Wirtschaft
(Foto: picture alliance / Justin Lane/E)
Freitag, 22. Juni 2018

Neue Drohungen von Trump: Wall Street schließt uneinheitlich

Der US-Handelsstreit mit China und der EU bleibt das bestimmende Thema an der Wall Street. Der Dow legt zu, Verlierer sind der S&P und der Nasdaq-Composite.

Die Wall Street hat sich mit neuen Drohungen von US-Präsident Donald Trump im Handelskonflikt uneinheitlich gezeigt. Dank einer Ölpreisrally erholte sich der Dow-Jones-Index leicht nach seiner zuletzt acht Tage währenden Durststrecke. Der Handelsstreit der USA mit China und der EU blieb das bestimmende Thema und verhinderte einen tiefgreifenden Stimmungsumschwung. Als Antwort auf die seit diesem Freitag geltenden Gegenzölle der EU  auf US-Importe drohte Trump erneut mit Einfuhrzöllen auf EU-Kraftfahrzeuge und nannte diesmal einen Wert von 20 Prozent.

Der Dow-Jones-Index gewann 0,5 Prozent auf 24.581 Punkte. Auf Wochensicht verbuchte der Dow ein Minus von rund 2 Prozent. Der S&P-500 stieg um 0,2 Prozent und der Nasdaq-Composite verlor dagegen 0,3 Prozent. "Wir sehen eine anhaltende Unsicherheit in Bezug auf den Handel, aber es gibt auch die Erkenntnis, dass die wirtschaftlichen Fundamentaldaten nach wie vor stark sind (...). Die Tatsache, dass die jüngsten Rückgänge im Wesentlichen moderat waren, könnte ein Zeichen dafür sein, dass Investoren nicht glauben, dass wir auf einen vollständigen Handelskrieg zusteuern", sagte Chefanalystin Emily Roland von John Hancock Investments.

Doch teilten nicht alle Marktakteure diese vergleichsweise optimistische Sicht. Denn viele Investoren befürchteten, dass die Handelsstreitigkeiten negative Auswirkungen auf die globale Konjunkturentwicklung haben könnten. Zumal viele Analysten davon ausgehen, dass die USA den konjunkturellen Höhepunkt bereits überschritten haben. Neue Daten schienen diese Annahme zu untermauern: Denn die US-Wirtschaft hat im Juni etwas an Schwung verloren, wenn auch die Dynamik auf einem soliden Niveau blieb. Der von IHS Markit erhobene Sammelindex für die Privatwirtschaft zeigte sich rückläufig, signalisierte aber weiter Wachstum.

Opec beschließt Fördermengenerhöhung

Am Ölmarkt zogen die Preise signifikant an, US-Öl stieg auf ein Vierwochenhoch. Das Erdölkartell Opec soll sich auf eine Steigerung der Erdölförderung um 600.000 Barrel pro Tag geeinigt haben. Saudi-Arabien war mit dem Vorschlag in das Treffen gegangen, dass die Allianz aus Opec-Mitgliedern und großen Ölstaaten außerhalb des Kartells die Förderung um 1 Million Barrel steigern soll. Russland hatte sich sogar für eine Steigerung um 1,5 Millionen Barrel ausgesprochen. Damit blieb die Steigerung der Ölproduktion deutlich hinter den Erwartungen zurück.

Die global gehandelte Ölsorte Brent verteuerte sich daraufhin um 3,4 Prozent auf 75,55 Dollar, US-Leichtöl der Sorte WTI stieg um 4,6 Prozent auf 68,58 Dollar und verbuchte den höchsten Tagessatz seit November 2016. In den USA war zudem die Anzahl der aktiven Förderanlagen auf Wochensicht gesunken.

Der Euro stieg auf den höchsten Stand seit einer Woche und kam mit den Trump-Drohungen temporär etwas zurück. Gestützt wurde die Gemeinschaftswährung von den Einkaufsmanagerindizes der Eurozone, die besser ausgefallen waren als erwartet - zumindest der Sammelindex und der Index der Dienstleister. Der Euro kostete zuletzt 1,1662 Dollar nach 1,1610 Dollar am Vorabend. Im Vortagestief war er lediglich bei 1,1520 Dollar umgegangen. Der ICE-Dollarindex verlor 0,1 Prozent.

Der Goldpreis legte um 0,3 Prozent auf 1.270 Dollar pro Feinunze im späten Geschäft zu und profitierte etwas vom leicht schwächelnden Dollar. Auf Wochensicht büßte das Edelmetall 0,6 Prozent ein. Die wechselseitigen Zölle dürften den Preisanstieg befeuern und stünden daher tendenziell für eine straffere Geldpolitik, hieß es. Am Rentenmarkt tat sich wenig, die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stagnierte bei 2,89 Prozent.

US-Bankenstresstest ohne größere Auswirkungen

Mit der Ölpreisrally zählte der Energiesektor mit einem Aufschlag von 2,2 Prozent zu den klaren Tagesfavoriten. Exxon Mobil zogen um 2,1 Prozent an, Chevron um 2,0 Prozent, Occidental Petroleum um 1,5 Prozent, Halliburton um 2,9 und Marathon Oil gar um 7,8 Prozent. Dass die US-Großbanken den jüngsten Stresstest der US-Notenbank trotz verschärfter Bedingungen sicher bestanden hatten, sorgte für Erleichterung im Sektor - der Bankensektor büßte dennoch 1,1 Prozent ein. Laut Fed bestanden zwei US-Großbanken den Test im Hinblick auf eine ergänzende Richtgröße, die ungewichtete Eigenkapitalquote, aber nur knapp: Goldman Sachs und Morgan Stanley. Deren Aktien zeigten sich mit Abschlägen von 0,4 bzw. 1,8 Prozent.

Blackberry sanken um 8,7 Prozent. Der einstige Smartphone-Pionier, der sich auf Software und Dienstleistungen mit Fokus auf Sicherheit verlegt hatte, war im ersten Quartal bei fallenden Umsätzen in die Verlustzone gerutscht, übertraf mit dem um Sondereffekte bereinigten Ergebnis aber die Erwartung des Marktes.

Red Hat brachen um 14,2 Prozent ein. Die Erstquartalsergebnisse des Software-Herstellers waren zwar besser als gedacht ausgefallen, allerdings enttäuschte der Ausblick. Papiere des Gebrauchtwagenhändlers CarMax kletterten nach Geschäftszahlen über Markterwartung um 12,9 Prozent.

Quelle: n-tv.de