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Für Offenheit,Toleranz und Vielfalt Ein Aufruf an die Start-up-Gemeinde

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Das Fintech Azimo hat die Kampagne #GegenDieAngst gestartet und prangert den Hass in den sozialen Medien an.

Screenshot Azimo

Vielen Ausländern schlägt im Netz eine Welle an Fremdenfeindlichkeit entgegen. Ein Start-up aus London will Hasskommentaren auf Facebook und Co. etwas entgegensetzen und ruft die Kampagne "#GegenDieAngst" ins Leben.

Liebe Start-up-Gemeinde,

wenn ich junge Unternehmen in Deutschland kennenlerne, freue ich mich immer besonders, wenn ich neben den GründerInnen auch das komplette Team treffen kann. Gerade bei Start-ups in Großstädten bedeutet dies meist auch, eine Vielzahl an Menschen aus verschiedensten Kulturkreisen kennenzulernen.

Vom Mobile Marketing Spezialist aus den USA, über den Backendentwickler aus der Ukraine, den Business Intelligence Spezialisten aus Indien bis zum Produktdesigner aus Marokko - ich könnte diese Liste noch eine Weile weiterführen, so vielfältig ist der kulturelle Hintergrund der Mitarbeiter in der Start-up-Branche. 30 Prozent der Mitarbeiter deutscher Start-ups stammen aus dem Ausland, in Berlin sind es laut "Deutscher Startup Monitor 2016" sogar 42 Prozent.

Ich bewege mich seit über zehn Jahren in der Berliner Start-up-Welt und habe in dieser Zeit immer wieder festgestellt, dass es gerade die Offenheit und Toleranz der Stadt ist, die einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil bietet. Das Berliner Lebensgefühl "Jeder soll nach seiner Façon selig werden" schwingt immer mit, wenn Menschen aus aller Welt in diese Metropole ziehen, in der Akzeptanz und eine hohe Lebensqualität auf sie warten. Die Stadt zieht damit Menschen aus der ganzen Welt an und vergrößert den Talentpool, aus dem Start-ups wiederum schöpfen können. Diese Vielfalt erhöht die Wahrscheinlichkeit echter Innovationen und vergrößert damit auch die Erfolgswahrscheinlichkeit junger Firmen.

Hasskommentare bei Facebook, Youtube und Co.

*Datenschutz

Nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch viele der Start-up-Gründer haben selbst einen Migrationshintergrund. Eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt, dass Migranten in den letzten Jahren in Deutschland über 1,4 Millionen Arbeitsplätze geschaffen haben.

"Unternehmer mit ausländischen Wurzeln sind ein Jobmotor für Deutschland", sagt beispielweise Aart De Geus, Chef der Bertelsmann-Stiftung. Das gilt nicht nur in diesem Land. Wenn man den Blick ins Silicon Valley wirft, wird einem beispielsweise schnell die riesige wirtschaftliche Bedeutung von Migration für die US-Wirtschaft deutlich. Eine aktuelle Untersuchung zeigt, dass über die Hälfte aller dortigen Start-ups, die mit über einer Milliarde Dollar bewertet werden, von Migranten gegründet wurden.

Neben den vielen wirtschaftlichen Gründen, die für Offenheit, Toleranz und eine multikulturelle Start-up-Kultur sprechen, ist es auch einfach schöner, spannender und abwechslungsreicher mit Menschen aus aller Welt zusammenzuarbeiten. Mir fallen so viele Dinge ein, die ich von ausländischen Kollegen gelernt habe und die mein Leben bereichert und geprägt haben.

Warum schreibe ich diese Worte heute? Weil ich Angst habe, dass wir in Deutschland dabei sind, diese Offenheit zu verlieren. Ich schaue mit Besorgnis auf den zunehmenden offen ausgelebten Hass gegen Ausländer. Ich schaue mit Besorgnis auf die Hasskommentare bei Facebook, Youtube und Co. Ich schaue mit Besorgnis auf die brennenden Flüchtlingsunterkünfte. Ich schaue mit Besorgnis auf Pegida und die AfD.

Angstmachern den Wind aus den Segeln nehmen

Natürlich ist die Fremdenfeindlichkeit kein Problem, das wir nur in Deutschland haben. Nach der Brexit-Kampagne, die sich klar ausländerfeindlicher, nationalistischer Töne bediente, beobachte ich bei Start-ups in Großbritannien, das dies nicht spurlos an den ausländischen Mitarbeitern vorbeigeht. Es kommen Fragen auf: Will dieses Land uns überhaupt? Dürfen wir hier bleiben und arbeiten? Das Interessante dabei ist, das sich zu diesem Zeitpunkt gesetzlich ja noch nichts geändert hat. Aber wie es mir eine Mitarbeiterin in London beschrieb, ist das Gefühl "hier nicht willkommen zu sein" auch so bereits ein Faktor, der sehr beunruhigt.

Eines unserer Start-ups versucht etwas dagegen zu machen. Aktuell arbeiten bei Azimo.com, einem Fintech Start-up aus London, 21 verschiedene Nationalitäten in den beiden Büros in London und Krakau. Sie haben die Kampagnen #GegenDieAngst gestartet und prangern den Hass in den sozialen Medien an.

Ich habe (leider) keinen Masterplan, wie man den Angstmachern den Wind aus den Segeln nimmt, aber wenn jeder in seinem Umkreis, sowohl im privaten als auch im Arbeitskontext, Akzente setzt, ist schon mal ein erster wichtiger Schritt getan. Wir als Start-up-Gemeinde müssen uns klar positionieren. Gegen Hass, gegen Intoleranz, gegen Rassismus. Für Offenheit, für Toleranz und für Vielfalt.

Ich rufe dazu auf, dass wir uns vernetzen und uns zeigen, so dass nicht nur die Angstmacher gehört werden. Wer selbst mit dem Gedanken spielt, ein Zeichen zu setzen, lasst es mich wissen. Ich wäre gern ein Teil davon, dieser besorgniserregenden Entwicklung etwas entgegenzusetzen.

Quelle: n-tv.de

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