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Roger Willemsen starb mit 60 Jahren an Krebs.
Roger Willemsen starb mit 60 Jahren an Krebs.(Foto: dpa)

Moderator und Autor: Roger Willemsen ist tot

Als intellektueller Fernseh-Talker wurde er bekannt, doch bald schon wandte sich Roger Willemsen anderen Feldern zu: als Radio-Moderator, Essayist und erfolgreicher Autor. Nun erliegt er einem Krebsleiden.

Vielen Menschen ist er als Fernsehmoderator bekannt. Doch Roger Willemsen konnte noch viel mehr. Nun ist der Moderator, Kommentator, Autor und Erzähler mit 60 Jahren gestorben, wie sein Büro und sein Verlag S. Fischer mitteilen. Willemsen erlag demnach am Sonntag in seinem Haus in Wentorf bei Hamburg den Folgen einer Krebserkrankung. Diese hatte er kurz nach seinem 60. Geburtstag im vergangenen Jahr öffentlich gemacht.

Der 1955 in Bonn geborene Willemsen gehörte zu den bekanntesten deutschen Intellektuellen. Bekannt wurde er vor allem mit essayistischen Reisebüchern wie "Die Enden der Welt" und Talksendungen. Seine Fernsehkarriere begann er 1991 mit der Interview-Reihe "0137". An der Sendung auf dem Sender Premiere konnten sich auch die Zuschauer beteiligen.

Die Show galt als "Talk ohne Tabu", angesiedelt zwischen Politik und Boulevard. Mehr als 600 Interviews führte er in einem Jahr: Von Audrey Hepburn bis zu Palästinenserführer Arafat waren viele Prominente dabei - darunter auch ein Bankräuber. Sein Anspruch, "genau zu sein", und seine besonders einfühlsame Gesprächsführung machten ihn und sein Magazin preiswürdig. 1992 wurde Willemsen unter anderem mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Im Jahr darauf erhielt er den Adolf-Grimme-Preis in Gold.

Abkehr vom Fernsehen

Ab 1994 präsentierte er beim ZDF seine wohl bekannteste Sendung: "Willemsens Woche". Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" bezeichnete sein Format als "Muster für intelligente, wenn nicht gar intellektuelle Unterhaltung". Im Sommer 1996 lief seine neunteilige Porträtreihe "Willemsens Zeitgenossen". Dafür traf der Journalist unter anderem Quincy Jones jr., Michel Piccoli, Vivienne Westwood, Philippe Starck und John Malkovich.

Im Schweizer Fernsehen moderierte er den "Literaturclub". Mit seiner eigenen TV-Produktionsfirma "Noa Noa" produzierte und koproduzierte Willemsen Themenabende und Preisverleihungen - die er mitunter auch moderierte. Zudem drehte er etwa die Dokumentation "Non Stop – Eine Reise mit Michel Petrucciani".

Allerdings stand Willemsen dem Medium Fernsehen zunehmend kritisch gegenüber. Er konzentrierte sich ab 2004 auf verschiedene Radiosendungen wie "Roger Willemsen legt auf - Klassik trifft Jazz". Gleichzeitig ging er mit einem Erzählprogramm auf Tour und veröffentlichte zahlreiche erfolgreiche Bücher. Zuletzt landete er 2014 mit seinem Buch "Das Hohe Haus" einen Bestseller. Dafür hatte er ein Jahr lang das Geschehen im Bundestag von der Tribüne als Zuhörer verfolgt.

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Quelle: n-tv.de

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