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Zum Tod von Roger Cicero: "Ich habe ein sehr bewusstes Leben geführt"

Von Anna Meinecke und Sabine Oelmann

Er war einer, der mit Selbstmitleid nicht viel am Hut hatte, einer, der wieder aufstand, der Pläne schmiedete. Nur wenige Tage vor seinem Tod sprach n-tv.de mit Roger Cicero über seinen Gesundheitszustand und seine große Leidenschaft Musik.

An der Stelle, wo gerade noch sein breites Lächeln prangte, ist jetzt alles schwarz. Roger Cicero ist tot, das Profilbild von seiner Facebook-Seite verschwunden, seine Webseite zeitweise nicht mehr abrufbar. Damit hat niemand gerechnet, auch Cicero selbst nicht.

Es geht ihm richtig gut, gar "hervorragend", sagte Roger Cicero im Gespräch mit n-tv.de. Vor wenigen Tagen noch führten wir eines der letzten Interviews mit dem Musiker. Darin zeigte er sich zuversichtlich. Nachdem er Ende des vergangenen Jahres alle Termine hatte absagen müssen, sei sein einziger Wunsch gewesen, gesund zu werden. "In den letzten Wochen und Monaten habe ich mich sehr geschont", erzählte er. Doch Cicero hat den Kampf schließlich verloren.

"Man muss es ausprobiert haben"

"Ich habe in den letzten Jahren immer ein sehr bewusstes Leben geführt", versicherte Cicero im Interview. Er ist kein abgedrehter Rockstar, er hat einfach verdammtes Pech gehabt. Über sein Tief wollte er im Interview nicht sprechen. "Jetzt, wo die Kraft wieder zurückkehrt, geht's um Aufbau", sagte er nur. Es soll um seine Musik gehen, nicht um seine Schwächen.

Allerdings gestand er ein, dass ihn das Aufnehmen zweier Alben im vergangenen Jahr, "Cicero Sings Sinatra" und "The Roger Cicero Jazz Experience", doch sehr geschlaucht hat. "Das werde ich so wohl auch nicht mehr machen", rückte Cicero zögernd heraus. "Man muss es immer einmal ausprobiert haben, um herauszufinden, wie es sich anfühlt."

Cicero war einer, der sich selbst herausfordert. "Man hätte es sich leichter machen können", sagte er über sein Sinatra-Album. "Mit manchen Titeln konnte ich nicht so wahnsinnig viel anfangen, da musste ich mir einen neuen emotionalen Unterbau schaffen." Als extremes Beispiel nannte er den ultimativen Klassiker: "New York, New York". Cicero sei erst zweimal in der Stadt gewesen. "Ich musste mir ein völlig neues 'New York, New York' erschaffen, über das ich singe. Ich werde jetzt nicht verraten, was das ist. Das ist sehr persönlich. Es hat mit der Stadt erstmal nichts zu tun."

Die guten alten Zeiten

So offen er sich über seine musikalischen Wegmarken freute, so verschwiegen wurde Cicero bei Privatem. Gestört hat das nie, er hatte schließlich immer viel von seiner Arbeit zu erzählen. Im April hätte seine Tour starten sollen. Für das nächste Album wollte Cicero wieder etwas Deutschsprachiges aufnehmen, "was so an die guten alten Zeiten erinnert". Genaueres wusste er nicht, denn "so weit im Voraus wird dann doch nicht geplant".

Kurz vor seinem Tod blickte Roger Cicero in eine Zukunft, in der vieles möglich sein würde. Als wir im Gespräch auf Frank Sinatra Jr. zu sprechen kamen und ihm erzählten, dass dieser gestorben ist, rief Cicero entgeistert aus: "Der war doch noch gar nicht so alt!" Frank Sinatra Jr. wurde 72 Jahre alt, Roger Cicero nur 45.

Quelle: n-tv.de

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