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Schöne Bilder - schöne Geschichte? Eddie Redmayne und Alicia Vikander in "The Danish Girl".
Schöne Bilder - schöne Geschichte? Eddie Redmayne und Alicia Vikander in "The Danish Girl".(Foto: Universal Pictures)

Film-Drama "The Danish Girl": Wie man den Partner bedingungslos liebt

Von Anna Meinecke

Als Einar Wegener in Kleider schlüpft, wird er zur Frau. Nicht sofort, versteht sich, doch es ist der Moment in feinen Stoffen, der ihn neugierig macht - auf die Person, die er unwissend schon immer gewesen ist.

Manchmal braucht es nur ein Paar edle Strümpfe, um eine Person in das zu verwandeln, was sie schon lange ist. Das Künstlerehepaar Einar und Gerda Wegener zählt im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts zu Kopenhagens Bohème. Er hat es mit Landschaftsmalereien zu einem gewissen Ruhm gebracht, ihre Porträts finden eher mäßigen Anklang. Eines Tages steht Einar für Gerda in Kleidern Modell - sie findet in ihm ihre Muse und er entdeckt sich als Lili.

Einar ist transsexuell, doch so hätte er das nicht sofort formuliert. Seine Suche nach Identität beginnt als Spiel. Gerda verkleidet ihren Mann, in dem sie doch ihr perfektes Gegenstück gefunden zu haben meint. Sie versteht noch nicht, dass es für Lili keine Verkleidung ist.

Wahrheit und Happy End

Lili Elbe wird sich selbst das Leben kosten. "The Danish Girl" erzählt, basierend auf der gleichnamigen Romanvorlage von David Ebershoff, eine wahre Geschichte, die mit dem Tod endet. Die echte Lili starb 1931 an den Folgen einer operativen Geschlechtsangleichung - Hollywood lässt die Erzählung lieber vorher enden. Der Mainstream braucht sein Happy End, so wie er in Alicia Vikanders Gerda die liebende, heterosexuelle Gattin braucht - obwohl die echte Gerda eigentlich auch auf Frauen stand.

"The Danish Girl" spiegelt eine Filmindustrie, die sich selbst so gerne Fortschrittlichkeit attestiert, während sie konservatives Kino für die Massen macht. Wer Jeffrey Tambor als Maura Pfefferman in der Amazon-Serie "Transparent" für die ehrlich raue Darstellung von Transidentität bewundert, wird von "The Danish Girl" enttäuscht sein. Eddie Redmayne beweist weniger als ein Jahr nach seinem Oscar für "Die Entdeckung der Unendlichkeit" zwar erneut, dass er sich verwandeln kann - mit Stimme, feiner Mimik und großen Gesten. Wenn er jedoch als Lili das Geschlecht entdeckt, dann ist es ein unschuldiges Abtasten durch Blicke, ganz bewusst nicht sexuell, durchaus rührend, aber im Grunde so aufregend wie die Tagebucheinträge eines Teenagers.

Der konservative Blick

Mit den bezaubernd schönen Bildern eines klassischen Kostümfilms wird ein Publikum gelockt, das der Thematik sonst vielleicht nicht zugänglich wäre. Regisseur Tom Hooper kann das. Er hat es mit Filmen wie "The King's Speech" oder "Les Misérables" bewiesen. Dass durch seine Hand Lilis Identitätswirrungen oft überlagert  werden von innerehelichen Eifersüchteleien, ist bedauerlich. "The Danish Girl" darf sich einreihen bei all den Produktionen, deren Geschichten mit einem heterosexuell-konservativ geprägten Blick verbaut wurden.

"The Danish Girl" erzählt von Gerda, die an ihren Mann Einar auch als Lili glaubt. Die beschließt, ihn als sie weiter zu lieben. Das ist eine schöne Geschichte, aber der Film hätte besser eine andere erzählt.

"The Danish Girl" läuft ab sofort in den deutschen Kinos

Quelle: n-tv.de

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