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Billig-Rumäne mit Hang zum Abheben? Der Dacia Logan ist wohl besser als sein Ruf.
Billig-Rumäne mit Hang zum Abheben? Der Dacia Logan ist wohl besser als sein Ruf.(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

"Billigflieger aus Rumänien": ADAC mogelte auch bei Autotest

Gemeingefährlich schien es zu sein, sich im Jahr 2005 einen Dacia Logan zuzulegen. Das suggerierte zumindest ein ADAC-Test aus dieser Zeit. Zu leicht soll das Preisbrecher-Fahrzeug abheben. Bloß: Ganz so mies wie der Autoclub es darstellte, war der Logan nicht.

Der ADAC hat offenbar nicht nur bei der Auswertung der Leserbefragung zum beliebtesten Auto der Deutschen betrogen. Wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet, hat der Automobilklub bereits im Jahr 2005 auch den Test eines Fahrzeugs manipuliert, das Blatt hatte damals darüber berichtet. Bislang hatte der ADAC bestritten, neben den bekannt gewordenen Mogeleien beim "Gelben Engel" betrogen zu haben.

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Bei dem Fall ging es um die Beurteilung des damals neuen Dacia Logan, eines rumänischen Fabrikats, das wegen des niedrigen Preises die deutsche Automobilindustrie verunsicherte. Im Test überschlug sich das Fahrzeug, der ADAC bezeichnete es als "Billigflieger aus Rumänien". Tatsächlich hätten die Tester laut "FAZ" zuvor die Reifen beschädigt, ein Ersatzrad aufgezogen und damit so rasante Manöver unternommen, bis der Dacia Logan die Bodenhaftung verlor. Der ADAC hatte die Tricksereien damals kleinlaut zugeben müssen.

Der Bericht der "FAZ" stellt ein neues kommunikatives Problem für den ADAC dar. Bislang hieß es, weitere Enthüllungen etwa über gefälschte Tests werde es nicht geben. Geschäftsführer Karl Obermair sicherte in der "Süddeutschen Zeitung" gerade erst umfassende Aufklärung zu den Manipulationen rund um den Autopreis "Gelber Engel" zu. Die Zahlen für den ADAC-Autopreis könnten schon seit Jahren manipuliert worden sein. ADAC-Kommunikationschef Michael Ramstetter soll die Teilnehmerzahlen zu der Umfrage zum "Lieblingsauto der Deutschen" über Jahre hinweg nach oben geschönt haben, wie Obermair der "Süddeutschen Zeitung" bestätigte. Unmittelbar nach Bekanntwerden der ersten Vorwürfe gegen Ramstetter hätten Geschäftsführung und Präsidium eine lückenlose interne Prüfung angeordnet, erklärte der ADAC.

Erste interne Untersuchungen von Dokumenten beim ADAC hätten ergeben, dass auch in den vergangenen Jahren, mindestens aber 2013 und 2012, die Zahl der abgegebenen Stimmen künstlich erhöht wurden, berichtet die "Bild"-Zeitung. Dies hatte laut der ADAC-Prüfer aber keinen Einfluss auf die Platzierungen der Autos. Die Prüfung stütze sich auf frühere Aufzeichnungen, die Stimmzettel (Coupons) seien laut ADAC aus datenschutzrechtlichen Gründen vernichtet worden.

Wortkarges Geständnis

Am Sonntag hatte der Autoklub in München zunächst eingeräumt, dass die Teilnehmerzahlen für die diesjährige Wahl höher dargestellt worden waren als sie tatsächlich waren. Ramstetter, der seit Jahren auch Chefredakteur der Mitgliederzeitschrift "Motorwelt" war, habe - so der ADAC in seiner Mitteilung - "die alleinige persönliche Verantwortung" übernommen und alle Funktionen beim ADAC niedergelegt.

Obermair hatte noch vor einigen Tagen die Manipulationsvorwürfe als "Unterstellungen" zurückgewiesen. Der ADAC ist mit rund 19 Millionen Mitgliedern größter Autoklub in Europa und größter Verein in Deutschland.

Nun will der ADAC auch Wahlen der vergangenen Jahre überprüfen. Das könnte jedoch schwierig werden, wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet. So sollen einige Statistiken "angeblich unmittelbar nach der jeweiligen Preisverleihung vernichtet" worden sein.

Doch: "Auf Nachfrage soll Michael Ramstetter eingeräumt haben, die veröffentlichten Zahlen bei der Wahl zum Lieblingsauto der Deutschen auch in anderen Jahren weitgehend frei erfunden zu haben." Der Betrug soll laut Obermair unentdeckt geblieben sein, weil - so zitiert die Zeitung den Geschäftsführer - Ramstetter dafür gesorgt habe, dass er allein Zugang zu allen Abstimmungsauszählungen gehabt habe.

Sch... gebaut

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Nach dem Betrug beim "Gelben Engel": Ist der ADAC noch glaubwürdig?

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Ramstetter habe sich für sein Fehlverhalten entschuldigt, hieß es am Sonntag in der Pressemitteilung des ADAC. Der 60-Jährige habe bedauert, der Glaubwürdigkeit des ADAC Schaden zugefügt zu haben. "Ich habe Scheiße gebaut", sagte Ramstetter wörtlich, wollte sich aber nicht eingehend zur Sache äußern. Zur Dimension der Zahlenmanipulation machte der ADAC weiter keine Angaben.

Der Skandal wirft nach Ansicht des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen ein Schlaglicht auf andere Tests und Statistiken des ADAC. "Auch die Pannen- und Tunnelstatistik müsste man jetzt untersuchen", sagte Dudenhöffer. Wenn beim Gelben Engel gelogen worden sei, könne man das für andere Bereiche nicht ausschließen. In einem Interview mit n-tv verlangt Dudenhöffer, dass der ADAC "auch bei anderen Tests, auch bei der Pannenstatistik; auch bei Tests, bei denen Qualitätsurteile für Produkte verteilt werden" Transparenz walten lassen müsse. Es sei "viel zu tun und es wäre gut, wenn es ehrlich und schnell getan werden würde".

Auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt forderte weitere Klärung: "Der ADAC hat jetzt die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Karten auf den Tisch gelegt werden." Die Vorgänge zeigten, dass "großen Verbänden manchmal etwas mehr Bescheidenheit im Auftreten gut täte", sagte der CSU-Minister in München, der wegen der geplanten Einführung einer Pkw-Maut für Ausländer mit dem ADAC im Streit liegt.

Die "Süddeutsche Zeitung" hatte am vergangenen Dienstag als erstes Blatt über Mauscheleien beim Preis "Gelber Engel" berichtet. Nach ihren Informationen soll es nur 3409 Stimmen für das Siegerauto VW Golf gegeben haben, ein ADAC-Papier vom Dezember 2013 habe dagegen als offizielles Ergebnis 34.299 Stimmen genannt.

ADAC-Geschäftsführer Obermair hatte am Donnerstag bei der offiziellen Feier zur Auszeichnung des VW Golf mit dem "Gelben Engel" vor Gästen noch von "Unterstellungen und Unwahrheiten" gesprochen. Er hatte gespottet, immerhin seien die vier Buchstaben des ADAC richtig abgedruckt worden. Im Übrigen sei nichts älter als die Tageszeitung von gestern: "Mit der packt man den Fisch ein."

Führung bekam offenbar nichts mit

Noch vor Abschluss der internen Prüfung habe Ramstetter am Freitag seinen Fehler eingeräumt. Weder Geschäftsführung noch Präsidium seien zuvor "über diese Unregelmäßigkeiten bei der Leserwahl" unterrichtet gewesen, erklärte der Automobilclub.

Die anderen Kategorien beim Preis "Gelber Engel" seien von den Vorgängen nicht betroffen, betonte der Autoklub. Er will Vertrauen zurückgewinnen und kündigte an, bis 2015 für die Abstimmung zum Lieblingsauto ein notariell überwachtes Verfahren zu entwickeln, das über jeden Zweifel erhaben sei.

Quelle: n-tv.de

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