumitomo Mitsui Financial Group gaben um 2,6 Prozent nach, was im Handel mit Enttäuschung über das Ausmaß der von der Bank mitgeteilten Dividendenerhöhung erklärt wird.

Chinas Börsen-Kooperation bereits eingepreist

An den chinesischen Börsen war weiter die am Montag startende gegenseitige Öffnung der Börsen in Schanghai und Hongkong das bestimmende Thema. Das Minus an der Börse in Schanghai erklären Händler vor allem mit Verlusten bei Brokeraktien, die im Vorfeld deutlich nach oben gelaufen sind. Im unmittelbaren Vorfeld wiesen die Kurse von Aktien, die sowohl in Hongkong als auch in Schanghai gelistet seien, in Schanghai nur noch einen durchschnittlichen Aufschlag von 0,7 Prozent auf, heißt es. "Viele der offenkundigen Vorteile sind schon vorweggenommen worden", kommentiert Aktienexperte Joshua Crabb von Old Mutual Global Investors die zusammengsschmolzene Bewertungslücke zwischen sogenannten A- und H-Aktien.

Bremsend wirke in Schanghai auch, dass allein am Freitag elf Unternehmen ihre Prospekte für einen Börsengang vorgelegt hätten mit einem Gesamtemissionsvolumen von 8,2 Milliarden Yuan. Immer wenn eine solche Flut an Börsengängen anstehe, seien am Markt Gewinnmitnahmen zu beobachten, kommentiert Analyst Zhou Lin von Huatai Securities. Einige Anleger machen dann Platz in ihren Depots für mögliche Käufe der neu an die Börse kommenden Aktien.

In Südkorea belastete erneut der schwache Won die Stimmung. Der Kospi gab um 0,8 Prozent nach, für einen Dollar waren erstmals seit 14 Monaten wieder mehr als 1.100 Won fällig. Zu den Verlierern gehörten in der ganzen Region Aktien von Unternehmen aus der Ölbranche angesichts des ungebremsten Verfalls der Ölpreise auf neue Mehrjahrestiefs.

Quelle: ntv.de, kst/DJ

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