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Mit dem BMW 750d geht es los in Richtung Südosten.
Mit dem BMW 750d geht es los in Richtung Südosten.

Der Freiheit auf der Spur: Auf der Küstenstraße 8 quer durch Europa

Die Route 66 gilt als Inbegriff der Freiheit und des Abenteuers. Motorradfahrer und Autofans träumen davon, einmal in ihrem Leben die Straße aller Straßen zu befahren. Doch man muss nicht zwingend in die Ferne fliegen. Tolle Straßen gibt's auch hier.

Die US-Amerikaner sind bekannt für ihre intensive Flugzeug-Nutzung. Kein Wunder - schließlich sind es rund 3000 Kilometer von Nord nach Süd und etwa 4500 Kilometer vom Westen in den Osten des Landes, da ist das Flugzeug das schnellste und bequemste Transportmittel. Dennoch sind viele US-Amerikaner verrückt nach langen Autofahrten und lieben ihre hubraumstarken Komfort-Karossen. Da erstaunt es kaum, dass die berühmte Route 66 bis weit über den Kontinent hinaus zur Legende wurde. Die bereits in den Zwanzigern befestigte Straßenverbindung führt einmal quer durchs Land, über 3944 Kilometer von Chicago im Nordosten nach Santa Monica im Südwesten.

Die Europastraße 75 erstreckt sich von Norwegen bis Kreta.
Die Europastraße 75 erstreckt sich von Norwegen bis Kreta.

In Europa, wo die Menschen auch rege fliegen, gibt es keine berühmte Straßenkultur. Doch warum eigentlich nicht? Die Europastraße 75 beispielsweise ist mit über 4300 Kilometern noch ein Stück länger als die Route 66 und führt durch faszinierende Orte. Von Norwegen über Polen, die Slowakei und Serbien bis ins südliche Griechenland zum Hafen von Piräus. Erst auf Kreta endet sie. Klar, das Sprachenproblem hat Amerika nicht, doch Grenzfreiheit ist in Europa kein wirkliches Thema mehr.

Wir haben die Auto-Reisetauglichkeit Europas auf die Probe gestellt und uns mit einem BMW 750d xDrive auf den Weg Richtung Südosten gemacht - es muss schließlich nicht immer Frankreich, Portugal oder Spanien sein. Nicht nur Landschaftsliebhaber, die das Flugzeug als Fortbewegungsmittel für langweilig halten, kommen der etwa 1300 Kilometer langen Tour durch die vergleichsweise jungen Mitgliedsstaaten der EU und solche, die es noch werden wollen, auf ihre Kosten. Wien, Österreichs Metropole und Tor zum europäischen Osten, dient als Auftakt für den 1300 Kilometer langen Marsch Richtung Mittelmeer. Auch die österreichische Hauptstadt ist längst erfasst worden vom Oldtimertrend, wenngleich sie Städten wie Berlin in puncto Altblech-Präsenz auf der Straße gefühlt kaum das Wasser reichen kann. Nach einem letzten respektvollen Blick auf den eingeengt parkenden BMW 520 aus den Siebzigern geht es auf nach Kroatien.

Kaum Spuren des Sozialismus

Vereinzelt lassen alte Schmuckstücke die Herzen der Autoliebhaber höher schlagen.
Vereinzelt lassen alte Schmuckstücke die Herzen der Autoliebhaber höher schlagen.

Wie sieht es wohl auf den Straßen des jüngsten EU-Mitgliedes aus? Massenhaft Zastava jedenfalls sieht man nicht, so viel sei vorweggenommen. Ab und zu taucht dann aber doch ein in Fiat-Lizenz gebauter 1300er auf, um Reminiszenzen an das sozialistische Jugoslawien anklingen zu lassen. Ansonsten ist das Straßenbild in Kroatien durch und durch westlich, wie das Land selbst. Der frisch geputzte Opel Adam trifft auf den glänzenden Audi A8 in neuester Ausführung. Dennoch erfreut auch der eine oder andere Skoda Favorit die Autofans. Auch eine handvoll mehr oder weniger gepflegter Golf I kreuzen die Fahrbahn im Alltagsbetrieb - es gibt also noch zu tun für die Autoindustrie. Ach ja, die Fahrbahnen. Auf sauberen Straßen in bestem Ausbauzustand geht es zur kroatisch-bosnischen Grenze hinter Dubrovnik.

Als die Grenze passiert ist, wird der Asphalt nicht etwa schlechter, um gleich ein Vorurteil zu entkräftigen. Die Vegetation verändert sich, das Meer nimmt jetzt einen anderen Weg und begleitet uns nicht länger, während wir luftgefedert Richtung Montenegro gleiten. Auf den xDrive hätten wir gut verzichten können, Schlaglöcher oder Schotterpisten sucht man nämlich vergebens. Während sich der 280 kW/381 PS starke, drei Liter große Reihensechszylinder mit dreifacher Turboaufladung souverän das Gebirge hinaufschraubt, verwandelt sich analog zur Landschaft auch das Straßenbild. Die wahrgenommene Golf II-Menge nimmt zu – aber es ist lediglich ein kleiner Bodensatz. Die enorme Arbeitslosigkeit Bosniens hindert einen großen Teil der Bevölkerung offenbar nicht am Autokauf und schon gar nicht am Autofahren. Skoda Yeti, aktueller VW Passat und Audi A7 sind nur wenige Beispiele dafür, dass eine Mittelschicht zumindest existiert. Ob wir mit einer Luxuslimousine wie dem Siebener nicht negativ auffallen könnten, war eine immer wieder gestellte Frage. Nein, wir fallen nicht auf: Potente M-Klassen, mächtige Q7 und andere Nobelfahrzeuge mit örtlichem Kennzeichen teilen sich mit uns ebenso die Straße wie moderne Stadtflitzer à la Smart oder VW Up.

Grenzübergänge verlaufen reibungslos

Auch bei den Überfahrten in die Nicht-EU-Staaten gibt es keine Probleme.
Auch bei den Überfahrten in die Nicht-EU-Staaten gibt es keine Probleme.

Ein ähnliches Bild bietet sich in Montenegro; wer dieses winzige Land mit kaum mehr als 600.000 Einwohnern und dem Euro als Zahlungsmittel (obwohl es noch gar nicht zur Euro-Zone gehört) bereist, lernt, dass es in Europa durchaus noch Grenzen gibt. Aber die Übergänge von den EU-Ländern in die kurz- bis mittelfristigen Beitrittskandidaten funktionieren ähnlich reibungslos wie die Überfahrten in die Länder der europäischen Union außerhalb des Schengenraumes: Kurz den Personalausweis vorhalten und der Grenzer öffnet die Schranke.

So geht es weiter bis Albanien. Schlechte Straßen? Abgesehen von einem etwa 15 Kilometer langen Baustellenabschnitt inklusive Schlagloch-Einlage nicht vorhanden. Zunächst muss man zwar auf Autobahnen verzichten, doch stattdessen gibt es gut ausgebaute Nationalstraßen. 30 oder 40 Kilometer nach der griechischen Grenze darf der Luxusliner aus Bayern dann den Vorteil seines aktiven Geschwindigkeitsreglers ausnutzen. Als wir in der Hafenstadt Thessaloniki ankommen, haben wir mindestens vier Sprachregionen durchkreuzt und fünf Grenzen passiert. Da ist dann also doch noch ein kleiner Unterschied zur amerikanischen Route 66. Passend dazu waren wir auch nicht mit einem großen V8-Benziner, sondern per Diesel unterwegs, der trotz enormer Performance kaum mehr als acht Liter verbraucht. Doch das macht das Reisen durch Europa keinen Deut weniger spannend, ganz im Gegenteil.

Quelle: n-tv.de

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