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David Bowie 1987. Seine Frisuren waren ebenso vielfältig wie seine Musik.
David Bowie 1987. Seine Frisuren waren ebenso vielfältig wie seine Musik.(Foto: AP)

Ein Musikkapitel für die Ewigkeit: David Bowie als Inspirationsquelle

Von Kai Butterweck

Der Tod von David Bowie ist ein Schock für die Musikwelt. Um sein künstlerisches Erbe muss man sich jedoch keine Sorgen machen. Jahrzehntelang prägten Bowies Klangwelten die Werke vieler Musik-Hochkaräter. Und daran wird sich auch nichts ändern.

Als Motörheads Lemmy vor knapp zwei Wochen zockend vor seinem geliebten iTouch-Display das letzte Mal die Augen schloss, stand am Folgetag die gesamte Metal-Welt still. Zwar verneigte sich auch der eine oder andere genrefremde Kollege vor dem Schaffen des legendären Frontmanns. Doch in erster Linie waren es Musiker und Bands des Edelstahl-Genres, die sich erschüttert und einer musikalischen Inspirationsquelle beraubt zeigten.

Der Tod von David Bowie hingegen hinterlässt nahezu in allen musikalischen Branchen ohnmächtiges Entsetzen. Der Grund: David Bowie hat sich nie auf eine Stilrichtung festgelegt. Das "Chamäleon des Pop" hatte überall seine Finger im Spiel. Ob als Ziggy Stardunst, Major Tom oder Thin White Duke, als Beatmusik-Fanatiker, Avantgarde-Punk-Nerd oder gefangen im berührenden Backyard des Philadelphia-Blues: David Bowie war ein rastloser Neuentdecker, der stets alle an einen Tisch brachte.

Ausnahmekünstler mit tausend Gesichtern

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Seine bis zum Tod andauernde künstlerische Metamorphose hinterließ überall große Spuren. Madonna, Iggy Pop, Morrissey, Freddie Mercury: Sie alle badeten während ihrer Pilgerfahrten zum Rock- und Pop-Olymp nur allzu gerne im endlos tiefen Klang-Ozean des in London geborenen Ausnahmekünstlers mit den tausend Gesichtern.

David Bowie rannte überall offene Türen ein. So wäre beispielsweise die Neue Deutsche Welle ohne Bowies legendäre Berlin-Zeit wahrscheinlich niemals über die Ufer getreten. Auch hätte der Glam-Rock ohne Bowie nie über einen richtigen König verfügt. Punk und Wave hätten es ohne die richtungsweisenden Werke des Briten ebenfalls schwer gehabt. Und hätten sich antike und neuzeitliche Paradiesvögel wie Björk und Lady Gaga je getraut, in weltfremde Rollen und Kostüme zu schlüpfen? Wohl kaum.

Künstlerischer Wegweiser

David Bowie fungierte als künstlerischer Wegweiser. Und überall auf der Welt stellte man sich geduldig an und wartete, bis des Maestros musikalische Eingebung die Richtung vorgab. Pompöser Wave-Pop à la Depeche Mode, romantische Düster-Sounds im Stile von Nick Cave und rockende Arena-Kniefälle aus den Häusern Placebo und Muse: In jedem dieser musikalischen Vorgärten reichen importierte Wurzeln aus Brixton mit Abstand am tiefsten ins Erdreich.

Es war aber nicht nur Bowies ausgeprägtes Gespür für sich immer wieder neue erfindende Background-Achterbahnfahrten, die Musiker aus allen Businessecken über Jahrzehnte prägten und inspirierten. Es war auch seine Stimme, die das Gesamtprodukt zu etwas Einzigartigem machte. Mal höher, mal tiefer, aber stets mit einem unnachahmlichen wellenförmigen Grundklang gesegnet, pendelte Bowies Timbre wie kein anderes zwischen beruhigendem Storytelling und klassischem Gesang.

Gerne wäre er 200 oder 300 Jahre alt geworden. Erst vor wenigen Jahren fühlte sich Bowie endgültig befreit von allen Dämonen der Vergangenheit. Doch dann kam der Krebs; ein wuchernder Schrecken, vor dem letztlich auch ein David Bowie kapitulieren musste. Doch eines wird die "Geißel der Menschheit" nicht von dannen tragen: sein unerschöpfliches künstlerisches Erbe, das sicherlich auch von der Next Generation gehegt und gepflegt wird.

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Quelle: n-tv.de

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