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"Hail, Caesar!" der Coen-Brüder: Stars in der Manege

Von Markus Lippold

Bibelschinken, Kommunisten und ein entführter Leinwandstar: Die Coen-Brüder ziehen mit George Clooney und Scarlett Johansson das klassische Hollywood durch den Kakao. Ganz überzeugen können sie aber nicht.

Wie ein Schwein ins Uhrwerk schaut Baird Whitlock, als er mit seinen Entführern konfrontiert wird: Es sind gar keine knallharten Gangster, sondern sanfte Intellektuelle, die über Produktionsmittel diskutieren. Sie haben erfolgreiche Drehbücher geschrieben, nur reich geworden sind sie dabei nicht. Böses, kapitalistisches Filmgeschäft! Die Gruppe, die sich "Die Zukunft" nennt, träumt von einer besseren Welt - ausgerechnet im Amerika der McCarthy-Ära, als auch in Hollywood Jagd auf vermeintliche Kommunisten gemacht wurde.

Eddie Mannix (Josh Brolin, r.) muss schon mal kräftig zupacken, um seine Stars im Zaum zu halten.
Eddie Mannix (Josh Brolin, r.) muss schon mal kräftig zupacken, um seine Stars im Zaum zu halten.(Foto: Universal Pictures)

Die 50er waren die letzte Glanzzeit des Studiosystems, kurz bevor es durch die boomende Fernseh-Konkurrenz eine Bruchlandung hinlegte. Doch wo Sonnenschein ist, ist auch Schatten. Viel Schatten. Und den leuchten die Coen-Brüder in ihrer neuen Komödie "Hail, Caesar!", die auch die Berlinale eröffnete, gehörig aus. Sie ziehen naive Filmstars durch den Kakao, persiflieren exzentrische Regisseure und demontieren ein System, das gnadenlos über Menschen verfügt, die wie Marionetten behandelt werden.

Kaum verborgene Homoerotik

Ein meisterhafter Marionettenspieler ist Eddie Mannix. Er ist der Mann fürs Grobe, derjenige, der die Probleme des Filmstudios Capitol Pictures löst. Dass Kommunisten den Star Baird Whitlock entführt haben und damit der Bibelschinken "Hail, Caesar!" nicht fertiggestellt werden kann, ist da fast noch eine Petitesse. Die geforderten 100.000 Dollar bezahlt das Studio schließlich aus der Portokasse.

Nur einer der Problemfälle für Mannix: DeeAnna Moran (Scarlett Johansson).
Nur einer der Problemfälle für Mannix: DeeAnna Moran (Scarlett Johansson).(Foto: Universal Pictures)

Doch es kommt noch dicker für Mannix: Starlet DeeAnna Moran hat sich von einem verheirateten Mann schwängern lassen. Ausgerechnet ein Westernheld soll auf Befehl von oben ein neues Image bekommen, gerät jedoch mit dem anspruchsvollen Regisseur des piekfeinen Dramas aneinander. Und zwei Journalistinnen, dazu noch Schwestern, wittern skandalöse Geschichten im Inneren der riesigen Studiohallen. Akribisch geht Mannix die Probleme an, verhandelt dazwischen noch über ein lukratives Jobangebot und diskutiert - in einer der gelungensten Szenen des Films - mit Religionsvertretern über die Darstellung von Jesus im neuesten Sandalenfilm.

Die Traumfabrik Hollywood - Joel und Ethan Coen wandeln in ihrem Film einen feinen Grat entlang, zwischen Entzauberung und Hommage. Sie zeigen den Schmutz und die Brutalität des Filmgeschäfts. Doch gleichzeitig bauen sie mit detailverliebten Anspielungen ein Denkmal für all die Stereotype und Genres, die das klassische Hollywood hervorgebracht hat: Es gibt singende Cowboys, tanzende Matrosen - die ihre Homoerotik kaum verbergen können -, snobistische Regisseure, dumme Diven und saufende Filmhelden. Keiner von ihnen hält unter dem Brennglas dem Ideal stand, das sie auf der Leinwand verkörpern.

Joel (l.) und Ethan Coen (2.v.l.) dirigieren die tanzenden Matrosen, unter ihnen Channing Tatum (M.).
Joel (l.) und Ethan Coen (2.v.l.) dirigieren die tanzenden Matrosen, unter ihnen Channing Tatum (M.).(Foto: Universal Pictures)

Doch zum Glück gibt es Mannix, der die Stars bändigen und alles am Laufen halten muss. Josh Brolin, eigentlich bekannt für knallharte Rollen, überzeugt hier als getriebenes Mädchen für alles, das doch nie den Überblick verliert. Weil er dieses Geschäft liebt, diesen Zirkus, in dem er die Peitsche schwingen kann.

Der Film funktioniert nur so halb

Ihm gegenüber steht George Clooney, der schon deshalb zur Witzfigur wird, weil er die ganze Zeit sein historisches Centurio-Kostüm trägt. Perfekt persifliert er das Image des dümmlichen Filmstars, der Bauklötze staunt, als ihm seine Entführer den Kommunismus schmackhaft machen. Auch Alden Ehrenreich als deplatzierter Westernstar und Ralph Fiennes als exzentrischer Regisseur überzeugen, während Scarlett Johansson als schwangeres Blondchen und Tilda Swinton, die gleich zwei klatschsüchtige Journalistinnen spielt, zu wenig Raum bekommen, um zu glänzen.

"Hail, Caesar!" hat eigentlich alles, was eine gute Coen-Komödie ausmacht. Trotzdem funktioniert der Film im Vergleich zu "The Big Lebowski" oder "Burn after Reading" nur so halb. Zu brav werden die verschiedenen Handlungsstränge abgearbeitet, zu sehr verpufft das Ende. Während in den früheren Filmen die Handlungsstränge bis zur Unkenntlichkeit miteinander verknotet waren, um sich dann unter einigen überraschenden Wendungen zu entwirren, wirkt "Hail, Caesar!" zu durchkomponiert. Zu sehr auch würdigt man letztlich doch das alte Hollywood - woran allerdings Fans der Filmklassiker ihre Freude haben werden.

Der Film funktioniert eher als Episoden-Komödie: Es gibt etliche lustige Szenen, viele Lacher und Slapstick-Einlagen - etwa mit Frances McDormand in einer Mini-Rolle. Doch zu selten blitzt der Coen-typische subtile Humor auf, der darüber hinausweist. So lacht man vor allem über Einzelszenen, nicht über das große Ganze, nicht über den Irrsinn, der das alles zusammenhält.

"Hail, Caesar!" startet am 18. Februar 2016 in den deutschen Kinos.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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