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Immer noch fit: Gojko Mitić  kann sich ein ruhiges Rentnerdasein noch nicht vorstellen.
Immer noch fit: Gojko Mitić kann sich ein ruhiges Rentnerdasein noch nicht vorstellen.(Foto: dpa)
Samstag, 13. Juni 2015

"Winnetou des Ostens": Gojko Mitić wird 75

Was Pierre Brice im Westen war, das verkörperte Gojko Mitić im Osten. Langes schwarzes Haar, schwarze Augen, immer auf der Seite der Guten: Als "Defa-Chefindianer" ließ er seine Fans scharenweise dahinschmelzen. Und er sitzt immer noch fest im Sattel.

Hoch zu Ross, mit Degen und in schwarz-rotem Kostüm: Als Graf Hans Georg von Arnim reitet Gojko Mitić zu den Odertal-Festspielen im brandenburgischen Schwedt. Der Schauspieler, der als "Winnetou des Ostens" bekannt wurde, sitzt gerade im Sattel - für das Fantasie-Spektakel "Die Verschwörung von Chorin". Einen Tag nach der Premiere feiert Mitić Geburtstag: Er wird am 13. Juni 75 Jahre alt.

Neue Wirkungsstätte: Mitić spielt während der Odertal-Festspiele an den Uckermärkischen Bühnen in Schwedt (Brandenburg) einen Grafen in "Die Verschwörung von Chorin".
Neue Wirkungsstätte: Mitić spielt während der Odertal-Festspiele an den Uckermärkischen Bühnen in Schwedt (Brandenburg) einen Grafen in "Die Verschwörung von Chorin".(Foto: dpa)

Dass er mit einem Pferd auf die Bühne kommt, freut Mitić besonders. Er sei dem treu geblieben, was das Publikum von ihm erwarte, sagt der gebürtige Serbe und schmunzelt. Sein Ruhm geht auf Indianerrollen zurück, Reiten gehört dazu. In Sportjacke, Jeans und mit Umhängetasche kommt er von der Probe. Vor Jahren hatte er am Staatstheater Schwerin die Hauptrolle im Musical "Alexis Sorbas" gespielt - Theater ist dem Stargast nicht fremd. Zum Film kam Mitić einst per Zufall. In seiner Heimat Jugoslawien wurden damals viele Filme gedreht. Die Regisseure verpflichteten als Stuntmen gern Sportstudenten, darunter Mitic. Es folgten kleine Rollen in Filmen mit Pierre Brice, der Winnetou spielte. Die Defa-Filmgesellschaft aus der DDR bot Mitić die erste Hauptrolle an. Er wurde zum "Defa-Chefindianer".

Künstlerleben ganz im Stile eines Häuptlings

Häuptlinge wie Chingachgook, Tokei-ihto, Ulzana und Tecumseh prägten das Künstlerleben von Gojko Mitić, für den Generationen junger Mädchen schwärmten: langes schwarzes Haar im Film, schwarze Augen, makelloser Körper, immer auf der Seite der Guten. Rund 50 Jahre liegt der Defa-Film "Die Söhne der Großen Bärin" zurück - ein Kino-Hit. Gut 15 Indianerfilme folgten, die ein Millionenpublikum anlockten. Fanpost erreiche ihn immer noch, erzählt er. Der Respekt vor seinem Publikum ist spürbar. Kürzlich habe seine Freundin eine Kiste mit Zuschriften durchgesehen und ihn auf vieles Interessantes aufmerksam gemacht. "Ich konnte nicht alle Briefe beantworten", entschuldigt er sich.

Gojko Mitić (Mitte) als Intschu-Tschuna bei den Karl-May-Festspielen 2013 (Links Wayne Carpendale als Old Shatterhand, rechts Jan Sosniok als Winnetou).
Gojko Mitić (Mitte) als Intschu-Tschuna bei den Karl-May-Festspielen 2013 (Links Wayne Carpendale als Old Shatterhand, rechts Jan Sosniok als Winnetou).(Foto: dpa)

Bei den Karl-May-Spielen Bad Segeberg (Schleswig-Holstein) übernahm Mitić die Rolle des Winnetou vom kürzlich gestorbenen Pierre Brice. Mitić verkörperte in Bad Segeberg von 1992 bis 2006 den Häuptling. "Ich habe Winnetou noch mit 66 gespielt", erinnert sich Mitić, der sich nach eigenen Worten immer noch fit fühlt. "Ich reite und fechte - alles Dinge für junge Liebhaber", scherzt er. Mitić wollte im Rentenalter eigentlich kürzertreten und Liegengebliebenes erledigen. "Ich müsste meine Fotos sortieren, die vielen Negative durchsehen, aber komme nicht dazu", erzählt er. Ein Rentnerdasein in Ruhe - für Schauspieler undenkbar. "Wir müssen auf der Bühne umfallen und fertig. Nach dem Motto: "Das ganze Leben hat er gespielt. Als er tot war, hat ihm das keiner geglaubt."

Lernen von den Indianern

In seiner Heimat Serbien besucht er regelmäßig seinen Bruder. Die Mutter war während des Balkankrieges gestorben. "Sie hatte sich aufgegeben und wollte nicht mehr", sagt Mitić, der sich von ihr nicht verabschieden konnte: Brücken zerstört, Bomber am Himmel. Erst ein halbes Jahr nach ihrem Tod habe er erstmals zu ihrem Grab fahren können, sagt er leise. "Meine Mutter war der wichtigste Mensch in meinem Leben."

Mitić sind politische Themen wichtig. Kriege, Umweltzerstörung, des Menschen Gier nach Geld und Macht - für ihn unfassbar. "Der Indianer ehrt Mutter Erde, die Natur, jedes Tier, jede Pflanze, das sind Brüder und Schwestern", sagt er. Und was macht der weiße Mann? "Wir sind dabei, unseren eigenen Lebensraum zu zerstören. Dabei könnten wir von den Indianern lernen."

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Quelle: n-tv.de

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