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Das Filmplakat von "The Interview" gehört zu den schönsten des vergangenen Jahres.
Das Filmplakat von "The Interview" gehört zu den schönsten des vergangenen Jahres.(Foto: Columbia Pictures)

"The Interview" jetzt auch im Kino: Mr. Skylark geht nach Nordkorea

Von Markus Lippold

Panzerfahren mit Kim Jong Un: Für Showmaster Dave geht ein Traum in Erfüllung. Ein Traum, der in der Realität viel Staub aufwirbelte. Nun kommt die rasante Nordkorea-Komödie "The Interview" doch noch ins Kino: mit Politik und Pimmelwitzen.

War da was? Der Wirbel um "The Interview" hat sich gelegt. Nach den Beschimpfungen aus Nordkorea, dem Hackerangriff auf Sony, den Terrordrohungen gegen Kinos und der zeitweiligen Absage des Filmstarts kommt der Streifen nun doch in die deutschen Kinos. Damit können sich auch hierzulande die Zuschauer ein Bild von der Satire machen.

Seth Rogen (M.) und James Franco spielen die Hauptrollen in "The Interview".
Seth Rogen (M.) und James Franco spielen die Hauptrollen in "The Interview".(Foto: Columbia Pictures)

Ein Bild, das ohne Zweifel durch die ausführliche Berichterstattung Ende vergangenen Jahres beeinflusst wird. Das Hick-Hack um die Absage des Kinostarts, die dann teilweise wieder zurückgenommen wurde, hat dem Ansehen von Sony Pictures geschadet. Schließlich wurde das Studio sogar von US-Präsident Barack Obama für den Rückzieher kritisiert.

Eminem hat sein Coming-out

Als der Film dann doch in ein paar kleinen US-Kinos zu sehen war und auch per Stream angeboten wurde, verschwand das Thema schnell von der Bildfläche. Was sehr viel aussagt über das Verhältnis von Aufregung und tatsächlicher Sprengkraft des Films. "The Interview" ist kein originär politischer Streifen, auch wenn er einige Seitenhiebe austeilt, die jedoch vor allem in Richtung USA und deren Sicherheitsapparat sowie die Entertainment-Branche gehen.

Der Film erzählt eine recht simple Story: Der berühmte Fernsehmoderator Dave Skylark (James Franco) und sein Produzent und Freund Aaron Rapoport (Seth Rogen, der auch produzierte und Co-Regie führte) bekommen die Möglichkeit, in Nordkorea ein Interview mit Diktator Kim Jong Un zu führen. Die CIA beauftragt sie jedoch, den Tyrannen zu ermorden. Nur dass es vor Ort natürlich wieder mal ganz anders kommt, als man denkt.

Gefährlicher Diktator oder Witzfigur? Kim Jong Un (Randall Park, M.) mit seiner Leibgarde.
Gefährlicher Diktator oder Witzfigur? Kim Jong Un (Randall Park, M.) mit seiner Leibgarde.(Foto: Columbia Pictures)

Bis die beiden überhaupt nordkoreanischen Boden betreten, dauert es aber auch eine Weile. In dieser Zeit wird der US-amerikanischen Entertainment-Industrie ganz gehörig der Spiegel vorgehalten. Denn in der Skylark-Show werden Gerüchte bis zum Erbrechen ausgeschlachtet, wird jede noch so kleine Klatschgeschichte zum Nachrichten-Ereignis aufgeblasen. In einer besonders witzigen Szene sitzt Eminem (dargestellt von ihm selbst) im Studio und erwähnt nebenbei, dass er schwul ist - was die gesamte Redaktion in Schnappatmung verfallen lässt. Nichts ist Skylark zu schmutzig, um nicht groß rausgebracht zu werden. Unzufrieden ist nur sein Produzent Aaron, der sich mehr Seriosität wünscht.

Jeder spielt sein Spielchen

Als Aaron erfährt, dass Nordkoreas Staatschef Kim (Randall Park) ein großer Fan der Skylark-Show ist, fragt er kurzerhand ein Interview an - und erhält tatsächlich eine Zusage. Dass der Diktator die Fragen vorher selbst formuliert, ist ja keine Hürde. Ewiger Ruhm wartet auf Dave und Aaron. Dass sogleich die CIA auf der Matte steht und die Liquidierung des Diktators ins Spiel bringt, ist dann nur ein weiterer Seitenhieb des Films gegen die Politik der USA. So leicht wird es den beiden Möchtegern-Agenten aber nicht gemacht, denn Kim erweist sich - je nach Sichtweise - als herzensguter Mensch oder eiskalter Meister der Manipulation.

Jeder spielt sein Spielchen und der Zuschauer ist zeitweise tatsächlich hin- und hergerissen, ob Kim nicht ein ganz netter Kerl ist, der unter der harten Hand seines Vaters zu leiden hatte und eine Schwäche für Margaritas, Katy Perry und Basketball hat. Gleichzeitig lässt der Film aber auch kein Klischee aus, das über Nordkorea und Kim im Umlauf ist.

Diktaturen verstehen keinen Spaß

So verfügt der Film zwar über subtilen Humor, nur wird dieser leider immer wieder übertönt von Zoten, die nah an der Geschmacksgrenze entlangschrammen. Lang und breit wird etwa eine Szene gefeiert, in der sich Aaron eine Minirakete in den Arsch schieben muss, um nicht als Agent aufzufliegen. Auch erigierte Penisse, das intime Verhältnis von Dave und Aaron und viele weitere kleine-Jungs-Witze spielen eine Rolle.

Das aber kann man "The Interview" zugutehalten: Regisseur Evan Goldberg, der den Film zusammen mit Rogen schrieb, produzierte und inszenierte, macht aus der Mischung einen sehr temporeichen Film, der immer wieder großartige Momente hervorbringt. Etwa wenn Dave und Kim zusammen eine sturzbesoffene Panzerfahrt unternehmen und dabei Katy Perrys "Fireworks" schmettern. Auch das sehr actionreiche Finale macht sehr viel Spaß und erinnert in seiner Überdrehtheit ein bisschen an Trash-Filme wie "Machete".

Politisch brisant ist der Film aber nie. Er will das ja auch gar nicht sein. Er will unterhalten und das macht er ziemlich gut. Die Seitenhiebe auf das Showbusiness und ihre Oberflächlichkeit, auf die US-Politik und die Rolle der CIA sind zwar vorhanden, gehen aber unter. Dass Nordkorea angesichts von solchen Witzen Drohungen gegen Sony ausspricht, sagt am Ende mehr über das abgeschottete Land aus als über den Film. Diktaturen verstehen eben keinen Spaß.

"The Interview" startet am 5. Februar in den deutschen Kinos.

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Quelle: n-tv.de

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