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Eigentlich sollte "Supergirl" noch vor "Superman" die Welt retten. Jetzt muss sie sich erstmal Respekt verschaffen.
Eigentlich sollte "Supergirl" noch vor "Superman" die Welt retten. Jetzt muss sie sich erstmal Respekt verschaffen.(Foto: Twitter/supergirlcbs)
Dienstag, 27. Oktober 2015

Verzichtet auf bauchfrei, teilt lieber aus: Die Zeit ist reif für "Supergirl"

Von Anna Meinecke

So richtig viele Frauen dürfen die Welt noch nicht retten. Das allerdings ändert sich gerade gewaltig. Im roten Cape rückt Kara Danvers aus, es ihrem Cousin Clark Kent gleichzutun. Die Fernsehserie "Supergirl" startet mit einer brillanten Pilotfolge.

Undercover lebt es sich für Superhelden meist nicht lange. Bei Kara Zor-El a.k.a. Kara Danvers hat es immerhin ein halbes Leben lang geklappt. Als Kind wurde sie von ihrem Heimatplaneten auf die Erde geschickt, um ihren Cousin Kal-El zu beschützen. Den kennen die meisten vermutlich unter dem Namen Clark Kent oder doch spätestens als Helden Superman. Weil Karas Raumkapsel allerdings auf Abwege geriet, erreichte sie die Erde lange nach dem Schützling. Obsolet geworden, durfte sie als ganz normales Mädchen groß werden.

Mit dem gewöhnlichen Leben ist nun aber Schluss. Die Fernsehserie "Supergirl" lässt ihre Heldin bereits in den ersten Minuten der Pilotfolge ein abstürzendes Flugzeug stemmen. In der vergangenen Nacht startete das Format beim amerikanischen Sender CBS.

"Kann man das glauben?", grübelt eine Kellnerin im "Supergirl"-Trailer. "Ein weiblicher Held. Schön, dass meine Tochter jetzt jemanden hat, zu dem sie aufsehen kann!" Es ist einer der vielen Momente, die "Supergirl" sofort als ungemein reflektiert ausweisen.

Frauen als Helden-Beiwerk

Es ist schließlich noch gar nicht lange her, da tauchte online eine Email aus dem Hause Marvel auf, die Superheldinnen als Quoten-Katastrophe abtat. Irgendwie muss man ja verantworten, dass die legendäre Black Widow den übrigen "Avengers" in deren Solo-Streifen zwar regelmäßig die Show stehlen darf, jedoch keinen eigenen Film bekommt.

Gewiss, im kleinen, lange stiefmütterlich behandelten Serienformat ist Marvel mit "Agent Carter" und "Jessica Jones" auf dem Weg gen Zeitgeist, doch prominent platziert ist die Frau im Heldenkostüm für gewöhnlich nach wie vor nicht. Im Universum von Konkurrent DC Comics fahren Formate wie CW's "Arrow" und "The Flash" zwar mit potenziell vielschichtigen weiblichen Charakteren auf, lassen diese jedoch konsequent zum Beiwerk des Titelhelden verkommen. Umso erfreulicher, dass ihre Welt - wenngleich bei einem anderen Sender - nun endlich um eine Frontfrau erweitert wird.

Noch bevor es an die Substanz geht, macht "Supergirl" bereits ziemlich viel richtig. Die Show ist aufwendig produziert und klug gecastet - Karas Adoptiveltern beispielsweise verkörpern Dean Cain und Helen Slater, die einst selbst schon mal Superman und Supergirl ihr Gesicht liehen. Aber das Format leistet noch viel mehr, als man hätte erwarten können.

Geschlechterkampf im roten Cape

Klar, "Supergirl" erinnert andauernd an "Superman" und niemand möchte gern das Essen von vorvorgestern als neu verkauft sehen. Beeindruckend ist jedoch, wie die frauengetragene Neuauflage ihre ganz eigene Stimme findet. Karas Geschichte ist nicht die eines übertrainierten Muskelprotzes, sondern die einer jungen Frau, die sich beweisen muss. Sie muss zeigen, dass sie einen Wert hat - auch wenn ein Mann bereits vor ihr all die Dinge getan hat, zu denen sie in der Lage ist. Sie muss zeigen, dass sie genauso zählt wie Superman.

Kara ist ein Supergirl, dass keine Lust auf ein bauchfreies Heldenkostüm hat und lieber "Woman" als "Girl" genannt werden würde. Sie ist eine Frau, die mit der Faust voraus durch Steinwände brechen kann. Eine Träne vergießen darf sie von Zeit zu Zeit trotzdem. Während ihre männlichen Heldenkollegen nach getaner Arbeit gern mal noch ein wenig pumpen gehen oder doch wenigstens noch irgendwo ein Machtwort sprechen, ist Supergirl nach der temporären Weltrettung einfach Schwester, Freundin, Mensch.

"Supergirl" ist eine feministische Serie. Aus diesem Grund wird sie auch bei einigen Zuschauern durchfallen. Auf die allerdings, kann das Format getrost verzichten.

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Quelle: n-tv.de

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