Frage & Antwort

Ohne Orientierung Überleben Ameisen Stürze aus großer Höhe?

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Eine erwachsene Ameise, die aus einem Wassertropfen trinkt.

(Foto: imago images / imagebroker)

Ameisen sind allgegenwärtig. Die fleißigen Tiere klettern auf der Suche nach Nahrung und Baumaterial sogar auf Bäume und Balkone. Manchmal besiedeln sie auch Schächte in Hochhäusern. Doch was passiert, wenn sie mal abstürzen?

Ameisen scheinen ständig aktiv zu sein. Die Insekten leben in hochkomplexen sozialen Staaten zusammen. Man kann sie im Wald, im Garten und auf der Straße beobachten. Manchmal sind die Krabbler aber auch dort, wo wir sie nicht haben wollen. Von Balkonen beispielsweise werden sie dann kurzerhand runtergefegt. Doch können die Tiere überleben, wenn sie drei oder mehr Stockwerke runterfallen?

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"Ja, sie überleben", sagt die Autorin Petra Cnyrim im Gespräch mit n-tv.de, die durch die Fragen ihres Sohnes zu dem Buch "Erklärs mir, als wäre ich 5" inspiriert wurde. Hauptgrund für schadensfreie Abstürze auch aus großen Höhen ist das geringe Gewicht der Tiere. Weltweit gibt es rund 13.000 verschiedene Arten; bei einheimischen Exemplaren kann man von einem Gewicht von circa drei Milligramm ausgehen. Der Rest ist reine Physik.

Je höher die Masse eines Körpers ist, desto höher ist auch die Energie, mit der er von der Erde angezogen wird - und umso heftiger ein Aufprall auf der Erde. Je größer die Oberfläche eines Körper im Bezug zu seiner Masse ist, umso mehr verteilt sich der Druck beim Aufprall. Dazu kommt der Luftwiderstand. Je größer die Oberfläche beim Fall ist, umso mehr verringert der Luftwiderstand die Fallgeschwindigkeit. Ameisen mit ihrem geringen Gewicht bei relativ großer Oberfläche kommen deshalb relativ sanft am Boden auf - auch aus großen Höhen.

Insekten fallen langsam

"Nimmt man alle Parameter zusammen, dann ergibt sich für eine Ameise eine Fallgeschwindigkeit von ungefähr sechs Kilometer pro Stunde", erklärt Cnyrim. Das wären 1,66 Meter pro Sekunde. Zum Vergleich: Ein Fallschirmspringer, der bei 4000 Metern Höhe aus einem Flugzeug gesprungen ist und mit dem Bauch voran Richtung Erde stürzt, erreicht nach sechs bis sieben Sekunden die Geschwindigkeit von ungefähr 200 Kilometern pro Stunde. Wenn er mit dieser Geschwindigkeit auf dem Boden aufprallte, hielte der menschliche Körper nicht stand.

Die Krabbeltiere hingegen fallen, wie fast alle anderen Insekten auch, wesentlich langsamer. Zudem haben sie keine Knochen, die brechen könnten. Ihre Körper werden von einem Panzer aus Chitin zusammengehalten, der auch Stürze aus großen Höhen aushält. Und auch im Inneren der Tiere geht bei einem Sturz meistens nichts kaputt. Sie verfügen im Gegensatz zum Menschen nicht über einen geschlossenen Blutkreislauf mit Adern und Venen, so dass der Druck, der bei einem Aufprall entsteht, auch keine inneren Verletzungen hervorrufen kann.

Die Tiere haben nach einem Sturz in die Tiefe ein ganz anderes Problem: Normalerweise orientieren sie sich mit Hilfe von Duftstoffen oder an der Umgebung, um den Weg zu ihrem Bau zurückzufinden. Nach einem Sturz sind sie jedoch von diesen Orientierungspunkten entfernt. Die Tiere sind verwirrt oder geraten in Panik, denn eine einzelne Ameise hat keine Überlebenschance. "Selbst wenn sie nicht von größeren Tieren gefressen würde, könnte sie ohne die Ruhezeiten im Ameisenbau nicht lange überleben. Denn dort tankt sie nicht nur Kraft, sondern auch genügend Flüssigkeit, um nicht auszutrocknen. Und spätestens in der Nacht würde die Ameise ohne die Wärme des schützendes Baus erfrieren", schreibt Cnyrim. Glücklicherweise, so haben Biologen entdeckt, finden verirrte Exemplare auch in fremden Kolonien einen neuen Platz.

Übrigens: Baumameisen, die im tropischen Regenwald leben, haben sich eine besondere Art des Fallens angeeignet. Auf der Flucht vor Fressfeinden lassen sie sich zunächst in die Tiefe fallen. Da sie jedoch am Boden nur geringe Überlebenschancen haben, krümmen sie ihren Körper während des Falles zu einem "J". Das hat zur Folge, dass sie in Richtung Stamm zurückgleiten und in den meisten Fällen diesen wieder erreichen.

Quelle: n-tv.de

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