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Die Macht macht mobil - bei Arbeit, Sport & Spiel: Szene aus "Star Wars: Episode VII".
Die Macht macht mobil - bei Arbeit, Sport & Spiel: Szene aus "Star Wars: Episode VII".(Foto: Lucasfilm Ltd. & TM)

"Star Wars: Episode VII": Eine Ode an die Macht

Von Thomas Stechert

Die Magie des "Star Wars"-Mythos: für die einen ein geldgieriges Merchandise-Monster, für die anderen ein Tummelplatz ihrer kindlichen Fantasie mit fast religiösem Anstrich. Wer hat recht? Vielleicht beide.

"Obi-Wan hat dir nie erzählt, was wirklich mit deinem Vater passiert ist."

"Er hat mir genug erzählt, er hat mir gesagt, dass sie ihn umgebracht haben."

"NEIN, ... ICH BIN DEIN VATER."

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Als dieser Satz von Darth Vader Anfang der 1980er im zweiten Teil der alten "Star Wars"-Saga "Das Imperium schlägt zurück" durch die Kinosäle des Planeten dröhnte, war das Publikum geschockt. Zur gleichen Zeit entstand eines der berühmtesten Filmzitate der Kinogeschichte. Der "Star Wars"-Mythos war nicht mehr aufzuhalten. Drei Jahre zuvor hatte Regisseur und Drehbuchautor George Lucas mit seinen Sternenkriegern in "Eine neue Hoffnung" (1977) die Welt der bewegten Bilder im Sturm erobert. Der imperiale Sternzerstörer, der in der Eröffnungsszene die corellianische Korvette Tantive IV verfolgt und entert, brachte die Kinoleinwand zum Beben. Der Farmerjunge Luke Skywalker, der Söldner Han Solo, der dunkle Lord der Sith und die sich ständig streitenden Droiden-Kumpel R2-D2 und C-3PO begeisterten die Massen. "Star Wars" war wie ein gigantischer Komet in die Unterhaltungsindustrie eingeschlagen und wurde fortan zum festen Bestandteil der Popkultur.

Fast 40 Jahre später ist der Erfolg vom "Krieg der Sterne" ungebrochen. Mehr noch: Er ist stärker und präsenter als je zuvor. Ein Umstand, der sicher den neuen Medien und den ohne Zweifel fragwürdigen Vermarktungsstrategien des Geschäftsmannes Lucas und seiner Erben bei der Walt Disney Company geschuldet ist - sie besitzen seit 2012 die Rechte am "Star Wars"-Universum und starten dieser Tage unter der Regie von J. J. Abrams ihre eigene Trilogie. Wie viel Lohn bekommt eigentlich ein Arbeiter in einer Fabrik in China, die Plastikfiguren von Darth Vader herstellt? Oder eine Näherin in einem Zulieferbetrieb in Bangladesch, der T-Shirts mit dem neuen "Star Wars"-Logo "The Force Awakens" produziert? Die dunkle Seite der Macht ist allgegenwärtiger, als es die meisten von uns wahrhaben wollen!

"Werd' doch endlich mal erwachsen"

Doch abseits von menschenverachtender Ausbeutung, der Gier nach Geld und dem Optimieren von Geschäftsfeldern gibt es noch eine andere Gruppe, die das "Star Wars"-Phänomen am Leben erhält und dabei gleichzeitig sein Herzstück bildet: die Fans. Menschen aus jeder Altersgruppe, jeder sexuellen Orientierung, jedem Berufszweig, jeder Religion und jedem Kontinent. Wenn sie sich in vielen Dingen ihres alltäglichen Lebens auch uneins sind - bei den Abenteuern mit den schlechtesten Frisuren des Science-Fiction-Kinos stehen sie eng zusammen (favorisierte Episoden mal außen vorgelassen). Für diese Leute ist "Star Wars" mehr, als nur der Geruch des Geldes.

Merchandising kann auch Spaß machen (E-Card zum "Star Wars"-Tag am 4. Mai).
Merchandising kann auch Spaß machen (E-Card zum "Star Wars"-Tag am 4. Mai).(Foto: TM 2014 Lucasfilm Ltd)

Die Geschichten und Legenden um Luke und Anakin Skywalker regen ihre Phantasie an und geben den Erwachsenen unter ihnen die Möglichkeit, eine Tür in ihre Kindheit offenzuhalten. Für sie ist "Star Wars" eine Brücke in ein vergangenes, weit, weit entferntes Universum voller Wunder und Magie. Ein Universum, in dem Ritter, riesige Kampfläufer, grüne Zwerge, Drachen, Riesenschnecken, Zauberer, Affenmenschen, Klonkrieger, Roboter und Kreaturen aller Art existieren. Ein Universum, in dem die Grenze zwischen Gut und Böse klar verläuft und in dem die Helden ihre Ängste überwinden und sich ihren Dämonen stellen. "Star Wars" ist ein technisiertes Märchen, das uns aus längst vergangenen Tagen einen Blick in eine fantastische Zukunft gewährt.

"Werd' doch endlich mal erwachsen!", "Was willst du mit diesem Kinderspielzeug?", "Schalt den Rechner aus, Computerspiele sind nur was für Menschen mit wenig sozialen Kontakten!": Diese Sätze hat der eine oder andere ältere "Star Wars"-Fan sicher schon einmal gehört. Doch warum sollten wir das tun? Warum sollten wir uns den empfindlichsten Teil unserer Seele, unsere kindliche Naivität nehmen lassen? "Star Wars" ist nicht das Leben. Aber ein Leben mit dem "Krieg der Sterne" macht eben verdammt viel Spaß.

"Han shot first"

Es gab nur einen, der die Macht hatte, die "Star Wars"-Gemeinde zu spalten: ihr Gott und Schöpfer George Lucas. Ende des letzten und Anfang dieses Jahrtausends hatte das Mastermind mit seiner zweiten "Sternenkrieg"-Trilogie zugunsten des meist gehassten "Star Wars"-Charakters Jar Jar Binks (ein computergenerierter Volltrottel) und mit von CGI-Effekten überfrachteten Szenen Salz in die Wunden der Fans gestreut. Wunden, die er mit der Veröffentlichung der "Special Edition" der alten "Star Wars"-Trilogie Mitte der 1990er selbst verursacht hatte. Viele Lucas-Jünger fühlten sich hintergangen. Niemand hatte etwas gegen verbesserte Effekte einzuwenden, aber den Weltraumschmuggler Han Solo, der in der Originalversion von 1977 einen Kopfgeldjäger namens Greedo eiskalt abknallt, in der überarbeiteten Fassung aus unnötiger "Political Correctness" plötzlich aus Notwehr agieren zu lassen, ging dann doch zu weit.

Die Weigerung von "Lucasfilm Ltd." die Originalkopien der alten Trilogie im zeitgemäßen Blu-ray-Format zu veröffentlichen, tat ihr Übriges. Die Fans waren sauer. Als George Lucas dann auch noch sein animiertes Kasperletheater "Star Wars: The Clone Wars" auf die heimischen TV-Geräte losließ, hatte er es sich mit vielen Fans der ersten Generation endgültig verscherzt. "Star Wars" war für sie zum Kinderzirkus degeneriert. Doch "Der Krieg zwischen den Sternen" hatte schon immer mehr zu bieten, als nur den Millennium Falken, Luke, Han und zwei Todessterne. "Star Wars" liegt irgendwo dazwischen. In "The Clone Wars" erhalten die Charaktere mehr Raum. Man erlebt Klonkrieger, die des Kampfes müde sind und Jedi-Ritter, die mit ihrem Orden hadern. Es werden Fragen gestellt. Aktuelle Fragen. Das Märchen wird nicht zerstört, es wird greifbarer.

Eine neue Ära?

Auch die neue Sternen-Trilogie bietet mehr, als viele Fans bereit sind einzugestehen. "Star Wars" besteht nicht nur aus drei über dreißig Jahre alten Filmen. "Star Wars" ist im Gesicht von Anakin Skywalkers Padawan Ahsoka Tano genauso präsent wie bei einem Gungan, der auf einem Kaadu durch die Steppe reitet. "Star Wars" ist ein Märchen. Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger. Doch die Grenze zwischen Jung und Alt ist so klar definiert wie die dunkle und die helle Seite der Macht. Es gibt kaum Spielraum. "Star Wars" musste schon immer mit den Augen eines Kindes gesehen werden, denn nur dann offenbart sich die magische Anziehungskraft der Welt von George Lucas. Es ist wohl eine Ironie des Schicksals, dass eine Person, der nachgesagt wird, sie wäre in ihrer Wahrnehmung und ihrem Schaffen zu technisch und unemotional, ein Universum kreiert hat, das noch eine lange Zeit die Inspiration und Phantasie unzähliger Menschen beflügeln wird.

Der Meister selbst hatte nach all den Fan-Querelen, deren Auslöser er selbst war, von seiner Schöpfung die Nase voll. So verscherbelte Lucas sein lukratives Universum mit allem, was dazugehört für schlappe vier Milliarden Dollar an den Disney-Konzern. Jetzt liegt es bei der einstigen Zeichentrickfilm-Schmiede, den Sternen-Mythos mit neuem Leben zu füllen, den Herzen der Fans gerecht zu werden und die Kluft zwischen Alt und Jung erneut zu überwinden.

Möge die Macht mit ihnen sein, denn in Zeiten von Flüchtlingskrisen, Klimawandel und Terrorgefahr ist es nicht das Schlechteste, zwei Stunden im Kino zu sitzen und wieder zehn Jahre alt zu sein - als man im Sandkasten auf dem Hinterhof noch die größte Wüste der Welt sehen konnte. Das war und ist "Star Wars".

"Star Wars: Das Erwachen der Macht" startet am 17. Dezember in den deutschen Kinos.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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