Marktberichte

Goldpreis zeigt US-Inflation an Wall Street erholt sich leicht von Absturz

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Nach dem Absturz am Donnerstag erholten sich die Kurse am Freitag.

(Foto: REUTERS)

Zum Wochenabschluss kehrt etwas Ruhe an der Wall Street ein - nach dem Einbruch am Vortag beruhigt das viele Anleger. Der Dow Jones steigt leicht, kann die Verluste der vergangenen Tage aber nicht ausgleichen. Die Boeing-Aktie rehabilitiert sich ebenfalls.

Die Wall Street hat sich ein wenig von dem panikartigen Kursrutsch am Vortag erholt. Die wichtigsten Aktienindizes schlossen nach einem nervösen Handelsverlauf teils deutlich im Plus. Letztlich sorgten erfreuliche Konjunkturdaten für Zuversicht: Das von der Universität Michigan erhobene Verbrauchervertrauen war im Juni stärker als erwartet gestiegen.

Der US-Leitindex Dow Jones Industrial stieg um 1,9 Prozent auf 25.605,5 Punkte, verzeichnete aber dennoch einen Wochenverlust von 5,5 Prozent. Denn am Vortag war das Börsenbarometer um knapp 7 Prozent eingebrochen, es war der höchste Absturz seit März. Die Warnungen der US-Notenbank vor einer nur trägen Konjunkturerholung seien ein Weckruf gewesen, hieß es im Handel. Die Chefökonomin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Gita Gopinath, blies indes ins gleiche Horn wie US-Notenbankgouverneur Jerome Powell zuvor. Auch sie sah die Erholung der globalen Konjunktur langsamer als zunächst prognostiziert vonstattengehen.

Doch auch die Optimisten meldeten sich schon wieder zu Wort. Sie verwiesen auf die Unterstützung der Zentralbanken. Die gewaltige Liquiditätsflut der Zentralbanken, aber auch der Regierungen werde früher oder später wenigstens zum Teil den Weg an die Börse finden, hieß es. Gestützt wurde diese Sicht von besser als vorausgesagt gestimmten US-Verbrauchern. Der Dow-Jones-Index kletterte um 1,9 Prozent auf 25.606 Punkte und schloss 360 Zähler unter Tageshoch - auf Wochensicht ein Minus von über 7 Prozent. S&P-500 und Nasdaq-Composite legten um 1,3 bzw. 1,0 Prozent zu. Auf Wochensicht erlitten alle drei Indizes dennoch ihren jeweils größten prozentualen Verlust seit Mitte März, dem Auftakt der Virus-Krise in den USA.

"Es ist normal, dass der Markt am nächsten Tag eine Erholung probiert. Ich fürchte aber, diese ist eine Totgeburt, denn das Sentiment wird von den IWF-Kommentaren weiter eingetrübt", warnte Chefmarktanalyst Naeem Aslam von Avatrade. Die Argumente pro und contra Aktien blieben weitgehend unverändert. Den wirtschaftlichen Schäden durch die Corona-Pandemie und der Sorge vor einer zweiten Infektionswelle standen die Hoffnung auf eine rasche Erholung der Ökonomie und die überschießende Liquidität gegenüber.

Preise für Öl und Gold steigen

Euro / US-Dollar
Euro / US-Dollar 1,18

Am Devisenmarkt bewegte sich der ICE-Dollarindex auf Tagessicht kaum. Etwas gestützt wurde der Greenback dennoch vom überraschend positiven Verbrauchervertrauen. Der Euro fiel auf 1,12 Dollar nach einem Tageshoch bei 1,13 Dollar. Derweil nahmen die Erwartungen an den Euro laut Bank of America zu. Fondsmanager hätten zuletzt mehr Positionen auf einen steigenden Euro aufgebaut. Optimistisch seien sie wegen des geplanten Wiederaufbaufonds und der Entspannung der Peripherie-Spreads, die auch von den Käufen der Europäischen Zentralbank profitierten. Seit Mitte Mai hat der Euro rund 5 Cent gegen den Dollar gutgemacht.

Die Ölpreise stabilisierten sich wie der Aktienmarkt, nachdem auch Erdöl einen dramatischen Preisverfall am Vortag verbucht hatte. Das Fass US-Leichtöl der Sorte WTI verbilligte sich um 0,2 Prozent auf 36,26 Dollar, europäisches Referenzöl der Sorte Brent verteuerte sich um 0,5 Prozent auf 38,73 Dollar. Der WTI-Preis ermäßigte sich gegenüber der Vorwoche um über 8 Prozent. Händler verwiesen auf die erneut gestiegenen Neuinfektionen in etlichen US-Bundesstaaten. Die Sorge vor neuen Stillstandsmaßnahmen verbunden mit dem trüben Konjunkturausblick hätten eine Ölpreiserholung verhindert, hieß es.

Gold in USD
Gold in USD 2.035,16

Gold war trotz gestiegener Risikofreude gesucht. Damit wurde das Gros der jüngsten Aufschläge verteidigt. Das Edelmetall ist auch wegen der expansiven Geldpolitik der Notenbanken gefragt und dient als Inflationsschutz. Dennoch ist die Entwicklung der Importpreise ein Indiz für die US-Inflation. Die Feinunze gewann weitere 0,3 Prozent auf 1732 Dollar im späten Geschäft - auf Wochensicht rund 3 Prozent.

Dagegen standen Rentenpapiere im Schatten des Aktienmarkts, zumal Anleger nach einer zweitägigen Rally Gewinne einstrichen. Die Zehnjahresrendite stieg auch gestützt von der positiven Konsumstimmung mit fallenden Notierungen um 3 Basispunkte auf 0,70 Prozent. Zuvor hatten sich die Renditen vier Tage lang auf Talfahrt befunden.

Boeing-Aktie erholt sich

Boeing
Boeing 145,00

Die Aufschläge im Dow gingen nicht zuletzt auf das Konto von Boeing, die Titel des Flugzeugbauers erholten sich um 11,5 Prozent, nachdem die Aktie am Vortag noch das Schlusslicht im Dow gebildet hatte. Im Tourismus- und Reisesektor erholten sich Norwegian Cruise Line, Carnival und American Airlines um bis zu 18,8 Prozent. Alle drei Papiere zählen zu den schlechtesten des Jahres.

Hertz schnellten um 35,4 Prozent in die Höhe. Der insolvente Autovermieter will über eine Kapitalerhöhung rund eine Milliarde Dollar erlösen und damit von den zuletzt deutlichen gestiegenen Kursen profitieren. Adobe legten um 4,9 Prozent zu. Der Software- und Cloud-Konzern hatte im zweiten Geschäftsquartal mehr verdient als erwartet, weil er davon profitierte, dass viele Beschäftigte wegen der Corona-Pandemie von zu Hause aus arbeiteten.

Die Analysten von Goldman Sachs sind weniger pessimistisch, was den Autoabsatz im laufenden Jahr angeht. Gleichzeitig stuften die Experten die Tesla-Aktie zurück, während sie die Aktie von General Motors auf "Buy" hochstuften. Tesla büßten, zusätzlich belastet von einer Abstufung durch Morgan Stanley, 3,9 Prozent ein, GM zogen um 5,5 Prozent an. Aktien von Johnson Controls stiegen um 2,5 Prozent. Der Gebäudetechnikspezialist will wieder eigene Aktien zurückkaufen.

Quelle: ntv.de, tsi/dpa/DJ